Es war einmal ein Kuchen, schokoladig, saftig, süß. In dem Kuchen steckten weder Zucker noch Weizenmehl, sondern viele wertvolle Nährstoffe, Proteine, Vitamine, Ballaststoffe. Gesund und doch eine leckere Nascherei. Jaja, dieses Märchen kannst du jemand anderem erzählen – wollt ihr mich jetzt bestimmt unterbrechen. Aber hin und wieder werden sogar unsere kühnsten Träume wahr!

Lisa Shelton von Koch mit Herz kreiert tagtäglich solch kleine Fantasien. Vom Kaiserschmarrn bis zur Pizza, Lisa hat für jede noch so sündige Lieblingsspeise eine gesunde Alternative parat. Im Gespräch erzählt sie warum und vor allem wie gesund und gut keine Gegensätze sein müssen. Einfache Rezepte zum Nachmachen gibt’s zum Glück auch.

Hi Lisa, Kaiserschmarrn ist mein absolutes Lieblingsessen der Österreichischen Küche. Gibt es wirklich ein gesundes Alternativ-Rezept dafür? Und, viel wichtiger, wird es mir genauso gut schmecken wie das Original? 

Da haben wir etwas gemeinsam. Der Kaiserschmarrn ist eine meiner liebsten Süßspeisen. Gerade deshalb tüftelte ich sehr lange an einer low carb Variante (also zucker- & mehlfrei), die dem Original um nichts nachsteht. Tatsächlich schmeckt der low carb Kaiserschmarrn nicht nur mir und meinem Mann sehr gut, sondern auch meinen Kochworkshop Teilnehmern und Blog Lesern, die das Rezept nachkochen.

Welche Zutaten verwendest du an Stelle vom üblichen Mehl und Zucker? Was ist dabei zu beachten?

Als gesunde Alternative für Zucker verwende ich natürliche Zuckeraustauschstoffe, wie zum Beispiel Erythrit, Birkenzucker oder Stevia. Diese sind natürlichen Ursprungs und können 1:1 statt Zucker eingesetzt werden. Statt zu Getreidemehlen greift man bei einer „cleanen“ low carb Ernährung zu Mehlen aus Nüssen und Saaten.

Ich empfehle Leinsamenmehl oder Walnussmehl aus Österreich. Man verwendet davon nur sehr wenig pro Gericht oder Backware, da es sehr viel Wasser aufnimmt. Deshalb kann man es auch nicht 1:1 statt Getreidemehl verwenden. Zudem ist zu beachten, dass Nuss- und Saatenmehle kein Gluten enthalten und deshalb der Teig durch Ballaststoffe wie Leinsamen, Flohsamenschalen oder Guarkernmehl gebunden werden muss.

Welchen Vorteil haben Nussmehle im Gegensatz zu herkömmlichen Weizenmehlen (bzw Zuckeralternativen im Vergleich zum Haushaltszucker)? 

Nuss- und Saatenmehle enthalten sehr viele gute Ballasstoffe, Proteine, Vitamine, Mineralsstoffe und ein paar hochwertige Fette. Weizenmehle bestehen dahingehend zum größten Teil aus „leeren“ Kohlenhydraten, die im Körper zu Zucker umgewandelt werden. Gesunde und natürliche Zuckeralternativen wie Erythrit oder Stevia haben keinen Einfluss auf unseren Blutzucker.

Viele Menschen können sich ein Leben ohne kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Pasta, Brot und Co kaum vorstellen. Was sind deine Tipps um die Umstellung auf gesündere Alternativen einfacher zu machen?

Mittlerweile habe ich zu all diesen high carb Gerichten eine gesunde aber dennoch leckere low carb Alternative entwickelt und kann aus Erfahrung von meinen Kochworkshops und durch das Feedback meiner Leser behaupten, dass sie ein würdiger Ersatz sind und man nichts vermisst. Natürlich ist der erste Schritt und die Umstellungsphase nicht einfach und im Endeffekt nichts anderes als ein Entzug. Um bei dieser Phase zu unterstützen biete ich aber eine 14tägige Zuckerfrei Challenge und eine 30tägige low carb Challenge an.

 

Denkst du, dass deine Ernährungsweise (clean eating und low carb) für jeden umsetzbar und empfehlenswert ist?

Auf jeden Fall! Clean Eating sollte unbedingt von jedem umgesetzt werden, es bedeutet ja nichts anderes, als natürliche, reine Zutaten zu verwenden, regional und saisonal einzukaufen und keine Lebensmittel ohne Mehrwert (wie Zucker oder Getreide) zu konsumieren. Der Schritt zu low carb ist dann kein großer mehr. Wie „streng“ man die Kohlenhydrate (also Zucker) reduziert, ist dann abhängig vom Lebensstil und den eigenen Bedürfnissen. Eine grundsätzliche Reduktion zu unserem gewohnten Essverhalten ist aber für jede gesunde Person empfehlenswert.

Man merkt, dass dir Regionalität und Saisonalität am Herzen liegen. Inwieweit ist das mit einer low Carb Ernährungsweise möglich und wo stößt man an Grenzen? 

Da hast du recht. Ich versuche so viel wie möglich regional und saisonal zu kaufen. Manche Produkte wachsen leider einfach nicht in Mitteleuropa, sind aber aus meiner Küche nicht weg zu denken. Hier ist die Qualität, fair trade und ein bewusster Umgang aber unerlässlich. Solange die regionalen Produkte den größten Teil meiner Speisen ausmachen, finde ich es in Ordnung. Das ist natürlich kein Problem bei einer low carb Ernährungsweise.

 

Wenn ich einen Monat lang nur ein Gericht essen dürfte… dann wäre das ein indisches Gemüsecurry mit ganz vielen leckeren Gewürzen.

In meinem Kühlschrank findet man immer…Tiroler Bauernjoghurt, Eier und Gemüse.

Ein Lebensmittel, das völlig überbewertet wird ist…  die Avocado, weil man reichlich andere gute Fettquellen aus der Region zur Verfügung hat, die nicht einen so schlechten ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Ein Küchenutensil, dass aus meiner Küche nicht wegzudenken ist…ein scharfes Messer.

Mein Lieblingsrezept im Frühling ist… ein low carb Rhabarber Kuchen (HIER geht’s zum Rezept).

Außerdem hat Lisa bereits ein eigenes Kochbuch herausgebracht: Gesunde Wohlfühlküche – Kochen mit der Kraft der Kräuter und Gewürze!

Danke für das Gespräch!

 

Ihr seht also, hin und wieder werden Märchen wahr! Mein Bloggerkollege Vil war übrigens bei einem von Lisas Kochworkshops. So viel sei vorab schon verraten: Lisa’s Kochkünste haben in überzeugt.