Mit über 120 Jahren ist das Gasthaus Anich eine altehrwürdige Innsbrucker Identität mit dem Unikat Erna als Wirtin. Für seine Besucher stiftet es Sinn, ist Ort der Kommunikation, guter Küche und typisch für die hiesige Lebensweise: Wir essen gerne, sind gemütlich und schauen manchmal bis auf den Grund des Glases.

Seiten.Blicke

Ich stelle mich an die holzvertäfelten Bar, der Kellner serviert mir mit logischem Selbstverständnis sofort ein kleines Bier. An mir zieht ein duftendes Backhendel vorbei. Im Nebenzimmer geht die Tür zu: Die Herren in schwarzen Anzügen haben dort eine Besprechung. „Anwälte und Richter sind gerne bei mir, zu Tische wird verhandelt“, ist Wirtin Erna stolz. Hinter mir sitzen Studenten im Zottel-Look: „Die kommen und reden gerne g´scheid“, schmunzelt sie. Neben mir drei alte ernste Herren roten Kopfes; der eine in Cordhose, der andere im karierten Hemd und mit gelangweiltem Dackel: „Die sind wie Einrichtungsgegenstände, also Herr und Hund.“ Oftmals verweilen sie wortlos stundenlang hier. Die Tür geht auf und neugierige Touristen kommen herein: „Die wollen wissen, wie sich das echte Innsbruck anfühlt und unser Essen schmeckt.“ Innsbrucks Gäste kommen eben nicht nur wegen der Berge.

Erna BAr

Als herzliche Wirtin stößt Erna mit mir gleich an. Foto: Danijel Jovanovic.

Mahl.Zeit

Die kräftig klare Suppe kommt in einer großen Schüssel und verschiedenen Einlagen, die Kaspressknödel triefen vor Käse, das goldgelbe Wienerschnitzel ist in Butterschmalz herausgebacken, das Backhendel wird mit Kartoffelsalat und Kürbiskernöl gereicht. Als Naschspeisen gibt es die Klassiker Apfel- und Topfenstrudel, Kaiserschmarrn oder Eispalatschinken – hausgemacht verstehet sich. Auf Bestellung gibt’s fast alles, was sich ein Gast wünscht. Ein Bierchen gibt’s von der Brauerei Zillertaler, der Brauerei Tiroler Bier, guten Schnaps von verschiedenen Tiroler Brennern.

  • Tiroler Küche ist für Erna: „Liebe und Leben, als Köchin und Kellnerin kenne ich sie sehr gut.“
  • Ihre Spezialitäten sind: „Meine hausgemachten Knödeln und das Backhendel, das alle heiß lieben.“
  • Ihre Küche zeichnet aus: „Frische! Bei mir gibt es nichts aus der Dose, Eingefrorenes oder Vakuummiertes. Wenn etwas fertig ist, gibt’s halt nix mehr.“
Erna Gehsteig

Erna ist ein Unikat mit Behördencharakter in Innsbruck, das ihr Wirtshaus regiert und nicht irgendein Gasthaus. Foto: Danijel Jovanovic.

Wirtin.schaft

Erna Oberhofer-Kleewein ist eine stattliche Erscheinung: Ihre Gäste nimmt sie pragmatisch, was ein wenig direkt wirken kann, je nach Stresslevel halt. Wenn´s mal etwas lauter wird, sorgt sie auch für Ruhe. Sie ist sozusagen ein Unikat mit Behördencharakter, das man nicht in Frage stellt, denn sie regiert ihr Wirtshaus und nicht ein Gasthaus – das macht aber nicht nur irgendwie den Charme des Anich aus.

  • Früher war sie: „Privatköchin beim Grafen Schönborn, habe mich mit 30 selbstständig gemacht und habe 21 Jahre ein anderes Gasthaus in Innsbruck geführt.“
  • Das macht das Anich zum Anich: „Ich selbst (lacht). Ich komme in der Früh als erste und gehe abends als letzte.“
  • Für die Innsbrucker ist das Anich: „Gemütlichkeit seit 120 Jahren, fast alles ist so wie früher, die Holztäfelung habe ich nur gereinigt. Wir sind ein altes Haus mit neuer Technik.“
Erna Knoedel

Während wir uns unterhalten nützt Erna die Zeit zum Knödel machen. Foto Blickfang Photographie.

Kultur.Gut

Im Anich scheint die Zeit stehen geblieben, nur die Menschen gehen weiter und werden älter. Für die Einheimischen ist es eine Art Ethos und Lebensgefühl, denn es stiftet Sinn und Identität: Hier gehört man dazu; jeder will schließlich Teil von etwas sein, auch wenn es nur das Stammlokal ist. Es ist Zufluchtsort, wenn die Frau zu Hause spinnt – auch ich verdufte manchmal. Traditionelle Innsbrucker Wirtshauskultur ist gemütlich, heißt geselliges Zusammensitzen und ist unkompliziert. Gasthausliebhaber, was willst du mehr?

Gasthaus Anich Innsbruck

Als die Bilder entstanden war Faschingdienstag. Die alte Stube ist Treffpunkt der Stadt für Gemütliche und Esser. Foto: Blickfang

Das Anich ist übrigens im Besitz des Chorherrenstifts Wilten – der Clerus weiß schon, was gut ist. Namensgeber Peter Anich war im 18. Jh. ein Geodät und Kartograph in Oberperfuss bei Innsbruck.

Koordinaten

Gasthaus Anich
Anichstaße 15, A-6020 Innsbruck
Anfahrt: 2 Minuten Fußweg von der Maria Theresienstraße (Stadtzentrum)
Wirtin: Erna Oberhofer-Kleewein
Spezialität: Wienerschnitze, Backhendel und hausgemachte Knödel

Reservierung: abends und mittags empfohlen

Titelbild: Danijel Jovanovic