Martin Falkners Herz schlägt für die Bienen. Und die ausgezeichneten Naturprodukte, die er in Zusammenarbeit mit den fleißigen Insekten gewinnen kann. Ich darf den Super-Imker heute besuchen.

Martin und sein Bienenpate Josef räumen bei den alljährlichen Prämierungen des Tiroler Imkereiverbandes regelmäßig groß ab. Foto: privat

Bevor wir uns zum Lokalaugenschein aufmachen, treffen wir uns in seinem Zuhause in Ranggen. Einem idyllisch gelegenen 1.100-Seelen-Dorf nahe Innsbruck, wo Ruhesuchende noch fündig werden.

Mekka der Imker

Hier steppt kein Bär. Hier kreisen die Bienen! Die zehn ansässigen Imker genießen einen hervorragenden Ruf. Weit über die Ortsgrenzen hinaus. Einige von ihnen zählen zu den besten ihrer Zunft.

Schon am Dorfplatz wird klar: In Ranggen sind viele Imker daheim. Foto: Kainz

Schon am Dorfplatz wird klar: In Ranggen sind viele Imker daheim. Foto: Kainz

Martin ist einer von ihnen. Schnell kommen wir ins Gespräch. „An einen guten Honig kommt kein anderer, süßer Brotaufstrich heran“, sind wir uns einig. Mit dem Unterschied, dass ich lediglich zu den Genießern zähle, während der 52-Jährige auch das dazugehörige Handwerk versteht.

Prädikat Kostbar! Foto: privat

Martin bezeichnet das Imkern als sein großes Hobby. Im Brotberuf führt er als Amtsleiter die Geschicke seiner Heimatgemeinde. Sobald er seinen Arbeitsplatz verlässt, dreht sich alles um die Bienen. Ihnen widmet er leidenschaftlich gerne den Großteil seiner Freizeit.

Übung machte den Meister

Mit Erfolg: Bei den alljährlichen Prämierungen des Tiroler Imkerverbandes zählt der Familienvater zu den fixen Größen. Mehrmals wurden ihm schon Goldene Honigwaben in Medaillenform umgehängt. „Das ist natürlich eine schöne Bestätigung für die Qualität meines Honigs“, freut sich Martin.

Eigentlich wollte der 52-Jährige anfangs nur für seine Familie Honig machen, aber es ist jedes Jahr mehr geworden. Foto: Kainz

Eigentlich wollte der 52-Jährige anfangs nur für seine Familie Honig machen, aber es ist jedes Jahr mehr geworden. Foto: Kainz

Dass er dafür auch gehörigen Einsatz erbringen muss, stört ihn nicht. Im Gegenteil: Das Summen und die unzähligen Handgriffe, die für die Gewinnung der süßen Leckerei samt wertvollen Nebenerzeugnissen – etwa für die Pflege – nötig sind, entspannen ihn vollends.

Jung-Imker

Seine Liebe begann Martin erst vor acht Jahren auszuleben. Für die Materie interessiert hat er sich schon länger.

Bis zu 50.000 Bienen je Volk kreisen im Sommer um Martins Stöcke. Foto: Kainz

Bis zu 50.000 Bienen je Volk kreisen im Sommer um Martins Stöcke. Foto: Kainz

„Wir haben viele Imker im Dorf. Einer von ihnen ist Josef Vogelsinger. An ihm fasziniert mich bis heute, dass er zwar schon 30 Jahre imkert, aber immer noch Neues ausprobiert. Eines Tages ergab es sich, dass er sich anbot, mein Bienenpate zu werden“, erzählt Martin.

Eine Biene wird im Schnitt 35 Tage alt und hat im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen: Los geht’s mit niederen Arbeiten wie putzen, im Endstadion darf sie Honig sammeln. Foto: Kainz

Eine Biene wird im Schnitt 35 Tage alt und hat im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen: Los geht’s mit niederen Arbeiten wie putzen, im Endstadion darf sie Honig sammeln. Foto: Kainz

Das Resultat: Auch bei ihm stehen heute feinster und mehrfach preisgekrönter Löwenzahn-, Wald- und Almblütenhonig und mehr in den Regalen.

Die Honigzentrale angesteuert

Aus den drei Bienenstöcken, die der Ranggener in der Startphase noch unter Aufsicht seines Lehrmeisters betreute, sind mittlerweile 18 geworden. Weitere Expansion nicht ausgeschlossen. Zeit, das Ganze live zu betrachten! Wir machen uns auf den Weg.

Die Wachsschicht auf der Wabe bedeutet Verdeckelung - der Honig ist reif! Foto: privat

Die Wachsschicht auf der Wabe bedeutet Verdeckelung – der Honig ist reif! Foto: privat

Martins Bienenzentrale befindet sich nur ein paar Minuten entfernt. Sie ist am Dorfrand mitten im Grünen angesiedelt. Je nach Jahresverlauf besucht Martin seine Bienen mehr oder weniger oft. Gerade ist viel zu tun. „Aktuell bin ich dreimal pro Woche vor Ort. Im Sommer wird das weiter ausarten“, schmunzelt er.

Gestochen wird der Imker häufig. 10 bis 20 Angriffe auf einmal stuft er noch als unspektakulär ein. Foto: Kainz

Gestochen wird der Imker häufig. Zehn bis 20 Angriffe auf einmal stuft er noch als unspektakulär ein. Foto: Kainz

Dankbar ziehe ich mir den Schutzanzug über, den Martin sowieso nie trägt. Obwohl er oft zehn bis 20 Stiche auf einmal kassiert. „Das macht mir nichts mehr aus, ich bin es gewöhnt“, sagt er. Nachsatz: „Je gelassener ich bin, desto weniger Angriffe sind es.“

Im Stock wird der Honig mehrmals umgetragen und verliert so an Feuchtigkeit. Foto: privat

Im Stock wird der Honig mehrmals umgetragen und verliert so an Feuchtigkeit. Foto: privat

Sofort ist der Meister voll ins seinem Element. Zieht Waben heraus, begutachtet sie eingehend und kratzt ein wenig daran, bevor er sie wieder zurücksteckt.

Tausende Handgriffe

„Ich kontrolliere, ob bei den Völkern alles in Ordnung ist. Notfalls müsste man eingreifen“, erklärt er, dass zum Beispiel zugefüttert werden könnte.

Genau sein lohn sich! Bei Honigprämierung werden nämlich mehrere Merkmale wie etwa der Wassergehalt – auch chemisch - untersucht. Foto: Kainz

Genau sein lohn sich! Bei Honigprämierungen werden nämlich mehrere Merkmale wie etwa der Wassergehalt – auch chemisch – untersucht. Foto: Kainz

Viel Aufmerksamkeit ist auch für die Königinnen-Zucht aufzubringen. Martin und Josef betreiben diese gemeinsam. Sie ist nämlich zugleich die Königsdisziplin des Imkerns und etwas, das sich nicht jeder zutraut.

Die Königinnen-Zucht ist zugleich die Königsdisziplin des Imkerns. Foto: Kainz

Die Königinnen-Zucht ist die Königsdisziplin des Imkerns. Foto: Kainz

In winzigen Käfigen sind neue Königinnen gerade dabei, zu schlüpfen. Martin ist zufrieden. Dann schweift der Experte noch weiter ins Fachliche über. Beschreibt Wintertraube, Kerntemperatur, Hierarchie, Brutpflege und Co.

Bienen fliegen bis zu 3,5 Kilometer weit, bevor sie nach Hause zurück kehren. Dann ist erst mal eine Rast nötig. Foto: Kainz

Bienen fliegen bis zu 3,5 Kilometer weit, bevor sie nach Hause zurück kehren. Dann ist erst mal eine Rast nötig. Foto: Kainz

Kein Zweifel, bei der Herstellung von Honig handelt es sich um eine Wissenschaft für sich. Um ein Unternehmen, das nur gelingt, wenn man mit vollem Herzblut bei der Sache ist und auch den ein oder anderen Trick und so manches Geheimnis kennt.

Neben seinem Refugium hat Martin eine Bienenweide angelegt. Foto: Kainz

Neben seinem Refugium hat Martin eine Bienenweide angelegt. Foto: Kainz

Auf die laufende „Hochsaison“ folgt dann jedenfalls im Juli das erste Abschleudern. „Aber nicht bevor die Wabe schön verdeckelt ist, sich auf ihr also eine Wachsschicht gebildet hat. Sonst ist der Honig noch nicht reif und der Wassergehalt zu hoch. Das könnte zur Gärung führen“, gibt Martin einen Einblick in die Details.

Jedes Bienenjahr ist anders

Die Ertragsmenge hängt maßgeblich von der Witterung ab. Oder anders ausgedrückt: Geht es der Vegetation gut, fühlen sich auch die Bienen wohl.

Langweilig wird Martin nicht – er macht auch rund um die Honigproduktion von A bis Z alles selbst. Foto: privat

Im Schnitt liefern Martins zehntausende Mitarbeiter circa 25 Kilo Honig pro Bienenvolk und Jahr. Den vertreibt er in erster Linie privat. Dazu kommen Propolis-Tinkturen und -Cremes sowie anderes für die Gesundheit und Schönheit Zuträgliches. Der Züchter kümmert sich dabei um alles höchstpersönlich.

Im Keller seines Elternhauses füllt Martin ab, etikettiert und bastelt die netten Holzkistchen. Foto: privat

Von der Fertigung der Rahmen für die Waben über die – nicht zu frühe und nicht zu späte – Ernte und das Abfüllen bis hin zur Etikettierung. „Ich bin ein Perfektionist und will alles tipptopp haben“, lacht Martin, ob seiner Genauigkeit und Sauberkeit bei jedem einzelnen der Schritte.

Viele Facetten

Die unterschiedlichen Honigsorten kommen durch die Blütentreue der kleinen Tierchen zustande. Will heißen: Fliegen die Bienen einmal den Löwenzahn an, so bleiben sie so lange auf der „Plantage“, bis sie die letzte Blüte bestäubt haben. Daher müssen die Bienen auch übersiedelt werden, wenn Martin zur Alpenrosenhonig-Produktion über schwenkt.

Die anstehenden Arbeiten sind vielfältig. „Und man lernt nie aus“, betont der Meister, dass er sich immer wieder neue Ideen einfallen lässt. Foto: Kainz

In diesem Fall werden die Völker in höhere Lagen transportiert, um Nektar zu sammeln. Genauer: Hinauf zum „Außenposten“ im schönen Kühtai. Dort kommt auch Martins Lieblingshonig, der Heidehonig, her. Eine seltene und schwierig zu gewinnende Spezialität. Vielleicht mag Martin ihn auch deshalb so sehr.

Der „Außenposten“ im Kühtai. Hier auf knapp 2.000 Metern Seehöhe werden die „hochalpinen Spezialitäten“ gesammelt. Foto: privat

Bevor ich mich an das Verfassen dieses Beitrags mache, verkoste ich den Honig, den mir der Fachmann mit nach Hause gegeben hat.

Gravierende Unterschiede

Wenn die Gläser so nebeneinander stehen, sieht man gleich auf ersten Blick, dass sich Farben und Konsistenzen grundlegend unterscheiden. Und dabei sind nicht nur die von Creme- und „normalem“ Honig gemeint!

Nur viele einzelne, gut durchdachte Handgriffe führen zum Spitzenprodukt. Foto: Kainz

Nur viele einzelne, gut durchdachte Handgriffe führen zum Spitzenprodukt. Foto: Kainz

Auch die Geschmäcker variieren im Praxisvergleich stärker, als mir das bisher bewusst war. Eines aber haben sie alle gemein: Sie verdienen das Prädikat köstlich, oder noch besser „kostbar“, voll und ganz.

Hier kommt schon das Bienenfutter für den nächsten Winter. Foto: Kainz

Hier kommt schon das Bienenfutter für den nächsten Winter. Foto: Kainz

Da verwundert es mich auch nicht, dass Familie Falkner ihren Super-Honig sogar in den Urlaub mitnimmt, um dort ja keine andere – möglicherweise gar industriell erzeugte Mischung – auf das Brot streichen zu müssen.

Der Honig kann auch aus dem Ausland bestellt werden. Foto: Kainz

Österreich und international: Der Honig kann auch aus dem Ausland bestellt werden. Foto: Kainz

Hier gibt’s den köstlich kostbaren Honig:

Imkerei Martin Falkner
Oberdorf 40
A-6179 Ranggen
Tel.: +43 664 736 80 871
E-Mail: falkner.martin@aon.at