Als ich kurz nach ein Uhr Mittag an einem Donnerstag das Wirtshaus betrete ist jeder Tisch besetzt. “Mittagsmenü hab i leider koans mehr” entschuldigt sich die Wirtin und reicht mir die Speisekarte. Theresa ist die Hausherrin und Kellnerin. Sie saust von Tisch zu Tisch, serviert, kassiert und dabei bleibt verblüffender Weise auch noch Zeit für ein paar persönliche Worte mit jedem Gast. Seit zwei Jahren führen die beiden Jungwirte Jan (23) und Theresa (21) Kometer den Betrieb. Seit letztem August sind sie verheiratet.

Das Besondere im Gewöhnlichen

Zugegeben, ich war anfangs etwas skeptisch. Die Reichenau ist mit seinen vielen mehrstöckigen Wohnhausanlagen nicht gerade Innsbrucks Vorzeigebezirk und Touristen verirren sich hierher eher selten. Auch sonst sieht hier alles, bis auf ein peppiges Logo mit ansprechendem Namen, recht gewöhnlich aus. Gutbürgerliche Küche im Rahmen der übernommenen Räumlichkeiten einer ehemaligen Pizzeria ist auch noch kein schlagendes Argument für einen Besuch. Sollte es aber sein, denn die gutbürgerliche Küche ist perfektioniert, die Zutaten sorgsam aus der Region ausgewählt und die Herzlichkeit der beiden durch und durch spürbar.

Jan kommt aus Axams, Theresa ursprünglich aus Kolsassberg im Unterland. Keiner von beiden kommt, wie man es vielleicht vermuten würde, aus einer Gastronomiefamilie. Nach Jans Abschluss an der Villa Blanka Hotelfachschule hat sein Vater, dem die Immobilie gehört, ihm angeboten es einfach mal zu probieren. Davor stand sie einige Zeit lang leer und ursprünglich war es mal eine Pizzeria. Da weder Jan noch Theresa italienische Wurzeln haben, haben sie beschlossen, bei dem zu bleiben, was sie können und gut machen. Und da wären wir wieder bei der gutbürgerlichen Küche mit regionalen Zutaten. Bestes Beispiel ist das Obst und Gemüse: Das wird direkt vom Nachbarn bezogen, der einen Gemüsehandel hat.

Etwas unscheinbar liegt das Gasthaus mitten zwischen den Wohnanlagen.

Etwas unscheinbar liegt das Gasthaus mitten zwischen den Wohnanlagen.

Hereinspaziert!

Hereinspaziert!

Zu dritt, gemeinsam mit dem Koch Christoph Nindl, schmeißen sie den Laden. Fünf Tage die Woche, immer mittags und abends, sonntags durchgehend. Die zwei Ruhetage am Montag und Dienstag haben sich die drei dann redlich verdient. Seitdem die Tiroler Tageszeitung vor einigen Monaten über sie berichtet hat, sind es noch mehr Gäste geworden. Das freut die beiden sichtlich. Und auch in Sachen Touristen habe ich mich geirrt. Die Jugendherberge Reichenau liegt in Gehweite, hier mischt sich internationales Publikum unter die Stammgäste. “Wir haben sogar schon überlegt die Karte auf Englisch zu übersetzen” lacht Theresa. Dann wendet sie sich wieder einem Gast zu der zahlen möchte. “Hat’s geschmeckt?” erkundigt sie sich. “Wie immer perfekt!” lobt der ältere Herr und zieht zufrieden von dannen.

Die Speisekarte

Es liegt ein vertrauter Wirtshausgeruch in der Luft. Man ist bewusst ein Nichtraucher-Lokal. Die regionale Kost, wird also in gesundem Umfeld eingenommen. Auf der Karte steht zum Beispiel “A Marent A Gscheide” (8,60€) – eine typische Tiroler Brettljause mit selbst geräuchertem Speck, Käse und Brot. Beliebt ist zum Beispiel auch das Cordon Bleu, (12,80€), wobei der Bergkäse für die Füllung aus der Sennerei Milko in Terfens kommt. Zum Nachtisch locken hausgemachte Mohnnudeln (6,20€) oder eine Portion Heiße Liebe (4,80€) mit karamellisierten Mandelsplittern.

Ein Blick aufs Mittagsmenü: Hackbraten vom Tiroler Almochsen mit Kartoffelpüree und Bratensauce um 8.50€ (Vorspeise: Suppe oder Salat)

Ein Blick aufs Mittagsmenü: Hackbraten vom Tiroler Almochsen mit Kartoffelpüree und Bratensauce um 8.50€ (Vorspeise: Suppe oder Salat)

Köstlich: Kaspressknödel in guter Rindssuppe.

Köstlich: Kaspressknödel in guter Rindssuppe.

Nachdem ich an diesem Tag zu spät dran bin, bleibt mir nichts anderes übrig als noch schnell ein Foto vom letzten Hackbraten aus dem Mittagsmenü zu schießen. Die Kaspressknödelsuppe ist allerdings auch hervorragend. Dazu schmeckt ein Glasl Apfelsaft von der Obstpresse Grinzens.

In der Mittagspause gehen die beiden meist an die frische Luft, im Sommer ist der Baggersee ums Eck und sorgt für Erfrischung. Ein heißer Tipp übrigens auch für Gäste, die es sonst weniger in diese Richtung verschlägt.

Blick durch die Tür.

Blick durch die Tür. Jan kommt eine Runde aus der Küche, um die Gäste persönlich zu begrüßen.

Die Deko wächst nach und nach.

Die Deko wächst nach und nach.

Reservieren empfohlen!

Reservieren empfohlen!

Wer auf der Suche nach richtig guter Küche und in einem angenehmen Lokal ist, der ist hier goldrichtig. Mit dem Auto gibt’s Parkplätze in der Umgebung (Achtung! Kurzparkzone), mit dem Bus kommt man aus der Stadt mit dem R (Richtung DEZ bis “Station Burghard-Breitner-Straße”) und dem F (Richtung Baggersee bis “Andech-Straße”) her. Letzterer fährt übrigens direkt zum Flughafen, sollte man sich vor dem Abflug noch was Gutes gönnen wollen…

Öffnungszeiten: 
Mittwoch bis Samstag: 11:00 bis 14:30 Uhr und 17:00 bis 22:00 Uhr, Sonntag 11:00 bis 22:00 Uhr
Mittwoch, Donnerstag und Freitag gibt es wechselnde Mittagsmenüs.

Gasthaus Spitzbua
Reut-Nicolussi-Straße 12
6020 Innsbruck
Telefon: +43 (0)512 344488
Facebook facebook.com/GasthausSpitzbua
Website: www.spitzbua.net

 

 

Alle Fotos: ©Lea Hajner