Im Zuge einer etwas anderen Stadtführung möchte ich euch heute zwei Gerichte vorstellen, deren Stars am Teller wild in der Stadt wachsen. Hopfensprossen und Gundelrebe sind beides Wildkräuter, die ihr in Innsbruck (oder auch bei euch zuhause) selbst pflücken könnt. Sie kommen breitflächig in Europa vor. 

Kräuter sammeln mit Bergblick!

Kräuter sammeln mit Bergblick! ©Lea Hajner

Hopfensprossen sind die Spitzen der grünen Triebe des wilden Hopfens. Zu finden ist er oft oft bei verwilderten Hecken, Büschen und dort, wo die Pflanzenwelt die Zivilisation wieder in Beschlag nimmt. Erkennungsmerkmale: Schlingpflanze, “raue, leicht klebrige” Stängel, keine Ranken, nur jeweils ein Trieb, keine Verzweigungen, Blätter mit zackigem Rand (wie Weinblätter). Wenn ihr euch nicht zu 100 Prozent sicher seid, zieht bitte einen Experten, ein Pflanzenbuch oder zum Beispiel die Plantnet App zu Rate.

Beim Pflücken schlage ich die Triebe in eine nasse Küchenrolle ein und transportiere sie in einem Plastiksack nach Hause. Im Kühlschrank halten sich die Sprossen einen Tag. Meine stammen diesmal von Mentlberg, aber zu finden sind sie in allen Bezirken am Stadtrand, so auch beispielsweise in den Straßen zwischen Einkaufszentrum West und Flughafen oder entlang des Inns am Fußgängerweg Richtung Kranebitten.

Hopfensprossen ranken oft am "Gestrüpp" empor.

Die Hopfensprossen ranken sich  am “Gestrüpp” empor. ©Lea Hajner

Hopfensprossen im Tempurateig mit frischer Mayonnaise

  • Hopfensprossen (circa 10 pro Person als Vorspeise)
  • 100 g Weizenmehl
  • 25 g Stärkemehl (zum Beispiel Maizena)
  • 1/4 TL Backpulver
  • 200 ml kaltes Bier (alkoholfreie Variante: prickelndes Mineralwasser)
  • 1 TL Salz
  • Frittieröl (circa 2 cm am Boden des Topfes)

Tempurateig aus allen Zutaten anrühren, die Hopfensprossen einzeln durchziehen und einzeln (oder zu zweit) im heißen Öl frittieren (circa bei 170 Grad). Auf einem Küchenpapier abtropfen lassen und leicht salzen.

Herausgebackene Hopfensprossen asia-style. Foto: @Lea Hajner

Herausgebackene Hopfensprossen asia-style. ©Lea Hajner

Für die Mayonnaise: 200 ml Pflanzenöl in einen hohen, schmalen Behälter geben. 1/2 TL Salz, Pfeffer, etwas Zitronensaft und 1/2 TL Estragonsenf dazugeben. Ein ganzes Bio-Ei hineinschlagen. Den Stabmixer auf den Boden des Gefäßes stellen und mixen. Langsam hochziehen. Fertig und gelingt sicher! Mit Salz und Zitrone, eventuell etwas Limette abschmecken. Ebenfalls passt ein wenig Minze oder Kerbel sehr gut dazu, Wasabi oder Chilli sind auch eine leckere, wenn auch scharfe Option. Wer das Gericht vegan halten möchte, kann zum Beispiel eine Sonnenblumenkern-Mayo zubereiten.

Nachspeise aus Wildkräutern

Für die Nachspeise habe ich diesmal Gundelrebe ausgesucht. Erkennungsmerkmale: ein vierkantiger Stängel, die Blätter stehen gegenständig mit einem kurzen Stiel am Stängel, die kleinen violetten Blüten sind Lippenblütler. Am besten jene Pflanzen pflücken, die besonders große Blätter haben – Tipp: Die sind meist nicht in der prallen Sonne, sondern unter Hecken zu finden!

Auch hier bitte sichergehen, dass ihr die richtigen Pflanzen in Händen habt. Die Naturfreunde, Sonnentor Innsbruck, Uli, die Kräuterblogger (lowredeyes), der Feldverein und einige mehr bieten immer wieder Workshops zum Thema Wildkräuter an – am besten direkt informieren! Meine stammen aus Arzl vom Kalvarienberg. Die Chancen stehen aber gut, dass sie auch in deinem Garten wächst.

Gundelrebe wächst oft auch im Garten.

Gundelrebe wächst oft auch im Garten. ©Lea Hajner

Gundelrebe-Schokoblättchen After Eight

  • Gundelrebe (auch Gundermann genannt)
  • dunkle Schokolade (70-75%)
  • eventuell reines Kakaopulver

Den Ofen auf 50 Grad vorheizen. Die Schokolade in Stückchen teilen, in eine Schale geben und in den Ofen stellen. Ofen abschalten und 15 Minuten warten – so schmilzt die Schokolade möglichst schonend.

Trenn die größeren Grundelrebe-Blättchen ab und zieh sie durch die flüssige Schokolade. Auf einem Stück Backpapier auskühlen lassen. Mit frischen Blüten der Gundelrebe dekorieren und servieren! Schmeckt wie After Eight – oder doch besser?

Schmeckt wie After-Eight - nur mit mehr Liebe gemacht ;-)

Schmeckt wie After Eight – nur mit Liebe selbstgemacht 😉 ©Lea Hajner

 

Viel Spaß beim Sammeln & Nachmachen. Und vielleicht ja bis bald bei einem Wiltener-Vogelmiere-Salat oder einem Höttinger-Brennesselknödel?

Du suchst weitere Rezeptideen? Dann probier mal meine Palatschinken oder ein Gerstenrisotto!