In einer kleinen Stadt wie Innsbruck sind neue Restaurants unter Foodies immer ein willkommenes Fressen. Wer hat wo einen neuen Laden aufgemacht, woher kommt der Koch, was gibt’s zu essen und wo schmeckt’s am besten? Die Gastroszene ist gut vernetzt und trotzdem gibt es immer wieder Überraschungen, denn den Traum vom eigenen Restaurant hegt so mancher. Für diesen Artikel bin ich jeweils zu Mittag in eines der drei neuen Lokale eingekehrt. Gleich vorneweg gesagt: gut geschmeckt hat es mir überall – und wo am besten verrate ich am Ende des Artikels.

Alle drei liegen übrigens sehr zentral und lassen sich gut mit dem Entdecken der Sehenswürdigkeiten verbinden.

Solo per te

“Nur für dich” heißt der neueste Lokalzugang von Ende Januar 2020 in Innsbruck. Was im ersten Augenblick nach Italo-Schlager klingt, spricht mich gleich beim ersten Anblick an. Das Lokal an der Ecke Marktgraben/Seilergasse ist einfach gehalten. Eine kurze aber sehr klare Speisekarte liegt auf den Stehtischen auf und durchs Glas bekommt man bereits von außen einen guten Einblick in die Küche. Im Grunde genommen sieht man hinter den Pizzastücken direkt in die Küche, denn die ist klein – aber spezialisiert auf schnelle italienische Kost.

“Endlich jemand, der allen grausigen Pizzaschnitten der Stadt den Kampf ansagt!”. Chef Roberto nickt zustimmend und meint:“Ja, ganz genau. Das ist mein Projekt!”. Ursprünglich kommt er aus Cassino, einer Stadt südlich von Rom, wo die viereckigen “Pizza al taglio” Schnitten als typisches Streetfood ursprünglich herkommen. Auch Pizzakoch Pierpaolo kommt aus Italien, genau genommen aus Capua bei Neapel. Und Adolfo, der Dritte im Bunde aus Catania in Sizilien. Sie drei Jungs aus Süditalien verstehen also was von guter Pizza.

Seit 13 Jahren lebt Roberto nun schon in Innsbruck und mit der Eröffnung des Restaurants macht er einen Traum wahr. Die viereckigen Stücke, die es hier gibt haben übrigens bei Gott nichts mit jenen zu tun, die Pizza-Banausen aus mit Hefe strotzendem Teig zuhause fabrizieren und sich dann wundern, dass sie Bauchweh davon bekommen. Nein, die Schnitten hier sind leicht und luftig, außen knusprig und oben köstlich belegt.

Während man in Rom oft nach Kilopreisen seine Schnitten bezahlt, gibt es hier Preise nach Sorte zB 3,40€ für ein Stück Margherita, 5,80€ für Salsiccia e Patate al Forno. Auf der Karte gibt es außerdem noch einige andere Gerichte und Pasta. Und einen eigenen Absatz für Spezialwünsche: “für sympathische Gäste gibt es auch runde Pizzen ;-)” Einziger Stolperstein auf der Speisekarte ist die Pizza “Würstel e Patatine” (Würstel mit Pommes), aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden…

Öffnungszeiten: MO-SA 11:00-23:00 Uhr

Websitefacebook.com/SoloperteInnsbruck

Lage: Nähe Marktplatz

Frische Pizzaschnitten vom Blech.

Frische Pizzaschnitten vom Blech.

Italienisches Fast Food für Feinschmecker.

Italienisches Fast Food für Feinschmecker.

Pierpaolo, Adolfo und Roberto schmeißen hier den Laden.

Pierpaolo, Adolfo und Roberto schmeißen hier den Laden.

UNA Pizza

Ob Innsbruck noch ein Pizza Lokal braucht? Ja, UNA geht noch! In den Räumlichkeiten des ehemaligen Griechen wurde alles was nicht niet- und nagelfest war bei der Tür hinausbefördert. Und siehe da, das hässliche Entchen entpuppt sich als Schwan der Moderne. Schönes Interiordesign, eine übersichtliche Karte und freundliche Gesichter. Auch hier wird gerne mal Italienisch gesprochen, von den Kellnern bis in die Küche. Mit italienischer Gelassenheit nimmt man es auch, wenn mal ein Kind ein Glas vom Tisch stößt. Aufwischen und gut is – sehr sympathisch.

Von Montag bis Samstag werden im UNA mittags und abends Pizza und Pastagerichte angeboten, am Sonntag gibt es ausschließlich Pizza. Die bereitet Luca zu, der italienische Pizzakoch der ursprünglich aus Fabriano in den Marken kommt (einer kleinen Stadt zwischen Ancona und Perugia). Unübersehbar ist seine Leidenschaft für den Teig, der in seiner Küche mindestes 48, meistens sogar 72 Stunden rastet und heranreift. Diese Fermentation verschiedener Mehlsorten (italienisches Weizenmehl plus ein Teil Vollkornmehl) sorgt neben dem guten Geschmack auch für bessere Bekömmlichkeit. “Erst 16 Stunden nachdem du eine Pizza gegessen hast, kannst du sagen, ob sie wirklich gut war!” erklärt mir Luca. Wer danach übrigens viel Durst hat, kann sich sicher sein, dass der Hefeanteil in der Pizza zu hoch war. Ich hatte übrigens keinen Durst später und das mitgenommene Stück hat abends auch noch sehr gut geschmeckt.

Lucas Pizzen kommen 90 Sekunden in den 410 Grad heißen Ofen und werden dann sofort heiß serviert. Die leicht verbrannten Stellen der typisch neapolitanischen Pizza sind nicht nur bezeichnend für diese Art von Pizza – sie machen auch das gewisse Etwas aus. Der Geschmack ist ausgezeichnet, lediglich ein wenig knuspriger könnten sie für mich persönlich sein.

Preislich bewegen sich die Pizzen zwischen 7,90€ für eine Margherita bis 15,10€ für eine Pizza UNA mit Tomate, mit Ricotta gefülltem Rand, Büffelmozzarella, scharfer Salami Nduja (würzige pikante weiche Rohwurst), Oliven und frischem Basilikum. Der spezielle Rand der UNA Pizza ist mir persönlich etwas zu viel Teig, schade, denn der Belag schmeckt ausgezeichnet. So oder so, nach einer guten Pizza empfiehlt es sich einen köstlichen, kräftigen Espresso an der Bar zu trinken. Dann ist man auch zu Mittag wieder fit für den Rest des Arbeitstages!

Öffnungszeiten: SO-MI 11:30-14:30 Uhr und 17:30-22:30 Uhr, DO-SO 11:30-14:30 Uhr und 17:30-24:00 Uhr

Websitewww.unapizza.at

Am Wochenende empfehle ich zu reservieren! 

Lage: Nähe Haus der Musik/Hofkirche

Frisch und modern präsentiert sich UNA Pizza.

Frisch und modern präsentiert sich UNA Pizza.

Hereinspaziert!

Hereinspaziert!

Eine Pizza Prosciutto e Funghi.

Eine Pizza Prosciutto e Funghi.

L’Arc Brasserie

“Ins L’Arccck?” – Der französische Name des neuen Restaurants an der Triumphpforte (aus der deutschen Pforte wird auf Französisch auch ein Bogen = l’arc) ist ein gefundenes Fressen für alle Innsbrucker, die es gerne mit dem “ck” übertreiben. Manche probieren es auch ohne den Artikel und sagen einfach “Arc”. So oder so landet man in der Leopoldstraße 7 in den ehemaligen Räumlichkeiten des Gang & Gebe Restaurants, die allerdings sanft von Selle Coskun (ehemaliger Selle-Besitzer) umgestaltet wurden. Besonders schön: die rosafarbenen Lampen des Innsbrucker Lichtgestalters Felux. Die Einzelstücke der Serie “Mundl” bestehen aus sandgestrahltem Glas und machen eine ganz eigene Stimmung.

L’Arc ist die Interpretation seiner Besitzer einer “brasserie et bar méditerranée”, wobei sich das Französische vor allem in französischen Begriffen auf der Speisekarte niederschlägt. Dort findet man zum Beispiel einen Vorspeisensalat Betterave aux nois et croutons au thym samt Übersetzung (Rote Beete mit Walnüssen und Thymiancroutons) um 6,80€, Hauptspeisen ab 26,90€ wie konfierter Saibling aus Steixners Fischzucht mit Fregola Sarda und Limettenvelouté. Die Crème brûlée mit marinierten Beeren und Tonkabohne als Nachtisch gibt’s um 7,90€.

An dem fulminanten Eröffnungsabend im Dezember konnte ich bereits einige gute Kostproben aus der Küche probieren. Diesmal kehre ich zu Mittag ein. Gegen halb eins ist es noch leer im Laden, um ein Uhr hingegen mangelt es bereits an Plätzen für mehrere Personen. Man isst hier wohl eher etwas später, dafür nimmt man sich auch Zeit dafür. Mittags gibt es übrigens ausschließlich ein wechselndes Mittagsmenü, bei meinem Besuch ist dies eine Suppe (Linsen oder Tafelspitz) im schönen Schälchen und als Hauptspeise Piccata milanese von der Melanzani mit Pesto Spaghetti für 12€.

Öffnungszeiten: Di–Fr 12:00-14:00 Uhr; 18:00-24:00 Uhr,  Sa 18:00-01:00 Uhr

Websitewww.larc.at

Lage: Nähe Triumphpforte

Süppchen als Vorspeise und eine Lampe von Felux.

Süppchen als Vorspeise und eine Lampe von Felux.

Neu: die L'arc Brasserie

Neu: die L’arc Brasserie in der Leopoldstraße.

Mittagesmenü: Piccata milanese von der Melanzani mit Pesto Spaghetti

Ein deftiges Mittagsmenü: Piccata Milanese von der Melanzani mit Pesto Spaghetti.

Persönliches Fazit: In allen drei Restaurants bin ich satt geworden. Besonders praktisch an der Pizza zu Mittag: den Rest kann man sich unkompliziert einpacken lassen und nachmittags noch snacken – #nowaste. Da ich mittags nicht übermäßig viel Hunger habe, war für mich die Portion einer Pizzaschnitte im Solo per Te perfekt. Auch wenn man an den Stehtischen nicht ganz so bequem für längere Zeit sitzt, hat für mich das Preis-Leistung-Qualitätsverhältnis hier am besten gepasst. Im UNA kann man hingegen mit einer größeren Gruppe auch gut verweilen, das L’arc sieht mich das nächste Mal für einen Drink an der Bar, auf den ich mich schon freue! Schön, dass sich in Innsbruck gastronomisch so viel tut.

Alle Fotos Copyright ©Lea Hajner