Kommt eine ordentliche Bierkultur zur Sprache, können wir Tiroler ein Wörtchen mitreden. Der Gerstensaft erfreut sich auch hierzulande großer Beliebtheit. Das erfrischend herbe Getränk fehlt auf keiner Karte. Hie und da bestelle auch ich mir ein kühles Blondes. Oder lieber noch einen Radler, also das leichtere Bier-Zitronenlimonade-Gemisch, das in Deutschland oft auch Alster genannt wird. Bekanntlich löscht es ja jeden noch so großen Durst und ist für mich deshalb vor allem Belohnung nach sportlichen Aktivitäten. Zugleich steht Bier für Gemütlichkeit und gesellige Stunden – auch etwas Schönes 🙂

Institution Branger Alm

Jahrhundertelang gab es in Tirol viele Kleinbrauereien. Mit der Industrialisierung verschwanden sie nach und nach und einige wenige Großkonzerne übernahmen die Vorherrschaft am Markt. Inzwischen geht der Trend erfreulicherweise aber auch in Sachen Bier wieder vermehrt hin zum Ursprünglichen, zum Echten. Und so wird heute wieder öfters im Kleinen gebraut.

Nur die besten Zutaten sind für das Branger Bräu gut genug.

Nur die besten Zutaten sind für das Branger Bräu gut genug.

Das in Unterperfuss gebraute Bier traf von Anfang an den Geschmack der Kunden.

Das in Unterperfuss gebraute Bier traf von Anfang an den Geschmack der Kunden.

Einer der diesbezüglichen Vorreiter in Tirol war die Branger Alm. Auf dem stattlichen Areal in Unterperfuss finden sich ein Campingplatz sowie ein Restaurant samt Tanzlokal und das eben in Form eines typischen Tiroler Wirtshauses. Schon seit 1993 wird im Familienunternehmen selbst hergestelltes Bier gezapft. Einst wurde das Projekt, das Georg Hörtnagl startete, noch manchmal belächelt. Aber der Innovationsgeist hat sich ausgezahlt: Über 25 Jahre später ist das wunderbar naturtrübe Branger Bräu einer der Hauptgründe für viele (Stamm-)Gäste immer wieder zu kommen.

Nach deutschem Reinheitsgebot

Mittlerweile ist Georg’s Sohn Martin Herr der riesigen Tanks. Als ich ihn treffe, leert er gerade die Hefe in einen der Kessel, die er in der Früh persönlich in München geholt hat. „Sie wird vergoren und so entsteht der Alkohol“, ruft er mir durch den doch beträchtlichen Lärm zu.

So ein Produktionstag dauert schon mal neun Stunden. Dann ist das Bier im Tank und kann wochenlang reifen.

So ein Produktionstag dauert schon mal neun Stunden. Dann ist das Bier im Tank und kann wochenlang reifen.

Im Schnitt zweimal pro Woche herrscht im Brauereigebäude Hochbetrieb. Maische fließt in den Läuterbottich, Würze in die Sudpfanne. Dann kommen die Hopfendolden dazu. Der Prozess ist komplex und erst nach zehn Stunden Handarbeit wird das Gebräu in den kühlen Gärkeller entlassen, wo bereits die quirrlige Hefe wartet.

Moderner Technik sei Dank: Wofür früher zwei Braumeister nötig waren, das stemmt Martin heute locker alleine.

Moderner Technik sei Dank: Wofür früher zwei Braumeister nötig waren, das stemmt Martin heute locker alleine.

Ob im wohlverdienten Feierabend, zu einer gschmackigen Speise oder als isotonisch wertvolle Belohnung nach dem Sport – das Branger Bräu wird gerne getrunken.

Ob im wohlverdienten Feierabend, zu einer gschmackigen Speise oder als isotonisch wertvolle Belohnung nach dem Sport – das Branger Bräu wird gerne getrunken.

Früher wurde das Branger Bräu noch direkt im Gasthaus produziert. Platznot und die steigende Zahl an Auflagen bedingten schließlich, dass separate Räumlichkeiten errichtet wurden. Etwa 3.000 Liter des Hopfentees kreiert Braumeister Martin hier an einem Tag. Zumeist füllt er nach circa fünf- bis sechswöchiger Reifezeit, je eine Sorte Weizen- und Märzenbier in Gebinde von 5- bis 50-Liter-Fässern ab. Zum Mitnehmen werden zusätzlich 2- und 3-Liter-Flaschen angeboten. „Saisonabhängig gibt es auch mal ein Dunkles“, ergänzt der Chef.

Schwer zu übersehen: Auch der Braumeister selbst ist ein leidenschaftlicher Biertrinker. „Es wäre auch schlecht, wenn es anders wäre“, schmunzelt er.

Schwer zu übersehen: Auch der Braumeister selbst ist ein leidenschaftlicher Biertrinker. „Es wäre auch schlecht, wenn es anders wäre“, schmunzelt er.

Authentisch

Der 26-Jährige hat sein Handwerk bei Paulaner von der Pieke auf gelernt. Dementsprechend setzt er auf höchste Qualität und äußerste Sorgfalt beim Brauen. „Wir verwenden nur die besten Rohstoffe. Hopfen, Malz, Wasser und Hefe – mehr kommt nicht rein. Also keinerlei Zusätze und filtriert wird unser Bier auch nicht. Natürlicher könnte das Rezept nicht sein“, lässt er mich wissen und wuselt geschäftig zwischen den Tanks im oberen und jenen im unteren Bereich der Halle herum.

Chef Martin hat alles im Blick.

Chef Martin hat alles im Blick.

Wirft da einen Blick durch das Sichtfenster auf den noch wenig ansehnlichen bräunlich-gelben Sud und wäscht dort Gerätschaften aus. Es geht etwas nass zu. Jetzt weiß ich, warum Martin massive grüne Arbeitsgummistiefel trägt … Zwischendurch kontrolliert er regelmäßig Temperaturen und ph-Wert am Computer – überhaupt hat er stets ein Äuglein darauf, ob die technischen Vorgänge eh so ablaufen, wie sie sollen.

Abwechslungsreiche Tätigkeit

Martin mag seinen Beruf, wobei der Komplettheit halber angefügt sei, dass das Bier brauen nur eine von vielen Aufgaben ist, für die er in seinem Unternehmen (mit)verantwortlich ist. „Um Bier zu brauen, ist ein breites Wissen gefragt“, klärt er mich auf. „Man muss sich zum Beispiel mit Allergenen auskennen und physikalisch bewandert sein. Und wenn es so ist, wie bei mir, sind auch noch kaufmännische Fähigkeiten gefragt“, umreißt er das Profil eines guten Braumeisters.

Heute ist Martin der Chef. Aufgebaut hat den (Brauerei-)Betrieb sein Papa Georg. Der ist inzwischen Bürgermeister der kleinen Gemeinde Unterperfuss und hat sich aus der Entscheidungsebene im familieneigenen Betrieb zurückgezogen.

Heute ist Martin der Chef. Aufgebaut hat den (Brauerei-)Betrieb sein Papa Georg. Der ist inzwischen Bürgermeister der kleinen Gemeinde Unterperfuss und hat sich aus der Entscheidungsebene im familieneigenen Betrieb zurückgezogen.

Im Einzel- oder gar Großhandel ist das Branger Bräu nicht zu finden. Abgesehen vom Ausschank im familieneigenen Betrieb kann es lediglich noch von dort mit nach Hause (oder mit auf den Campingplatz) genommen werden. Wenn du es also gerne verkosten möchtest, empfehle ich dir, der Branger Alm einen Besuch abzustatten. Die hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Neben dem klassischen Bier gibt es hier auch Gerichte, die mit dem hauseigenen Bier zubereitet werden sowie ebenfalls selbst gemachten Bierschnaps und Whisky. Und nach einem gutbürgerlichen Mahl lässt sich in Unterperfuss – wie eingangs schon erwähnt – auch ganz herrlich das Tanzbein zu Schlager und Fox aber auch den neuesten Charts schwingen. Ein, zwei weitere Bierchen inklusive, versteht sich 😉 Prosit und Gesundheit!

Flotte Sprüche da wie dort – wenn du ein echtes Tiroler Wirtshaus mit hausgemachtem Bier besuchen möchtest, ist die Branger Alm ein guter Tipp.

Flotte Sprüche da wie dort – wenn du ein echtes Tiroler Wirtshaus mit hausgemachtem Bier besuchen möchtest, ist die Branger Alm ein guter Tipp.

 

Alle Fotos: Tamara Kainz