In der alten Gemeindemühle in Silz wurde bereits vor 400 Jahren Brot gebacken. Heute dient das Haus als Treffpunkt des Krippenbauvereins – und seit einigen Jahren auch wieder als Mühle. In liebevoller Handarbeit haben die Mitglieder des Vereins Stück für Stück die alten noch erhaltenen Teile renoviert und wieder in Schwung gebracht. Bei einer Führung durch das Haus gibt es aber auch noch andere Meisterstücke zu entdecken…

Bei der Führung wird auch selbst Brot gebacken!

Bei der Führung wird auch selbst Brot gebacken!

Die Alte Mühle

Abseits vom Dorfzentrum, direkt am Fuß des Berges gelegen steht die Alte Mühle. Früher plätscherte hinterm Haus das Mühlrad vor sich hin bis in den 1950er Jahren die TIWAG das Wasser für sich beanspruchte. Seitdem bekommt die Mühle stattdessen Strom geliefert. “Es gibt aber Pläne, wieder ein Mühlrand aufzustellen!” erzählt mir Josef Sonnweber – oder auch: der Pepi aus Silz. Er hält heute die Führung durch die Mühle, während Hanni Juli in der Küche mit den Kindern bereits die ersten Brote backt. 

Josef Sonnweber, in Echt und auf der Fassade.

Josef Sonnweber, in Echt und auf der Fassade.

Frisches Brot auf dem Holzofen.

Frisches Brot auf dem Holzofen.

Hier rieselt das Korn langsam auf den Mahlstein hinunter.

Hier rieselt das Korn langsam auf den Mahlstein hinunter.

Die Walzmühle

Neben der alten Steinmühle aus dem 16. Jahrhundert, steht eine Walzmühle. Beide sind sie voll funktionsfähig und mahlen bei Bedarf Getreide. Zum Beispiel, wenn für jeden ersten Samstag im Monat Mehl gebraucht wird. An diesen Samstagen wird vormittags Brot gebacken und am Nachmittag kann man es dann frisch in der Mühle kaufen. Besonders gut schmeckt das luftige Kartoffelbrot, das es auch heute zu verkosten gibt. Aber auch die Hefezöpfe gehen gut, vielleicht weil sie mit dem Zuckerhagel besonders verlockend aussehen.

Zurück in den Mühlraum – hier transportiert eine Art Aufzug mit Schaufeln das Getreide nach oben. Die Bauern mussten es also nicht weiter hinauftragen, sondern konnten es unten in den Trichter abladen. Von oben fällt das Korn dann wieder nach unten und wird zum Beispiel in der Walze gequetscht. Übrig bleibt dabei die sogenannte “Krischn” – die Kleie. Diese Walzmühle stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Die Maismühle

Und dann gibt es auch noch eine Maismühle. Nachdem man mit Hilfe von etwas, das wie ein Nagelbrett aussieht, die Körner vom getrockneten Kolben gezogen hat, kommt der sogenannte “Türken” in die Maismühle. Unten kommen die Körner als gemahlener Mais wieder heraus. Maismehl wird in Tirol zum Beispiel als Polenta gerne verkocht.

Die Kunst der Hefezöpfe

So ein Hefezopf sieht köstlich aus und ist gar nicht so leicht, wie man meinen könnte. Nicht zu zaghaft darf man den Teig anfassen, meint Hanni und zeigt mir wie ich den Teig richtig rolle. Dann wird er geflochten, bestrichen und kommt anschließend in den Ofen. Ein frischer Zopf mit Kaffee – was kann es besseres geben als eine solche Nachmittagsjause?

Die Zöpfe müssen noch bestrichen und mit Zucker verziert werden.

Die Zöpfe müssen noch bestrichen und mit Zucker verziert werden.

Dann gehts ab in den Ofen.

Dann gehts ab in den Ofen.

So sieht das Werk einer Meisterin aus.

So sieht das Werk einer Meisterin aus.

Wunderkammer Alte Mühle

Neben der Mühle und der Küche mit dem großen Holzofen gibt es dann natürlich noch die Räumlichkeiten der Krippenbauer. Neben einer Werkstatt stehen einige der Krippen, die vor allem Jugendliche im Sommer gebaut haben. Rund 40 Stunden braucht man für eine Krippe, eine ist besonders geschickt verziert und zeigt sogar eine Mühle vor der ein Sack Mehl lehnt.

Die Krippe mit Mühlrad und einem Sack Mehl vor der Tür.

Die Krippe mit Mühlrad und einem Sack Mehl vor der Tür.

Das Haus hat außerdem noch einen Raum des Freundeskreises für Pozuzo. Pozuzo? Pozuzu ist ein kleiner Ort in Peru, in dem heute noch Tirolerisch gesprochen wird. Unter anderem wohnen hier Nachkommen von Silzer Auswanderern, die in den Jahren 1856 und 1857 die weite Reise auf sich genommen haben.

Und dann öffnet Pepi noch einen weiteren Raum. Es macht ihm sichtlich Freude, mir die vielen Schätze des Hauses zu zeigen. Und diesmal staune ich noch mehr: In dem kleinen Kämmerchen verstecken sich alte Nähmaschinen vom letzten Schuster in Silz. Als er sein Handwerk aufgegeben hat, hat er sein Werkzeug dem Museum vermacht.

Einblicke in das Handwerk des Schusters.

Einblicke in das Handwerk des Schusters.

Mit solchen Modellen fertigte man früher Schuhe an.

Mit solchen Modellen fertigte man früher Schuhe an.

Im Raum nebenan hängen Kleider. 120 Kostüme sind es um genau zu sein, denn diese werden alle drei Jahre gebraucht, wenn das Dreikönigsspiel im Dorf am Tiefenthalerplatz aufgeführt wird. 2019 ist es wieder soweit!

Für die Familie mit zwei Töchtern aus Frankfurt, die gerade in Obsteig Urlaub macht, ist die Führung und das Brotbacken ein voller Erfolg. “Das kann man schon so schreiben, dass das hier ein Erlebnis ist!” lacht die Mutter, während die beiden Mädchen versuchen herauszufinden welche Zöpfe wer gemacht hat. Die darf man übrigens auch mitnehmen.

Pepi in seinem Element.

Pepi Sonnweber in seinem Element bei der Führung durchs Haus.

Brotback-Termine

Im Herbst findet das Brotbacken nochmal am Donnerstag, dem 02.11.2017 um 15:00 Uhr statt – Voranmeldung notwendig! Für Kinder ab circa 5 Jahren. Kostenbeitrag: Kinder € 5,00 / Erwachsene € 8,00

Im November und Dezember wird voraussichtlich auch am ersten Samstag jeweils gebacken, dann geht die Mühle in die Winterpause. Ab April gibt es die Back-Samstage dann wieder. Am besten erkundigt man sich nach den aktuellen Terminen im Tourismusbüro (Telefonnummer: +43 5264 / 5274)

Für Schulklassen oder größere Reisegruppen gibt es die Möglichkeit separat Termine auszumachen!

Alte Mühle
Oberer Mühlweg 1, 6424 Silz

 

 

Alle Fotos: © Lea Hajner