Madrid hat eine, Bratislava auch und Wien erst recht: Food Tours gehören in angesagten urbanen Destinationen längst zum touristischen Alltag. Es war also höchst an der Zeit, diese Marktlücke auch hierzulande zu schließen! Nun endlich bekommen Gäste aus aller Welt die Gelegenheit, Innsbruck und Tirol ebenfalls von ihrer köstlichsten Seite kennen und lieben zu lernen; am eigenen Gaumen erfahren, was im Zentrum der Alpen so aufgetischt wird. Eigentlich ein dankbares Projekt, denn mit einzigartigen Spezialitäten sind wir wahrhaft reich gesegnet!

Besondere Einblicke bieten und unvergessliche Erinnerungen erzeugen – das beabsichtigt Kurt mit seinen Innsbruck Food Tours.

Besondere Einblicke bieten und unvergessliche Erinnerungen erzeugen – das beabsichtigt Kurt mit seinen Innsbruck Food Tours.


Der Organisator der hiesigen Food Tours heißt Kurt Reindl: „Ich hatte die Idee schon länger im Kopf und freue mich, dass es nun endlich an die Umsetzung geht“, so der Ötztaler, der Innsbruck als Wahlheimat auserkoren hat. Ich treffe ihn und weitere Interessierte an einem feinen Herbsttag in der Innsbrucker Altstadt. Für mich ist es die erste Food Tour überhaupt, an der ich teilnehme. Wie empfohlen, komme ich hungrig – und sollte es nicht bereuen 😉

Echte Feinheiten auf der Zunge zergehen lassen

Zwar ist der Klassiker „Tiroler Graukäse“ nicht unbedingt mein Ding (und dass der im Programm nicht fehlen darf, war mir klar), aber der Käse ohne grau dafür schon viel mehr. Zusammen mit traditionell hergestelltem Brot, würzigen Chutneys, gutem Speck, scharfem Schnaps, süßem Honig und edler Schokolade, die selbst den größten Naschkatzen ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubert, bleiben mir beim Verkosten jedoch genügend „Ausweichmöglichkeiten“. Und damit bis zum Ende auch wirklich jeder satt wird, werden bereits zur Tour-Halbzeit in einem authentischen Tiroler Genussbetrieb ordentliche Portionen saftiger Kasspatzln und echtes Tiroler Gröstl serviert. Nachher gibts noch Kaffee, Baklava, Prügeltorte und, und, und.

Innsbruck ist nachgezogen und bietet jetzt endlich auch Food Tours an.

Innsbruck ist nachgezogen und bietet jetzt endlich auch Food Tours an.

Kurt Reindl heißt der Mann, der das Projekt initiiert hat und sich damit einen kleinen Traum verwirklicht.

Kurt Reindl heißt der Mann, der das Projekt initiiert hat und sich damit einen kleinen Traum verwirklicht.

Innsbrucks Essensbotschafter in seinem Element.

Innsbrucks Essensbotschafter in seinem Element.

Aber zurück zum Anfang. Kurt unterweist uns kurz, ehe wir die Traditionsbäckerei Kröll betreten. Ich erkenne sofort: Der Mann ist bestens gerüstet. Nicht nur äußerlich mit dezent-akzentuierter Kleidung, die mit Messer, Gabel und Löffel vor dem Konterfei des Goldenen Dachls gebrandet ist. Auch, dass der 41-Jährige uns heute Einblicke in die Tiroler Essenskultur gewähren wird, die selbst ich als Einheimische so noch nicht kannte, wird schnell klar. Kurt weiß, wovon er spricht. Als einstiger Bauernbub ist er mit viel Herzblut bei der Sache und bringt die (Insider-)Infos gekonnt auf den Punkt. Diese Gabe trainiert er in seinem Brotberuf als Journalist und Regisseur ja auch täglich.

Großer Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit

Dann erster Stopp Backstube. In ihrem „Heiligtum“ erzählen uns Inhaberin Marion Erhart-Kröll und ihr Sohn Stefan vom Bäckeralltag. Erklären, was es mit dem beliebten Schüttelbrot auf sich hat und wie ein Tiroler Döner aussieht. Interessant und lecker zugleich, denn logischerweise wird parallel dazu gleich Brot aufgeschnitten und zum Probieren bereit gestellt.

Das echte Tirol kulinarisch erfahren. Abseits vom Mainstream, wie hier in der Traditionsbäckerei Kröll – das ist der Grundgedanke der Food Tours.

Das echte Tirol kulinarisch erfahren. Abseits vom Mainstream, wie hier in der Traditionsbäckerei Kröll – das ist der Grundgedanke der Food Tours.

Gut, dass Kurt alle Teilnehmer mit Papiertragetaschen ausgestattet hat. So kann das ein oder andere auch gleich für Zuhause eingekauft werden. „Ich will den Leuten ausschließlich qualitativ hochwertige, regionale Produkte näher bringen. Von den Food Tours sollen deshalb letztlich auch jene profitieren, die sie erzeugen bzw. meine Kooperationspartner sind“, unterstreicht Kurt, dass der Nachhaltigkeitsgedanke eine wesentliche Säule seiner Initiative bildet.

Auf die Teller kommt nur das Beste. Wer möchte, kann die Spezialitäten freilich auch kaufen und mit nach Hause nehmen.

Auf die Teller kommt nur das Beste. Wer möchte, kann die Spezialitäten freilich auch kaufen und mit nach Hause nehmen.

Anblicke wie diese machen doch wirklich Lust auf mehr ...

Anblicke wie diese machen doch wirklich Lust auf mehr …

Zwischenstopp Markthalle Innsbruck

Wir ziehen weiter. Durch die wunderbare Innsbrucker Altstadt geht es in Richtung Marktplatz. Zu Fuß, wie alle Wege, die wir heute beschreiten. Das bringt eine Reihe von Vorteilen: Ein kleiner Verdauungsspaziergang schadet nie, die Kommunikation wird gefördert und wir schonen die Umwelt. Außerdem bleibt genügend Zeit, um den Blick auf die prächtigen, historischen Bauten schweifen zu lassen, wobei Kurt aber festhält: „Die Food Tour beschränkt sich auf das, was der Name ankündigt. Stadtführung im gebräuchlichen Sinne mache ich keine. Das dürfte ich ohne entsprechende Konzession auch gar nicht. Ich sehe mich als Botschafter der Tiroler Küche, gebe gerne Infos zu kulinarischen Themen und habe manche Anekdote zu den lokalen Essensgewohnheiten und Sitten parat. Die Details zu den einzelnen Speisen zu erklären, obliegt dann den Experten.“

Die Food Tour beendet keiner, bevor er nicht wirklich satt und zufrieden ist!

Die Food Tour beendet keiner, bevor er nicht wirklich satt und zufrieden ist!

Das Projekt ist zu 100 Prozent klimaneutral: Die Tour ist auf keine Verkehrsmittel angewiesen und es wird darauf geachtet, dass kein Müll produziert wird.

Das Projekt ist zu 100 Prozent klimaneutral: Die Tour ist auf keine Verkehrsmittel angewiesen und es wird darauf geachtet, dass kein Müll produziert wird.

Es sind nur ein paar Minuten, bis wir vor der altehrwürdigen Markthalle stehen. Sie vereint ein exquisites Sortiment an in- und ausländischen Spezialitäten unter ihrem Dach. Am Stand von Stefan Kranebitter gibt es Käse. Mit und ohne grau. Oder genauer: In allen Schattierungen! Auf einem Holzbrett ist angerichtet. Beherzt greifen Miriam, Patrick und ich zu, während Käsesommelier Stefan uns in legerer Atmosphäre die verschiedenen Produktionsmethoden erläutert. Wenige Meter entfernt erwartet uns Alexandra Machatschek in ihrem Laden „Schmankerl & Co.“. Sie ist besonders innovativ unterwegs, indem sie unter anderem bei der Ernte aussortiertes Obst- und Gemüse zu speziellen Chutneys verkocht.

Regionalität wird groß geschrieben: Nur lokal produzierte Köstlichkeiten stehen am Speiseplan.

Regionalität wird groß geschrieben: Nur lokal produzierte Köstlichkeiten stehen am Speiseplan.

Acht unterschiedliche Stationen werden besucht. Darunter etliche Geheimtipps, die wirklich noch welche sind.

Acht unterschiedliche Stationen werden besucht. Darunter etliche Geheimtipps, die wirklich noch welche sind.

Es wird auch gelernt, indem etwa unterschiedliche Nachhaltigkeitsprojekte vorgestellt werden.

Es wird auch gelernt, indem etwa unterschiedliche Nachhaltigkeitsprojekte vorgestellt werden.

Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, darum nur noch soviel: In dieser Manier wird die Tour fortgesetzt, bis ich Stunden später erfüllt von jeder Menge neuen Eindrücken und netten Bekanntschaften „Servus“ sage.

Vielfältige Abwandlungen sollen folgen

Na, neugierig geworden? Wenn auch du jetzt auf den Geschmack gekommen bist, kannst du dich via booking@innsbruckfoodtours.at für eine der jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag in der Zeit von 10:00 bis 14:00 Uhr stattfindenden Food Tours anmelden. Von mir erhält der gelungene Ausflug jedenfalls das Prädikat empfehlenswert! Die Food Tours sind wahrlich eine Bereicherung für die Stadt und natürlich den Gast, dem damit übrigens auch eine perfekte zusätzliche Alternative für den Fall von schlechtem Wetter geboten wird. Dass aber nicht nur ich das Projekt ausgezeichnet finde, bezeugt die Tatsache, dass Kurt Reindl für seine Innsbruck Food Tours kürzlich auch der Regionalitätspreis der Tiroler Bezirksblätter in der Kategorie Tourismus/Gastgewerbe verliehen wurde. Das Siegervideo dazu gibt es hier.

Von „Neiner“ bis „Marende“ - Begrifflichkeiten wie diese lernen die Teilnehmer ebenfalls kennen.

Von „Neiner“ bis „Marende“ – Begrifflichkeiten wie diese lernen die Teilnehmer ebenfalls kennen.

Und ein letzter Zusatz noch: Für Vegetarier und Veganer ist die aktuelle Version der Food Tours leider nicht geeignet. Dafür findet ihr hier ein paar vegane Innsbruck Tipps. Für die Zukunft schmiedet Kurt jedoch bereits große Pläne: Kochkurse mit Bäuerinnen, eine Innsbruck Sweet Tour, weihnachtliche Food Tours, vielleicht sogar eine Halal-Tour und eben vegetarische und vegane Alternativen schweben ihm da etwa vor. Wenn das Konzept aufgeht, wird all das bald auch in mehreren Sprachen buchbar sein – das Angebot soll inhaltlich wie geografisch kontinuierlich ausgebaut werden.

Alle Fotos: Tamara Kainz