Der Innsbrucker Christkindlmarkt in der Altstadt ist mehr als die Summe seiner Glühweine. Nach 41 Jahren Weihnachtspracht in der Innsbrucker Altstadt darf der Gourmet zwischen traditionellem Glühwein, Feuerzangenbowle und neuerdings auch einer „heißen Weißen“ am Maria-von-Burgund-Weihnachtsstandl wählen. Letztere eignet sich als hervorragende Begleitung für den  Burgund’schen  Kartoffelpuffer mit Shrimps. Der traditionellste aller Innsbrucker Christkindlmärkte verschreibt sich dem kulinarischen Slogan: Alle Jahre wieder… und das mit Biss.

Der Gourmet geht beim Besuch des Christkindlmarkts mit Bedacht vor und unterteilt die Verkaufsstände in kulinarische „Zonen“. So stößt er schon am Anfang der Herzog-Friedrich-Strasse auf das erste Highlight: die Tiroler Kiachln des Cafe Dengg. Das Maß aller Dinge vereint sich hier in Form eines herausgebackenen Krapfens, der sich wahlweise sauer oder süß genießen lässt: ersteres wortgruppengemäß mit Sauerkraut, zweiteres mit Puderzucker und/oder Preiselbeermarmelade. Wobei der Abenteuerlustige auch dem „sauern“ Kiachl mit Preiselbeeren nicht abgeneigt ist. Die manchmal etwas längere Schlange vor dem Verkaufsstand ist hier nur ein Ausdruck von Qualität, ergo von Nachfrage.

Das Anstehen lohnt sich. Die Stärkung ist nah!

Das Anstehen lohnt sich. Die Stärkung ist nah!

Tradition und Geschmack vereint.

Tradition und Geschmack vereint.

Ein Kiachl später und drei Verkaufsstände weiter, wartet ein nächster kulinarischer Zwischenstopp. Die „Milchstrasse“ hat mit dem extraterrestrischen Phänomen nur eine Sache gemein: die Vielfalt, sowohl in der Auswahl verschiedenster Schupfnudelvariationen (auch hier gilt es zwischen sauer und süß zu diversifizieren), als auch zweierlei Kreationen von Spätzle, mit Rahm oder Käse sowie köstlichen Crêpes. Abgerundet wird die Milchstrasse von drei großen, kupfernen Bottichen randvoll mit der wohl besten Feuerzangenbowle am gesamten Markt.

Fast so bezaubernd wie die echte Milchstraße.

Fast so bezaubernd wie die echte Milchstraße.

Schupfnudeln und andere Köstlichkeiten auf dem Innsbrucker Christkindlmarkt.

Schupfnudeln und andere Köstlichkeiten auf dem Innsbrucker Christkindlmarkt.

Vorbei an einer Kastanienpfanne in der Größe eines LKW-Reifens und dem obligatorischem Würstelstandl in weihnachtlichem Aufputz, findet sich der Gourmet in der vorrangig von Alkoholika dominierten Zone wieder: angefangen mit dem eingangs erwähnten Verkaufstand der Maria von Burgund (den besten Glühwein gibt es hier, so munkelt der „Stadt’ler“), vorbei an der hipporesken „Bude“ des 11-Hauses bis zur gediegenen Auswahl an Heißgetränken am Standl der Pianobar.

Den Kindern des Gourmets leuchten spätestens ab dem Weihnachtsbaum, links abgebogen in Richtung Ottoburg, die Augen. Der Verkaufsstand Gebrannte Wiener Mandeln bietet alles was ein Kinderherz begehrt: Ashanti in köstlichen Variationen, frische Marzipan-Nüsse und mit Schokolade überzogene Früchte. Auch der Veganer unter den Gourmets wird hier fündig. Dem Zuckerschock zu trotze und dem rauchigen Geruch des nachbarlichen Speckstandes sowie den handgedrehten Kartoffelspiralen vom Goldenen Adler ausweichend, findet man am Weihnachtsstand zu Beginn der Märchengasse „Schneeballträume“ in Form von Zuckerballen mit unterschiedlichsten Füllungen inklusive obligatorischer Schokoladenglasur.

Märchenhafte Schlemmereien - die Schneeball-Variationen

Märchenhafte Schlemmereien – die Schneeball-Variationen

Apropos: Käse schließt bekanntlich den Magen. Sepps Käsealm am Rande des Köhleplatz verfügt nicht nur über ein tolles Sortiment an Käsesorten, wie dem vier Monate alten und pikanten Karottenkäse, sondern der Gourmet darf auch nach Herzenslust probieren…das vereinfacht nicht unbedingt die Entscheidungsfindung, hinterlässt jedoch ein wohliges Gefühl von gesunder Tiroler Regionalität.

Eine Auswahl, die die Wahl zu Qual macht.

Wo wir beim nächsten Stichwort des Innsbrucker Christkindlmarkts wären: Nachhaltigkeit. Diese erschließt sich dem Gourmet nicht nur in Form des Becherpfands von zwei Euro, sondern auch durch die regionale Produktwelt des Christkindlmarkts. Von Lavendel angereichertem Honig, über würzige Kaminwurzen und handgeschöpfter Schokolade: für eine zünftige Tiroler Jaus’n findet man vor den Arkaden der Innsbrucker Altstadt alles Notwendige und das mit reinem, ökologischem Bewusstsein.

Überhaupt spürt man das „Tirolerische“ hier am Innsbrucker Christkindlmarkt, und das ist auch gut so. Denn gerade die Vorweihnachtszeit ist eine der Besinnung.

Und wozu da in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist?

Alle Bilder © Kristina Erhard