Oh, was für ein traumhafter Wintertag! Zwischen autohohen Schneewänden schraube ich mich mit meinem kleinen Flitzer die Kehren in die Axamer Lizum hinauf. Das Paradies für Wintersportler befindet sich nur 20 Fahrminuten von Innsbruck entfernt. Die Sonne scheint, der Schnee glitzert. Erste Pisten rücken ins Blickfeld. Wie gerne würde auch ich heute die Brettln anschnallen! Aber meine Intention ist eine andere. Ich bin auf dem Weg in das „Lizum 1600“, das sich oberhalb des großen Parkplatzes – auf fast exakt 1600 Metern Seehöhe – noch hinter den Bäumen versteckt.

Auf rund 1600 Metern Seehöhe in der Axamer Lizum, befindet sich das Ausbildungs- und Kompetenzzentrum des Tiroler Skilehrerverbandes. Es ist oberhalb des Parkplatzes, direkt an der Piste angesiedelt. Foto: Kainz

Auf rund 1600 Metern Seehöhe in der Axamer Lizum, befindet sich das Ausbildungs- und Kompetenzzentrum des Tiroler Skilehrerverbandes. Es ist oberhalb des Parkplatzes, direkt an der Piste angesiedelt. Foto: Kainz

Das ist die noch recht junge, sportliche Heimat für die Ausbildung der Tiroler Schneesportlehrer. Foto: Stelzl

Das ist die noch recht junge, sportliche Heimat für die Ausbildung der Tiroler Schneesportlehrer. Foto: Stelzl

Im modernen Gebäude werden Interessierte mit dem nötigen Rüstzeug für den "Traumberuf Skilehrer" ausgestattet. Foto: Kainz

Im modernen Gebäude werden Interessierte mit dem nötigen Rüstzeug für den “Traumberuf Skilehrer” ausgestattet. Foto: Kainz

Das „Hotel & Kompetenzzentrum Snowsport Tirol“ ist weltweit einzigartig. Es vereint Beherbergung und Ausbildungszentrum unter einem Dach. Betrieben vom Tiroler Skilehrerverband werden hier seit einigen Jahren Schneesportlehrer für die Dienstleistung am Gast fit gemacht.

Der Umgang mit kleinen und großen Gästen will gelernt sein! Foto: Tamara Kainz

Der Umgang mit kleinen und großen Gästen will gelernt sein! Foto: Tamara Kainz

Genau, das sind jene, denen du dich vielleicht bei deinem nächsten Ski-, Snowboard-, oder Freeridekurs anvertraust! Fast 7.000 SchneesportlehrerInnen gibt es hierzulande. Organisiert sind sie in über 300 Skischulen. Pro Jahr betreuen die Experten rund 800.000 Gäste. Die Tiroler Skilehrerausbildung genießt Weltruf. Darauf ist man zu Recht sehr stolz.

Neues, hochmodernes Herzstück

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich selbst vor nunmehr ein paar Jährchen 😉 die Ausbildung zur Skilehrer-Anwärterin absolvierte. Damals fanden die Module noch an verschiedenen Orten statt. Heute sind Theorie- und Praxiseinheiten in und rund um das Lizum 1600 gebündelt. Mit ein Grund für meine Neugierde, dieses noch junge Zentrum auch einmal persönlich kennen lernen zu dürfen.

Skilehrer in Perfektion – das sieht dann so aus. Bis man „ganz oben“ angelangt ist, muss man allerdings schon einen ordentlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand einkalkulieren. Foto: Tiroler Skilehrerverband

Skilehrer in Perfektion – das sieht dann so aus. Bis man „ganz oben“ angelangt ist, muss man allerdings schon einen ordentlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand einkalkulieren. Foto: Tiroler Skilehrerverband

Profis am Werk

Vorbei an tief eingeschneiten Autos stapfe ich zum Eingang und treffe an der Rezeption auf Heidi Neururer. Die in Lans wohnhafte Geschäftsführerin des Lizum 1600 ist ehemalige Profisnowboarderin und krönte ihre Karriere im Jahr 2007 mit dem Weltmeistertitel. Ihre Erfahrungen aus dem Spitzensport kombiniert mit denen von einschlägigen Studien markieren zweifelsohne beste Qualifikationen für die Führung des Kompetenzzentrums von Snowsport Tirol.

In verschiedenen Modulen zum Erfolg: Die Krönung wäre die Ausbildung zum staatlich geprüften Ski- bzw. Snowboardlehrer. Dafür muss aber einiges zusammenpassen. Foto: Kainz

In verschiedenen Modulen zum Erfolg: Die Krönung wäre die Ausbildung zum staatlich geprüften Ski- bzw. Snowboardlehrer. Dafür muss aber einiges zusammenpassen. Foto: Kainz

Die Ausbildner bei den finalen Auswertungen: Unter ihnen der Vorsitzende der Prüfungskommission, Christoph Höbenreich (2. v. l.). Foto: Kainz

Die Ausbildner bei den finalen Auswertungen: Unter ihnen der Vorsitzende der Prüfungskommission, Christoph Höbenreich (2. v. l.). Foto: Kainz

Wir steuern in Richtung Gastlokal „Der weiße Rausch“. Das ist übrigens von der benachbarten „Herrenabfahrt“ auch direkt öffentlich zugänglich. Eine Gruppe von Ausbildnern ist dort in Listen vertieft. Heute ist Prüfungstag! Ich war sehr nervös, als es seinerzeit bei mir soweit war. Zwar waren die Unterrichtenden stets lässig drauf, am nötigen Ernst fehlte es aber trotzdem nie.

Immer lässig, aber trotzdem stets mit dem nötigen Ernst bei der Sache sind die Ausbildner wie hier Dominik und Murat. Foto: Kainz

Immer lässig, aber trotzdem stets mit dem nötigen Ernst bei der Sache sind die Ausbildner wie hier Dominik und Murat. Foto: Kainz

Beim „Schulefahren“ musste wirklich jede noch so kleine Bewegung exakt sitzen. Hangausgleich, Handhaltung, Belastungswechsel – ach, ich will nicht fachsimpeln. Von den Haar- bis zu den Skispitzen wurde jedenfalls jedes Detail akribisch beäugt. Stundenlang hatten wir die einzelnen Abläufe und Übungsreihen deshalb im Vorfeld verinnerlicht. Auch theoretisch ging es ans Eingemachte. Immerhin ist es mit guter skifahrerischer Technik allein schon lange nicht mehr getan. Die Weltbesten punkten noch in vielerlei anderen Hinsichten.

Viel mehr als nur „wedeln“

„Durch Digitalisierung, Onlinebewertungen und so weiter hat der Gast an Macht gewonnen. Der Markt ist von einem Leistungsprinzip gekennzeichnet, das es zu meistern gilt. Rein fachliche Kompetenzen – wenngleich diese Grundvoraussetzung sind – reichen nicht mehr aus, um Erfolg zu haben. Wie in vielen anderen Branchen sind es emotionale, soziale und persönliche Fähigkeiten, die ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Kunden sind“, unterstreicht Heidi, die den angehenden Schneesportlehrern regelmäßig erklärt, wie sie all das am besten praktizieren.

Die ehemalige Profisnowboarderin Heidi Neururer führt das Haus. Chris kümmert sich mit seinem Team um das leibliche Wohl der Gäste. Foto: Kainz

Die ehemalige Profisnowboarderin Heidi Neururer führt das Haus. Chris kümmert sich mit seinem Team um das leibliche Wohl der Gäste. Foto: Kainz

„Die Tiroler Skischule steht für die herausragende Skilehrerausbildung ebenso wie für den besten Lehrplan für Skischüler aller Disziplinen des Schneesports. Entstanden in der Wiege des alpinen Skilaufs, von einzigartigen Pionieren des Wintersports geprägt und fortgeführt mit zukunftsweisenden Konzepten für Trendsportarten im Schnee ist die Tiroler Skischule immer am Puls der Zeit“, fasst Snowsport-Tirol-Geschäftsführer Christian Abenthung oben erwähntes noch einmal fachmännisch zusammen.

Schneesport ist Lebensgefühl

Und ergänzt: „Die Skischule vermittelt aber noch mehr: Das Lebensgefühl, das Gefühl der Freiheit beim Schwingen im frischen Schnee – das leben die Tiroler Skilehrer authentisch vor und davon werden auch die Gäste erfasst.“ Wie wahr!

Luisa hat bestanden und freut sich über das Zeugnis aus den Händen von Paul Pranger. Dank der Urkunde darf sie sich nun ganz offiziell als Skilehrer-Anwärterin um Gäste kümmern. Foto: Kainz

Luisa hat bestanden und freut sich über das Zeugnis aus den Händen von Paul Pranger. Dank der Urkunde darf sie sich nun ganz offiziell als Skilehrer-Anwärterin um Gäste kümmern. Foto: Kainz

Auch Laura hat's geschafft und die Prüfung positiv absolviert. Sie wird demnächst ihren Dienst in einer Tiroler Skischule antreten und nebenher weiter studieren. Foto: Kainz

Auch Laura hat’s geschafft und die Prüfung positiv absolviert. Sie wird demnächst ihren Dienst in einer Tiroler Skischule antreten und nebenher weiter studieren. Foto: Kainz

Am Gang treffe ich auf Laura und Luisa. Die Mädels aus Hamburg – ja, die Ausbildung steht Interessierten aus allen Ländern offen – halten ihr Zeugnis schon in Händen. Beide sind nun frisch gebackene Skilehrer-Anwärterinnen. Und werden als selbige bald aktiv werden. Gratulation! Die Freude ist ihnen anzusehen.

Drei Ausbildungs-Levels

Ausgebildet wurde ihre Truppe unter anderen von Dominik und Murat. Sie sind staatlich geprüfte Skilehrer und Skiführer und gehören damit zur Elite des Tiroler Skilehrerverbandes. Zwischen dem Anwärter- und dem Staatlichen-Level ist mit der Landeslehrerausbildung noch eine Ebene eingezogen. Ebenfalls nicht leicht zu kriegen und ebenfalls mit wochenlangen Vorbereitungskursen verbunden – aber dafür ebenfalls inklusive immensen Lerneffekten für eine gelungene Karriere am Schnee.

Fast 80 Damen und Herren aus dem In- und Ausland haben allein diese Woche Lehrgänge zum Anwärter beziehungsweise den Alpinkurs für angehende Landeslehrer besucht. Zum allgemeinen Verständnis sei noch angemerkt, dass die Befugnisse der Schneesportlehrer mit dem Ausbildungsgrad steigen. Die Besten stehen daher tendenziell eher für die Könner unter euch bereit.

Lizum 1600 ist buchbar

Kurzschwingen hin, carven her, die einzelnen Module in Richtung Traumberuf Schneesportlehrer sind bei Weitem nicht das einzige, das im Hotel & Kompetenzzentrum Lizum 1600 angeboten wird. Neben Skischulleitern, Mitgliedern von Lawinenkommissionen und Tiroler Bergrettern tagen hier auch immer wieder Organisationen und Firmen (ganz) anderer Art. Sie halten Fortbildungen, Seminare und Klausuren ab. Drei modernst ausgestattete Seminarräume bieten Platz für bis zu 100 Personen und, wenn gewünscht, bringt auch Heidi gerne ihr Wissen im Rahmen von Vorträgen ein, betont sie.

Zwar genießt der Wintersportgedanke im Haus den größten Stellenwert, das Lizum 1600 hat aber auch im Sommer einiges zu bieten! So ist es etwa ideal für Feierlichkeiten aller Art geeignet. Foto: Hassl

Zwar genießt der Wintersportgedanke im Haus den größten Stellenwert, das Lizum 1600 hat aber auch im Sommer einiges zu bieten! So ist es etwa ideal für Feierlichkeiten aller Art geeignet. Foto: Hassl

Zudem sind im Haus auch private Gäste herzlich willkommen. „Die Ausbildungslehrgänge werden nur in den Nebensaisonzeiten durchgeführt; in den Hauptsaisonzeiten sind die 46 Zimmer des Hotel & Kompetenzzentrum Lizum 1600 für alle Gäste buchbar. Wir haben schon viele Stammgäste gewinnen können, die in Axams ihren Winterurlaub verbringen“, freut sich Christian Abenthung.

Ideal auch für Feierlichkeiten

Das Lizum 1600 empfiehlt sich darüber hinaus für Geburtstags-, Erstkommunion- und Tauffeiern sowie Hochzeiten. Denn der großzügig gestaltete Speisesaal sowie das gemütliche Gastlokal „Der weiße Rausch“ bieten ebenfalls Platz für bis zu 100 Personen. Für das kulinarische Wohl sorgt Küchenchef Chris und sein Team. Das Lizum 1600 ist somit auch außerhalb des Winters ein idealer Platz für alle, die ein einzigartiges Ambiente für ihre Veranstaltung suchen.

 

Snowsport-Tirol-GF Christian Abenthung (l.), Lizum 1600-GF Heidi Neururer und der Präsident des Tiroler Skilehrerverbandes, Richard Walter (r.). Foto: Hassl

Snowsport-Tirol-GF Christian Abenthung (l.), Lizum 1600-GF Heidi Neururer und der Präsident des Tiroler Skilehrerverbandes, Richard Walter (r.). Foto: Hassl

Na, dann weiß ich jetzt ja, an wen ich mich wenden kann, sollte auch ich einmal… etwas brauchen 🙂 Bis dahin wird es aber wohl eher beim Kakao in der Bar des Lizum 1600 bleiben, wenn ich wieder mal die Pisten der Axamer Lizum hinunter brause. Was “das Skilehrern” betrifft, bin ich selbst heute leider nur noch selten aktiv. Vergangenen Winter habe ich aber einmal Skilehrer Luis im Kühtai begleitet und über ihn einen Blogbeitrag verfasst.

„Ja, ich habe wieder viel gelernt“, lacht David, als er sein Auto nach dem einwöchigen Kurs ausgräbt. Das nächste Mal wird er für die Ausbildung zum Snowboard-Landeslehrer anreisen. Foto: Kainz

„Ja, ich habe wieder viel gelernt“, lacht David, als er sein Auto nach dem einwöchigen Kurs ausgräbt. Das nächste Mal wird er für die Ausbildung zum Snowboard-Landeslehrer anreisen. Für heute aber reist er ab. Foto: Kainz