Es gibt Trends, die kommen und gehen, und manchmal auch ganz schön nerven. Aber im Gegensatz zu anderen Dingen (Sprüche auf Facebook oder in Stiefel gesteckte Hosenbeine) kann man von dem nicht genug bekommen. Streetfood! Sind wir doch mal ehrlich, was gibt es Spannenderes als Straßenessen? Und das nicht nur spätnachts. Der Reiz: man weiß nie, was man bekommt. Der Trend Streetfood ist wohl eine logische Fortsetzung der Coffee-to-go-Kultur aus den Neunziger- und Nullerjahren. Auf zum Streetfood Market Festival

Gebeizter Lachs an kreolischem Couscous. Ein Gedicht. Foto: Kristina Erhard

Gebeizter Lachs an kreolischem Couscous. Ein Gedicht. Foto: Kristina Erhard


Streetfood Market Festival, Klappe die Erste.

Ein ganzes Wochenende lang konnten wir, respektive ich, die Autorin, am ersten Streetfood Market Festival Innsbrucks in der Messehalle allerlei Köstlichkeiten verkosten, ähm, essen, ähm, viel davon… Die Autorin, also ich, hat nun nicht nur ein bisschen mehr an den Rippen, sondern auch einen ganz neuen Einblick, was Streetfood eigentlich bedeutet. Foodtrucks, Küchenchefs oder passionierte Hobbyköche zauberten für mich Vegetarisches, Fleischiges und Zuckersüßes. Oh, welch Elysium. Das Angebot an Street Food war riesig. Burger waren 2013 noch der große Trend im deutschsprachigen Raum, Hot Dogs haben 2014 konsequenterweise einem noch viel größeren Trend den Weg bereitet: Streetfood-Märkte im Jahre anno domine 2015. Zu meinem absoluten Lieblings-Street-Food zählt sicherlich der Honolulu Dog mit Ananas und Avocado und der Surf&Turf Burger. Aber auch die Dim Sum aus der kantonesischen Küche Chinas (übersetzt: „das Herz berühren“…hach…): wunderschöne, fluffige Teigtaschen aus Weizen- und Reismehl, gefüllt mit Hackfleisch oder Meeresfrüchten, viel Gemüse, Koriander und ein bisschen Chili. Gibt’s auch in süß mit roter Bohnen- oder Lotuspaste.

Erste Station: Fleisch in Form eines SteakSandwich. Gegrillt. Foto: Kristina Erhard

Erste Station: Fleisch in Form eines SteakSandwich. Gegrillt. Foto: Kristina Erhard


Kein Hexenwerk für Connaisseure.

Das Interesse an Streetfood ist riesig und es wird riesig bleiben. Das ist kein Strohfeuer, das ist ein Megatrend, der sich nun bei uns beobachten lässt und schon länger westlich-weltweit, vor allem in Berlin, London und New York. Aber eigentlich war Streetfood immer schon Trend, wenn sich der eine oder andere Leser an die Garküchen Asiens erinnert. Das ist ein Essen, das sich jeder leisten kann. Und was noch wichtiger ist: ein Essen, das jeder versteht. Kein Hexenwerk für Connaisseure. Die Sterneküche hingegen ist immer mehr zur Leistungsschau geworden, vorbei an der breiten Masse – und das gar nicht mal nur wegen der Preise. Die Sterneköche diskutieren ja inzwischen sogar selbst, wieder unprätentiöser zu kochen: einfach, aber auf hohem Niveau. Streetfood erfüllt diese Sehnsucht. Es ist sehr demokratisch. Alles Überkandidelte fehlt. Es ist eine fröhliche Auf-die-Hand-Küche. Aus Fast Food ist nämlich Good Food geworden: handwerklich hergestellt, vom Brötchen bis zur Sauce, oft in Bioqualität, oft aus Zutaten der Region. Die Macher handeln regional, aber sie denken global. Auf einem Streetfood-Markt kann man sich die ganze Welt ersnacken, ohne per Flugzeug CO2 zu verbrauchen.

Zweierlei. Surf&Turf Burger. Es mundet. Foto: Kristina Erhard

Zweierlei. Surf&Turf Burger. Es mundet. Foto: Kristina Erhard


Plebs, Plebis.

Die neuen Streetfood-Macher veredeln Gerichte, die einst als proletarisch galten. Das erinnert an den Gin-Trend. Oder an die Craft-Beer-Bewegung. Selber machen, besser machen, denn Leben ist kompliziert geworden, also lieben wir auf dem Teller und im Glas die einfachen Dinge. Aber bitte in guter Qualität! Außerdem passt das eine natürlich sehr gut zum anderen: Craft Beer zu diesen würzigen Sandwiches und Burgern. Wobei Wein und Streetfood auch miteinander harmonieren können – im Selbstversuch der Autorin zumindest. So ein frisch gebeizter Lachs an kreolischem Couscous im Pappteller mit einem italienischen Rotwein – das ist schon super.

Crêpe mit Banane, Schokolade und Nuss als süßer Zwischengang. Natürlich vom Franzosen. Foto: Kristina Erhard.

Crêpe mit Banane, Schokolade und Nuss als süßer Zwischengang. Natürlich vom Franzosen. Foto: Kristina Erhard.


Fazit

Das klassische Versorgungskochen der Mütter, wie es auch die Autorin noch mitbekommen hat (ansatzweise), das gibt es nicht mehr. Die Küche hat sich verändert, sie ist zu einem Lifestyle-Accessoire geworden, zu einem zweiten Wohnzimmer in einer sich stetig und schnell wandelnden Gesellschaft. Sie löst sich auf. Wenn der Wohnraum in Innsbruck weiterhin immer teurer wird, werden wir vielleicht auf die Idee kommen, komplett auf die Küche verzichten zu können. Sie verlagert sich dann in den öffentlichen Raum. Das erste Streetfood Market Festival Innsbrucks wird nicht das Letzte sein.

Zwetschkentörtchen aus der Schweiz als allerletzter Magenfüller. Foto: Kristina Erhard

Zwetschkentörtchen aus der Schweiz als allerletzter Magenfüller. Foto: Kristina Erhard