Die Tiroler bevorzugen vermehrt Lebensmittel aus der Umgebung. Vielerorts wurde darauf mit der Eröffnung neuer Bauernläden reagiert. Einen solchen hat jetzt auch Ellbögen. Und darauf sind die Ellbögner zu Recht sehr stolz!

Gut gelungen und mit viel Herzblut betrieben: Das neue Bauernladele am neu gestalteten Ellbögner Dorfplatz.

Gut gelungen und mit viel Herzblut betrieben: Das neue Bauernladele am neu gestalteten Ellbögner Dorfplatz.

Die Bushaltestelle St. Peter befindet sich unmittelbar neben dem Bauernladele, das momentan von fünf Ellbögner Produzenten beliefert wird.

Die Bushaltestelle St. Peter befindet sich unmittelbar neben dem Bauernladele, das momentan von fünf Ellbögner Produzenten beliefert wird.

Auf den sonnigen Feldern zwischen den Ellbögner Weilern wird allerhand Gutes angebaut. Oder sie werden als Weide und zur Futterproduktion für das Vieh genutzt.

Auf den sonnigen Feldern zwischen den Ellbögner Weilern wird allerhand Gutes angebaut. Oder sie werden als Weide und zur Futterproduktion für das Vieh genutzt.

Belebung des neuen Dorfplatzes

Das Geschäft ist sozusagen das Herzstück des neu gestalteten Dorfplatzes im Ortsteil St. Peter. Es bildet die einzige Möglichkeit zur Nahversorgung im Dorf und ist somit auch ein kleiner Treffpunkt. Stolz ist man aber auch darauf, dass das Ladele ausschließlich von ortsansässigen Erzeugern beliefert wird.

Lokale Landwirtschaft fördern

„Momentan sind wir fünf“, erzählt mir der Obmann der ARGE Ellbögner Bauernladen, Herbert Miller. Erstaunlich, dass das Angebot dann so breit gefächert sein kann, denke ich mir und inspiziere Regale voller Nudeln, Eier, Milch, Tee, Gewürze, Kartoffeln, Speck, Würste, Kaminwurzen und einer ordentlichen Auswahl an Fleisch. Gemüse soll folgen – angebaut ist es auf den sonnigen Feldern bereits.

Aus den kleinen Eiern, die sich nur schwer verkaufen lassen, lässt Herbert Miller Pasta produzieren.

Aus den kleinen Eiern, die sich nur schwer verkaufen lassen, lässt Herbert Miller Pasta produzieren.

Dank dem Selbstbedienungs-Prinzip ist das Ladele an sieben Tagen pro Woche in der Zeit von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

Dank dem Selbstbedienungsprinzip ist das Ladele an sieben Tagen pro Woche in der Zeit von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

Beim Fleisch legt gerade Reinhard Ribis nach. Während Herbert rund 500 Hühner in seinem Schallerhof hält, hat sich Reinhard auf die Schweine- und Rinderzucht spezialisiert. Keiner von beiden hat seine Produkte bisher im größeren Stil vertrieben. Die neue Absatzmöglichkeit im Ladele kommt ihnen da freilich gelegen. Und der Kunde profitiert ebenso: „Man nehme Fleisch vom Reinhard und Nudeln von mir und fertig ist das Mittagessen“, lacht Herbert.

Das Brot hat noch gefehlt!

Wir fahren zu Reinhards Walzerhof. Weit oberhalb des Dorfkerns ist er gelegen. Dort, wo sich auch die Ausgangspunkte für die Wanderung oder Radtour zur Arztaler Alm oder den Spaziergang zur altehrwürdigen Hinterlocher Mühle befinden.

Weizen, Dinkel, Roggen und ein bisschen Honig ...

Weizen, Dinkel, Roggen und ein bisschen Honig …

Ortsbäuerin Magdalena Ribis versteht ihr Handwerk.

Ortsbäuerin Magdalena Ribis versteht ihr Handwerk.

Reinhards Frau Magdalena bäckt gerade Brot. „Was wäre ein Bauernladen ohne Brot“, stellt sie eine berechtigte Frage und formt den Teig geschickt zu Herzen. Dienstags und freitags sind die Laibe ofenfrisch im Ladele erhältlich.

Kilian mit den Schweinen, die sein Vater für die Fleisch-, Speck- und Wurstproduktion mästet.

Kilian mit den Schweinen, die sein Vater für die Fleisch-, Speck- und Wurstproduktion mästet.

Fachsimpeleien im Stall

Fachsimpeleien im Stall

Tierliebe wird am Walzerhof gelebt.

Tierliebe wird am Walzerhof gelebt.

Vor dem Hof spielt Sohn Kilian. Als wir Erwachsenen nach dem Vieh sehen wollen, ist der 11-Jährige gleich mit von der Partie. Kein Zweifel: Im Stall kennt er sich aus! Acht Schweine mästet Reinhard aktuell, in Zukunft sollen es mehr sein. Nicht weit davon stehen gut 20 Rinder alter Rassen. Im Gegensatz zu Herbert betreibt Reinhard die Landwirtschaft im Nebenerwerb. Hauptberuflich ist er Metzger – womit sich einiges erklärt.

Speck machen als Wissenschaft

Alle paar Wochen geht der 49-Jährige ans Werk. Er verarbeitet eigenes Fleisch, das von benachbarten Bauern und teilweise kauft er auch aus anderen Teilen Tirols zu. „Fünf Monate reift der Speck in der Selchküche, bis er perfekt ist“, erklärt Reinhard. Über die Gewürzmischung will er lieber nicht sprechen: „Die ist geheim. Ich habe versprochen, nichts zu verraten“, schmunzelt er.

Dann geht’s noch ins Detail, was das Pökeln, die richtige Temperatur und andere Kniffe für das Gelingen der bekannten Tiroler Gaumenfreude angeht. Nach so viel reden wechseln wir schlussendlich zur Verkostung über. Das Urteil ist eindeutig: Sensationell! Ich habe ich mir natürlich gleich ein Stück mit nach Hause genommen. Kaminwurzen und Brot ebenso. Das obligatorische Schnapsl durfte natürlich auch nicht fehlen 🙂

Fotos: Tamara Kainz, privat

So viel Regionalität schmeckt natürlich – noch besser, wenn's dabei so richtig gemütlich ist.

So viel Regionalität schmeckt natürlich – noch besser, wenn’s dabei so richtig gemütlich ist.