Die Fußball-WM in Brasilien steht vor der Tür. Österreich konnte sich zwar – wieder einmal – nicht dafür qualifizieren, doch spätestens seit der EM 2008 wissen wir, wie begeisterungsfähig das Alpenvolk ist, wenn es um das runde Leder geht.
In Innsbruck sollen Fußballfans aus aller Welt, die als Einheimische, Wahltiroler, Studenten oder Besucher hier gelandet sind, auch heuer die Spiele in toller Atmosphäre sehen: Public Viewing gibt es am Marktplatz und am Sparkassenplatz. Da das mit dem Wetter und mit der Zeitverschiebung aber so eine Sache ist, bieten auch viele Bars und Cafés überdachte Spielübertragungen an. Das Treibhaus hat dabei richtig viel Platz – innen und außen: im Turmstadion und im Fumoir (Raucher), bis Mitternacht auch im Garten.

Von allem ziemlich viel, bitte!

Seit 1986 steht das Treibhaus als „Spielplatz am Volksgarten“ ein bisschen versteckt in der Angerzellgasse. Nicht nur der achteckige Turm verleiht dem Haus eine außergewöhnliche Form: Hier ist alles ein wenig anders, sagen wir alternativ. Das Treibhaus ist nicht nur Café, Bar, Restaurant, Gastgarten, Veranstaltungszentrum, Konzertsaal, Bühne, sondern von allem ein bisschen oder besser: von allem ziemlich viel! Man betrachte nur einmal das Programm, und wird schnell feststellen, dass fast täglich viel Kultur geboten wird.

Freitagabend im Treibhauses

Sommerliche Freitagabendstimmung im Garten und Café des Treibhaus.

Im Café kann man gemütlich Zeitung lesen, Arbeiten für Schule oder Uni austüfteln, Leute treffen, gut und preiswert essen und dabei noch geistreiche Zitate an den Wänden betrachten: „Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn’ ich mich aus“, sagt da beispielsweise Otto Grünmandl.
Sprachlich wird generell einiges geboten, das lässt sich beim Studieren der Speisekarte erkennen und über Tickets, Homepage, Programmfolder und Plakate verfolgen. Ich bin ein großer Fan des treibhaus’schen Wortwitzes, der allem einen besonderen Charme verleiht. Der Charakter des Hauses wird von Betreiber und Intendanten Norbert Pleifer geprägt und von seinen Mitarbeitern getragen. Pleifer ist seit langem ein wichtiger Gestalter in der Innsbrucker Kulturszene und oft auch ein kritischer und unbequemer Geist. Erreicht hat er trotzdem oder vielmehr deshalb sehr viel. (Danke!) Neben dem Treibhaus ist er unter anderem auch mitverantwortlich für das Open-Air-Kino im Zeughaus.

Bunt und rund

Das Treibhauspublikum ist vor allem eines: bunt. Und gut durchmischt. Erklärtes und gelebtes kulturpolitisches Ziel ist es hier, „gesellschaftliche Zusammenhänge und Gegensätze bewusst zu machen, die eigenen und die Interessen Benachteiligter politisch zu vertreten und solidarisches Handeln einzuüben.“ Und das merkt man auch: jeder ist hier willkommen. Beim alljährlichen Weltfest wird dieses Miteinander groß gefeiert.

Konzert im Treibhaus

Konzert im Keller des Treibhauses (Foto: Tom Bause, 2011)

Gemeinsam Kaffee trinken funktioniert auch im Gastgarten oder im Fumoir, einem antik-anmutenden Pavillion, der neben dem Treibhaus steht und Tabakkonsum erlaubt. Doch die Räumlichkeiten bieten noch mehr Platz: im Keller finden sich ein großer Saal für Konzerte, Tanz und Feste und ein Jazzsalon. Und schließlich gibt es den Turm mit Bühne für Konzerte, Kabarett, Theater und Lesungen. Von der Galerie hat man einen sehr speziellen Blick auf die Bühne.
Im Turm habe ich schon viele Highlights erlebt: Mascheks Jahresrückblick ist seit langem ein nicht wegzudenkendes Ritual, Österreichs große Kabarettisten konnte ich dort in Höchstform sehen, die Lesung des Films (ja, richtig, einen Film kann man auch lesen!) „Indien“ fand ich wesentlich besser als die Leinwandversion und diverse Konzerte mehr oder weniger atemberaubend.

Tickets, Treibhaus, Erinnerungen

Treibhauserinnerungen aus meinem Fundus der letzten Jahre.

Eine spezielle Empfehlung für Musikinteressierte ist der Treibhauspass, mit dem man für überschaubaren Geldbetrag (fast) alle Konzerte in einem Halbjahr sehen kann – für mich eines der besten Geschenke, die ich jemals bekommen habe! Durch und mit diesem Pass habe ich mir Bands und Künstler angehört, die ich sonst eher nicht besucht hätte, und so konnte ich tolle Konzerte erleben: amerikanische Gitarrenkunst deluxe (Eric Gale), Countrymusik á la Johnny Cash aus der Steiermark (Lost Compadres), heiße afrikanische Rhythmen mit mir unbekannten Instrumenten (Mamadou Diabate Percussion Orchestra), schrägen Schweizer (Rusconi Trio) und feinen schwedischen Jazz (Jacob Karlzon Trio).

Steinway-Flügel mit Flügel?

Zum letztgenannten Konzert lockte mich meine große Liebe zu Schweden. Ich, Jazzlaie, wusste nicht, was mich mit einem Steinway-Pianisten erwarten würde. Viele andere hatten hier anscheinend einen Wissensvorsprung, denn der Andrang war groß – wie so oft. Als ich dann den großen schwarzen Steinway-Flügel auf der Bühne sah, war es quasi selbsterklärend: Steinway ist der Stradivari unter den Klavieren. Während des gesamten Konzerts (und bis heute) sollte mich aber nur eine Frage beschäftigen: Wie um Himmels willen kommt ein riesiger, schwerer, wertvoller Flügel auf die Bühne eines hohen Turmes? Gibt es einen entsprechend großen Lift? Oder braucht man Kräne, vielleicht sogar Hubschrauber dafür? Wenn Hubschrauber, muss dann das Dach demontiert werden? (Ja, meine Fantasie kennt keine Grenzen.) – Die Musik aus dem Flügel, begleitet von Schlagzeug und Kontrabass, war übrigens großartig.

Und Schweden ist dieses Mal ebenfalls nicht bei der WM dabei. Tja, macht eigentlich auch nix! Denn Feste muss man feiern, wie sie fallen. Und wenn die ganze Welt Fußball feiert, kann man auch mit oder ohne eigene Mannschaft dort mitfeiern.

TREIBHAUS:
Angerzellgasse 8
am Volksgarten
6020 Innsbruck
Tel.: +43 512 / 57 20 00
Mail: office@treibhaus.at
Programm und Informationen auf www.treibhaus.at
geöffnet täglich von 10.00 bis 1.00 Uhr, an Sonn-, Feier- & Ferientagen erst ab 16.00 Uhr.

Die Fußball-WM in Brasilien & im Turmstadion: alle Spiele auf Großbildleinwand in HD, 12.06.–13.07.2014

Norbert Pleifer zum Sommer im Treibhaus in der Tiroler Tageszeitung vom 04.06.2014:
http://www.tt.com/