Sitzen kann man in Innsbruck ja fast überall. Mancher mag dabei auch durchaus kreativ werden. Denn: ein gut gelaunter Sommernachmittag bietet den entspannten Flaneuren in der Innsbrucker Innenstadt manch willkommene Gelegenheit zum entspannten „Niedahockn“ und “Feinhabn”. Auch ich begab mich in den letzten Sommerwochen auf Streifzüge durch meine kleine Alpenstadt. Auf den Spuren alter und neuer Sitzgelegenheiten. Ein sommerliches Spazierprotokoll.

Schön einen Sitzen.

Weil ich mich der Altstadt in der Regel wohnstattbedingt von Norden nähere, stellt sich hier bei der Ottoburg auch schon die erste schöne Sache in den Weg: Ein sinnlicher Live-Jazzabend samt Sundowner zwischen fünf ausgesuchten Lokalitäten: jeden Dienstag und Freitag ab halb acht. In den früheren Nachmittagsstunden komme ich manchmal aber auch etwas weiter, ins Farina etwa. Im neuesten Ableger der versierten Pizzaioli vom Due Sicilie hat man das neapolitanische Pizzarad quasi neu erfunden. So arrangiert man den südländischen Steinofenfladen hier nicht nur feinsinnig mit Vitello Tonato oder Thunfischfilet in Sesamkruste. Man serviert den Grappa danach auf Wunsch nicht neben, sondern gleich im Espresso. Dolce Vita mit Schuss im Schanigarten, so schmeckt der Sommer.

Zu Gast bei griechischen Göttern.

In der Ursulinenpassage öffnet die städtische Musikschule im Sommer ihre Fenster in den Innenhof. Und bespielt die Freibereiche der Akropolis mit ihren jüngsten Nachwuchstalenten. Das griechische Restaurant gibt es hier schon lange, neuer ist die kleine Außenstelle Mr. Gyros gegenüber. Wo immer alle griechisch sprechen, man den Geschmack von Urlaub im Pitafladen bekommt und zum Abschied ευχαριστώ ruft. Im Akropolis selbst gibt es zum Abschied immer Ouzo und vorher eine griechische Inselplatte nach Wahl. Dazu Bauernsalat und Zaziki, Pita und Feta, Mythos und Metaxa. Gelobt sei Dionysos, feiern können die Griechen!

Sonne und Schnitzel.

Das Schnitzel im Steneck schmeckt noch genauso echt wie damals, als ich hier mein allererstes aß. Auch Wirt Manfred ist seit 1988 dasselbe Original. Der Biergarten ist jedes Mal eine Zeitreise, nur die riesige Kastanie fehlt. Dafür wird bis heute jeder Radler frisch gemischt, der Kartoffelsalat selbst gemacht, das Schnitzel handgeklopft und alles mit ehrlichen Studentenpreisen abgerechnet. Ohne Baum sieht man zwar den Himmel besser, die Mittagshitze treibt mich aber eher in den Schatten. So unlängst geschehen in der Glasmalerei, wo man nur mit Reservierung an die besten Gartenplätze kommt. Dafür sitzt man dann unter Bäumen, genießt kühlen Schatten und täglich wechselnde Mittagsmenüs.

Spontan: Tiroler Promenadenpicknick.

Und natürlich gibt es auch die Tage, wo man sich weder für einen FuZo-Espresso bei Manni entscheiden möchte, noch für ein Intermezzo Italiano am Sparkassenplatz. Ja nicht mal den eindrucksvoll luxuriösen 360° Lichtblick hoch über Innsbruck. Tage wo der geneigte Innsbrucker Flaneur sich irgendwann unwillkürlich am Inn wiederfindet. Mit einem Lieblingsmenschen an der Hand und einer Literflasche Tiroler Bier (siehe: gut sortiertes SPAR-Kühlregal) im Handgepäck. Ein Promenadenpicknick braucht hier weder Tisch noch Reservierung. Man macht sich einfach in der grünen Wiese breit: Lauscht den Vögeln, strahlt in die Sonne und erfrischt sich direkt aus der Flasche. Schön sitzen kann man in Innsbruck ja fast überall.

 

Weitere schöne Orte zum Genießen stellt euch Lea in ihrem Post über Almfrühstück und Picknick am Berg vor.