Frischer Wind vom Gemüsefeld: Am Lansersee kann man nicht nur baden, man kann auch gut essen. Seit einiger Zeit bekommt man dabei unter anderem Gemüse und Kräuter vom eigenen Feld aufgetischt. Ein guter Grund, um Daniel Rhomberg, dem Kopf hinter dem Farm-to-table Konzept, einen Besuch abzustatten. 

Badeidyll Lansersee

Der Lansersee ist ein malerischer Badesee im Mittelgebirge südlich von Innsbruck am Fuße des Patscherkofels. Ein Badesee, der jedoch viel mehr als nur eine Abkühlung verspricht. 2016 hat Daniel Rhomberg hier das Zepter in die Hand genommen (wir haben hier am Blog darüber berichtet, Altes behutsam restauriert & Neues konzipiert.

Auch das gastronomische Angebot wurde neu gestaltet. Am Ufer des Sees befinden sich nun zwei Restaurants: der Kiosk für die schnelle Verköstigung der Badegäste (alles von Pommes über Hummus bis hin zum Falafel Sandwich, sowie natürlich Eis und Drinks). Und die japanisch inspirierte, internationale Küche der Koi Bar im Hauptgebäude.

Links das Hauptgebäude mit Restaurant, rechts der See. ©Lea Hajner

Links das Hauptgebäude mit Restaurant, rechts der See. ©Lea Hajner

Blick auf den See. ©Lea Hajner

Blick auf den See. ©Lea Hajner

Snacks und Drinks gibts am Kiosk. ©Lea Hajner

Snacks und Drinks gibts am Kiosk. ©Lea Hajner

Schicke Location am Seeufer

Das Hauptgebäude stammt aus 1963 und wurde immer wieder auf die aktuellen Bedürfnisse der Zeit angepasst. Das Obergeschoss dient heute als Veranstaltungsraum für Konferenzen, Hochzeiten und Events. Die Glaswände geben die Blick auf den See frei, Sofas und Kunstwerke sorgen für eine tolle Atmosphäre. Im Untergeschoss befindet sich neben den Sanitäranlagen das Restaurant und die dazugehörige Terrasse mit bestem Ausblick.

Fun Fact: hier blüht Kurkuma. ©Lea Hajner

Fun Fact: hier blüht Kurkuma. ©Lea Hajner

Neues Konzept: eigenes Obst, Gemüse & Kräuter

Wie so oft in den letzten Jahren ist auch dieses Konzept einer Lockdown Idee zu verdanken. Zum Seebesitz der Familie gehört nämlich so einiges an Fläche ringsum dazu, die früher als Landwirtschaft verpachtet war. Die letzten Jahrzehnte wurde dann allerdings nichts mehr angebaut, man konzentrierte sich rein auf den Erhalt der Grünflächen. Bis zum Frühling 2020, als Daniel begann seine Ideen für eine kleine Landwirtschaft für die eigene Gastronomie in die Tat umzusetzen.

Drei Felder wurden angelegt und man lernte aus den ersten Versuchen. Nicht immer lief alles rund: im ersten Jahr waren 400 Salate zeitgleich reif. Die Lösung lag glücklicherweise ganz nah: ein kleiner Ab-Hof Verkauf am Eingang des Areals und schon war das Problem gelöst. Dieses Jahr wurde auf die zeitliche Streuung der Sorten geachtet. Die “Wettervariable” bleibt: Bei viel Regen sprießt das Gemüse nur so, die Badegäste bevorzugen aber den Sonnenschein… Nach guten Regentagen landet viel Gemüse in der Küche, die Nachfrage steigt aber eher bei Sonnenschein. In der Selbstversorgung der eigenen Gastronomie muss man also flexibel bleiben – und Gemüse haltbar machen. Daniel hat hier den Fokus vor allem auf Fermentation gelegt. Eine erste Kostprobe ist bereits auf der Karte: PakChoi Kimchi.

Daniel Rhomberg auf einem der Felder direkt in Seenähe. ©Lea Hajner

Daniel Rhomberg auf einem der Felder direkt in Seenähe. ©Lea Hajner

Von Mizuna Salat bis hin zu Zitronengras - hier wächst, was schmeckt. ©Lea Hajner

Von Mizuna Salat bis hin zu Zitronengras – der eigene Garten erweitert den Koch-Horizont. ©Lea Hajner

An den Anbau der Gemüsesorten ging man von Anfang an professionell heran: es wurden Bodenanalysen gemacht und man beriet sich mit den Bauern der Umgebung, die zugleich Lieferanten anderer Produkte sind. So kommen etwa die Eier vom Noringerhof in Lans, die Milchprodukte vom Seeber Hof. Daniel, der eigentlich in Wien Architektur studiert hat, macht gerade die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter am LFI. Eine Ausbildung von der er mit strahlenden Augen erzählt, denn Kollegen und Vortragende bilden hier ein gutes Netzwerk und die gegenseitige Hilfe ist motivierend.

So kam er zum Beispiel auch zu altem Tiroler Saatgut, wie der Tiroler Rispenhirse oder alten Tiroler Frühkartoffeln. Manches davon verwertet man gleich, anderes macht er haltbar. Fermentierte Speisen passen zum asiatischen Touch der Koi Bar. Die Rezepte entwickeln übrigens Vater und Sohn gemeinsam – mit viel Inspiration aus anderen Ländern. Das Garnelen Curry etwa ist ein altes Familienrezept von Daniels Oma, die aus Goa in Indien stammt. Zu Verkosten gibt es dieses aber nicht in der Koi Bar, sondern im Tiffin Club: einem weiteren kulinarischen Konzept, das sich auf gelieferte asiatische Spezialitäten fokussiert. Wer mehr wissen möchte, klickt sich am besten durch die Website.

Koi Bar: Ramen & Co am Seeufer

Hauptaugenmerk in der Koi Bar sind sicherlich die japanischen Ramen Suppen, welche mit selbst gemachten Ramen Nudeln serviert werden. Im Sommer gibt es außerdem Zitronen Mazemen – Japans (kalte) Antwort auf Spaghetti. Die weiteren Gerichte der Karte bieten eine Reise um die Welt: Pulpo mit Frühlingszwiebel auf Rettich, Tigergarnelen mit Ponzubutter, Lachs Teriyaki oder indisches Dhal.

Pulpo mit Frühlingszwiebel auf Rettich. ©Lansersee

Li: Japanische Ramensuppe, re: selbstgemachtes Kimchi. ©Lansersee

Li: Japanische Ramensuppe, re: selbstgemachtes Kimchi. ©Lansersee

Koi Bar. ©Lea Hajner

Koi Bar. ©Lea Hajner

Apropos Fisch: Die berühmt berüchtigten Karpfen aus dem Lansersee stehen nicht auf der Karte. Daniel erklärt mir auf Nachfrage, dass man diese persönlich mit Vornamen kenne. Die Inspiration die Bar nach Kois (eine gezüchtete, begehrte Karpfenart) zu benennen, stammt aus dem künstlerischen Bereich und einem Foto – das heute die Decke der Innenräume ziert.

Die Terrasse der Koi Bar. ©Lea Hajner

Die Terrasse der Koi Bar. ©Lea Hajner

Am besten kostet ihr euch einfach selbst durch! Wer den vollen Geschmack der Felder am Teller haben möchte, bestellt dabei zum Beispiel den Seehof Salat, denn bis auf das Öl kommt hier alles aus nächster Umgebung. Farm-to-kitchen-to-table eben, ohne Heckmeck.

Koi Bar Öffnungszeiten: Neu!

  • Mittwoch bis Sonntag 11:00-18:30
  • Freitag und Samstag für Dinner bis 22:00, Küche bis 21:00

Farm-to-table: Nachhaltige Restaurants rund um Innsbruck

Auch wenn das Stichwort Farm-to-table in Tirol noch nicht überall bekannt ist: die Verwendung saisonaler Produkte ist für viele Gastronomen ein Fixpunkt auf der Speisekarte. Die Weiberleit in Ranggen konnten beispielsweise Anfang des Jahres mit ihrer Küche Gault Millau zur Verleihung einer Haube überzeugen. Hier stammen die meisten Produkte von Bauern aus der Umgebung, die (wilden) Kräuter hingegen aus dem eigenen Garten. Die Wilderin im Herzen der Innsbrucker Altstadt muss an dieser Stelle natürlich auch erwähnt werden – hier wird die Herkunft jedes einzelnen Produkts sehr ernst genommen und so kennt man beim Fleischverzehr sogar den Namen des Tieres. Teilweise gibt es die Produkte auch zum Mitnehmen im Glasl (Thesi). Auch das Oniriq (neue Location!) ist für die nachhaltige Verwendung regionaler Produkte bekannt (zwei Hauben). Auch der Futterkutter verköstigt mittags am Franziskanerplatz (und neu: im MCI, Innenhof der ehemaligen Post) im wiederverwendbaren Glas mit vielen regionalen Produkten. Last but not least, muss an dieser Stelle auch der Innsbrucker Feld Verein erwähnt werden, der sich um die “Nutzung (und Verwertung) von Ungenutztem” kümmert und im Zuge dessen zB auch Suppen an Büros ausliefert.