Das Gasthaus Schießstand im Innsbrucker Stadtteil Hötting gibt es seit 1849. Damals gehörte es den Schützen, heute wirken dort Patricia und Pico Schmied, kurz Pati und Pico mit pfiffigen Variationen der Tiroler Traditionsgerichte. Die Aussicht im Biergarten ist wunderschön, auf Musik wird für’s Entschleunigen verzichtet und das Gasthaus ist urig. So könnte es in einem Werbetext stehen.

 

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Damit ihr es auch wisst: Ordnung muss im Schießstand sein, daher wird auch höflich darauf verwiesen – oder eben: scharf geschossen. Foto: Vil Joda.

Die Tester: drei Fachmänner

Nun wieder zum Ernst: Mit meinen Gourmet-Experten zu Besuch aus der Steiermark rücke ich aus, um die Qualität des Gasthauses Schießstand eingehend zu beurteilen. Sechs Augen sehen mehr als zwei und drei Genussgaumen sind validere Messinstrumente. Per Auto geht es zunächst durch enge Gassen bis nach Ober-Hötting. Die Herren genießen für einen Moment die Aussicht und setzen sich. Kleine innerösterreichische Sprachbarrieren beim Bestellen zwischen Ost und West sind amüsant, aber kein hoher Grenzzaun. Beim Reden kommen die Leut´ zusammen, denn uns alle eint ein Ziel: Hunger als determinierender Trieb und Essen als einzige Lösung. So pragmatisch schreibt es das Leben.

 

 

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Der Experte Jokki saß mir bei der objektiven Messung stets zur Seite. Foto: Vil Joda.

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Der Experte Poti (rechts) bestellt bei Chefin Pati (links) ausgiebig und gewissenhaft. Foto: Vil Joda.

Das Essen: Tirol interpretiert

Als Vorspeise entscheiden wir uns unisono für die Alpbachtaler Graukas-Suppe, die ausgesprochen cremig, würzig und sättigend ausfällt. Als idealer Gaumenkitzler erweist sich das liebevoll garnierte Grammelschmalzbrot. Spezialität des Hauses ist das Schießer Cordon, eine Variation des Cordon bleu, gefüllt mit Tiroler Graukäse, Speck und Knoblauch, in reinem Butterschmalz frittiert. Der Beilagensalat könnte etwas größer sein. Erfreut zeigen sich die Herren zu Tische über den sauren Schweinsbraten an einer Senf-Vinaigrette, ein Gericht, das nur mehr selten zu finden ist. Neugierig geworden probieren wir die Palatschinken mit Marmelade, die fast schon frech nach Butter duftend, knusprig braune Stellen haben. Hausgemachte Topfenlasagne, Kaiserschmarrn mit Himbeeren oder Karotten-Zucchini-Kuchen sind andere lohnende Abschlüsse.

Koch Pico erklärt seine Philosophie: „Regionale Produkte als Zutaten, die mit Liebe und Kreativität zu Tiroler Gerichten werden.“ Die Experten sind sich daher einig: „Eine runde Sache, die unsere Erwartungen erfüllt.“

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Saurer Schweinsbraten ist nicht mehr so oft zu bekommen und neben dem Schießer Cordon eine Spezialität des Hauses . Foto: Vil Joda.

Zu trinken: eine solide Basis

Als ausbaufähig aber dennoch ausreichend erweist sich die Getränkekarte. Zipfer Bier gibt’s vom Fass und in Flaschen, Weizenbier von Weihenstephaner. Wein gibt’s rot als Zweigelt (Auman, Tribuswinkel) und Blaufränkisch (Heinrich, Burgenland) und weiß als Welschriesling (Winninger, Burgenland); sozusagen eine Grundausstattung für ein gutbürgerliches Lokal. Bauernobstler und Williams sind in Ordnung, Jägermeister und Ramazotti stehen ebenso auf der Karte wie naturtrüber Apfelsaft. „Aus der Steiermark“, betonen die Experten.

 

Die Lage: fantastisch am Hang

Mit der Linie J oder A kommt ihr bis zum Höttinger Kirchplatz und von dort in 10 Minuten zu Fuß auf einen Hügel mit Blick auf die Stadt, die Serles und den Patscher Kofel im Süden. Direkt hinfahren bis zum Parkplatz könnt ihr mit dem Auto; viele Plätze gibt es aber nicht. Von der Altstadt braucht ihr circa 25 Minuten zu Fuß. Die Aussicht vom Biergarten lohnt sich jedenfalls. Das Ambiente der Stube und des alten Hauses ist urig. Hier befindet sich seit jeher ein Schießstand, an dem die Höttinger Schützen wirkten und heute noch geschossen wird.

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Im Sommer ist die Stube auch schön, aber im Biergarten ist es feiner. Foto: Vil Joda.

Die Wirtsleute: immer im Doppelpack

Der Koch empfängt seine Gäste in einer kurzen Pause persönlich mit Handschlag. „So muss es sein“, freuen sich die Experten. Pico steht engagiert in der Küche, als ich ein paar Fotos mache. Mit Piercing und langen Haaren sieht er nicht aus wie ein typischer Koch. Kellnerin Pati eilt von Tisch zu Tisch und bedient wie ein Unruh. Mit ihren Flip Flops wirkt sie ein wenig unbeholfen, aber sehr sympathisch. „Ich selbst habe das nie wirklich gelernt“, gesteht sie. „Aber der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt.“ Pati und Pico haben den Schießstand 2015 übernommen. Die zwei gibt es auch privat nur im Doppelpack: Sie sind ein Paar, kümmern sich um 20 Meerschweinchen und ihre drei Kinder.

 

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Das ist der Schöpfer der Schießstand-Küche: Pico Schmied, Patricia ist ein wenig schüchtern. Foto: Vil Joda.

 

Resümee:

Hochwertige und überraschend gelungene Tiroler Variationen zu fairen Preisen, ausbaufähige Getränkekarte, beeindruckende Lage und engagierte Wirtsleute. Die Experten sagen: „Wir kommen wieder!“

 

Koordinaten

HÖTTINGER SCHIEßSTAND
Schwabeneckweg 7
6020 Innsbruck
T. +43 512 254667
M. +43 678 12 221 77
E. info@schiessstand-hoetting.at
F. Schießstand auf Facebook

Öffnungszeiten:

Di – So von 11.00 bis 22.00 Uhr
1. November – 1. April: Montag und Dienstag Ruhetag, ab 1. April: Montag Ruhetag

 

Anhang: die Experten bei der Arbeit…

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Die Experten haben ihre Eindrücke gleich gewissenhaft ausgewertet. Foto: Vil Joda

 

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Und wenn sie nicht gestorben sind, dann essen sie wohl noch heute. Danke Jokki und Poti. Foto: Vil Joda

 

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Die Stiege vom Höttinger Schießstand hinunter war ein Leichtes – auch zur späten Stunde. Foto: Vil Joda