Nah und frisch kann schwierig sein, gerade wenn alle Geschäfte geschlossen haben. Was ich und manch Andere längst von Wochenenden, Feiertagen und späten Feierabenden kennen, ist in jüngster Erinnerung überall Alltag geworden: Leere Bauernmärkte und verwaiste Läden, überall gähnt müde Langeweile, wo sonst der Frühling seine ersten Gemüsemuskeln spielen lässt.  Doch gerade weil man (ich) ähnlichen Szenarien – Stichwort Krisensituation leerer Kühlschrank – im Laufe eines ungeregelten Studentenlebens mitunter öfter begegnet, weiß man sich irgendwann auch anders zu helfen. Außerhalb der Öffnungszeiten sind die Innsbrucker Regiomaten und Bauernläden meine besten Freunde und allerliebsten Nachbarn. Eine kleine Liste kontaktloser Köstlichkeiten, die fast immer offen haben.

Eine Schatzkarte für Genießer

Google Maps Pindrop BuyLocal

Lea Hajner hat Regiomaten und Bauernmärkte rund um Innsbruck auf Google Maps gesammelt.

Die Tiroler Vorzeigebloggerin und Autorin Lea Hajner recherchiert großartig und gründlich. Manchmal hat man dann Ideen, die hatte Lea lange schon. Als ich mich so zu Planungszwecken erstmal online auf Regionmaten-Recherchereise begebe, lande ich schon nach wenigen Klicks auf einer umfassenden Auflistung sämtlicher Ab-Hof Verkaufsstellen, Regiomaten, Milchautomaten, Frischei-Stände und Bio-Bauernläden in und rund um Innsbruck. Was noch besser ist: Lea hat alle Datensätze auch gleich auf Google-Maps verortet. So muss ich meine anschließenden Regiomaten-Runde durch die Landeshauptstadt sogar kaum planen. Danke Lea und hier der Link zur Liste.

Loni’s Bioladen

Zuerst geht’s nach Arzl, da gibt es nämlich gleich zwei Möglichkeiten regional fündig zu werden: Einmal den in der Schlöglgasse 9 etwas abseits versteckten Selbstbedienungsladen von Loni Appler, der Chefbäurin des ältesten Tiroler Bio-Bauernhofs in Innsbruck. Wort- und Wandervagabund Werner Kräutler hat ihn hier einmal besucht. Ein Schild grüßt freundlich: Hier wird man videoüberwacht. Ich ziehe also vorbildlich Mundschutz und Handschuhe über und komme mir nun erst recht vor wie ein waschechter Gauner. Drinnen begrüßen mich Obst, Gemüse, Milchprodukte und Eier aus heimischer Hofproduktion. Ich kam hungrig und kaufe reichlich. Hinterher wird alles händisch selbst abgerechnet, desinfiziert und noch einmal freundlich in die Kamera gewunken. Dann geht es schwer beladen weiter zum zweiten Shop-Stop in Arzl.

Arzler Bauernladele

Das mehrfach ausgezeichnete und regional bestens bestückte Arzler Bauernladele am Mallnhof liegt direkt an der Dörferstraße, der Hauptverkehrsachse durch Arzl. Hier gibt es eine so üppige regionale Vielfalt, dass hungrige Zaungäste starke Nerven brauchen. Einerseits weil die herrlichen Köstlichkeiten wundervoll aus dem kleinen Laden duften, andererseits weil sich die vielen Hoftiere wahnsinnig gern kraulen lassen. Neben ausgiebigen Streicheleinheiten mit Lämmern, Hennen, Kaninchen und Ferkeln gibt es hier außer der 24/7 Selbstversorgerstation auch einen kleinen Hofladen mit echten Menschen. Immer Freitag und Samstag kann man sich dann (mit gebührlichem Sicherheitsabstand) köstlich beraten lassen. Beim opulenten Aroma heimischer Käsesorten werde ich  fast schwach – und dann mit einem Schmugglerkäse glücklich. Zum Abschied kraule ich dem Alphaschaf Laurin noch einmal den Kopf, lasse mich dankbar ablecken, winke der liebenswerten Bäuerin Andrea Schreiner einen desinfizierten Abschiedsgruß und schultere kiloweise Köstlichkeiten.

Regiomat Heis

Der Regiomat in der Schneeburggasse 49 ist mein letzter Halt für heute. Es gibt zwar noch einen am Stecherhof in der Philipine-Welser-Straße 91 (Eier und Milch) aber ich habe längst alle Einkäufe erledigt und fahre den Regiomaten Erich Heis eigentlich auch nur für den herrlich hausgemachten Schoko-Mohnkuchen an. Mit einem Glas frischer Rohmilch vom Milk-o-maten nebenan zerschmilzt das köstliche Backwerk besonders himmlisch auf der Zunge – auch da zapfe ich mir schnell einen Liter in die Pfandflasche (vor Ort erhältlich). Frisch desinfiziert übergebe ich den menschenlosen Shop freundlich dem Nächsten – hinter mir hat sich unterdessen schon eine kleine Schlange gebildet. In Zeiten wie diesen besinnt man sich eben wieder auf die wichtigen Dinge.