Es ist kurz nach Mitternacht. Vor dem Landestheater in Innsbruck wuselt es. Knapp 500 Athleten bereiten sich auf den Start des Stubai Ultratrail vor. Manche gehen auf und ab, andere lassen sich fotografieren und einige sitzen einfach nur da. Auch die Innsbrucker sind im Trailfieber, denn trotz der unorthodoxen Uhrzeit sind viele Fans da.

Um Punkt 1:00 Uhr gehen die Protagonisten ihre Unternehmung an. Nein, sie laufen los. Unfassbare 62,5 Kilometer liegen zwischen Start und Ziel, zwischen Innsbruck und der Jochdohle in den Stubaier Alpen.  Dabei legen die Läufer 5.116 Höhenmeter im Aufstieg und 2.554 Höhenmeter im Abstieg zurück. Alle vier Streckenabschnitte haben es in sich.

Stubai Ultratrail, Innsbruck - Stubaier Gletscher

Die Stimmung ist gut. Die Nachteulen sind aktiv und erklimmen laufend von Innsbruck die Jochdohle in den Stubaier Alpen! Credit: Michaela Steidl

Stubai Ultratrail: Innsbruck – Vorderes Stubaital

Nach dem Startschuss läuft sich das Feld auf Asphalt durch das Stadtzentrum entlang des Flusses Sill ein. Dann schlängeln sich die Nachtschwärmer in ihren Lichtkegeln neben dem Flussbett der Sill in der Sillschlucht. Der erste Streckenabschnitt endet im Stubaier Taleingang und führt nahtlos über gebirgiges Terrain.

Stubai Ultratrail, Innsbruck - Stubaier Gletscher

Der erste Streckenabschnitt des Stubai Ultratrail: in Innsbruck vorbei an Historischem, durch die Sillschlucht, bis ins Vordere Stubaital. Credit: Harald Wisthaler

Vorderes Stubai – Schlick – Starkenburger Hütte

In der Morgendämmerung ist sie erkennbar, die Silhouette der Serles. Auf dem waldigen Stollensteig entlang des rauschenden Ruetzbachs laufen die Sportler bis Telfes, einem Tiroler Berglauf Mekka. Spätestens dort sind alle putzmunter. 14 Kilometer verpacken sich in 1.250 Höhenmetern. Das Terrain führt wahrlich über Stock und Stein. Genau deshalb heißt dieser Sport Trail-Running. Der Weg führt durch das Plövener Loch, über den Schlicker Boden bis auf eine Seehöhe von 2.237 Metern. Genau hier steht die Starkenburger Hütte. Doch das Hochgefühl hält sich nur kurz, denn es geht schon wieder über 1.200 Höhenmeter hinab nach Neustift.

Stubai Ultratrail, Innsbruck - Stubaier Gletscher

Bergauf und wieder bergab, körperliche Meisterleistung mitten in der Natur-Idylle. Credit: Harald Wisthaler

Neustift – Wildwasserweg – Mutterberg

Der gemächlich anmutende Weg von Neustift bis Volderau ist, ob der bereits absolvierten Kilometer, trotzdem anstrengend. Denn die Uhr läuft weiter. Zumal jetzt der WildeWasserWeg  vor den Läufern liegt. Er führt zum Ruetz Katarakt, einer tosenden Klamm durch die sich der Wildbach zwängt.  Bald schon beeindruckt der Grawa Wasserfall, der breiteste Wasserfall der Ostalpen, alle Teilnehmer. Es folgt ein kurzes Stück bis nach Mutterberg bevor das Grande Finale die verbleibenden Energiespeicher anzapft.

Stubai Ultratrail, Innsbruck - Stubaier Gletscher

Das große Finale durch Schnee und Eis in der Kulisse des Stubaier Gletschers. Credit: Credit: Harald Wisthaler

Grande Finale auf den Stubaier Gletscher

In Mutterberg ist die Talstation der Stubaier Gletscherbahnen. Jene Talstation, die man vor allem von winterlichen Skitagen kennt. Von 1.756 Metern Seehöhe geben steile Serpentinen den Weg vor. Ob die Läufer aufgrund der letzten, noch einmal sehr knackigen 1.300 Höhenmeter, das weiße im Auge sehen ist nicht überliefert. Jedenfalls passieren sie die Dresdner Hütte, Schneefelder und Eis. Das Wetter, ja das liebe Wetter, meint es schon zu Beginn des Stubai Ultratrails nicht besonders gut. Hier im letzten Abschnitt zeigt es seine Ambition gegen das Schmelzen der Gletscher vorgehen zu wollen. Es ist kalt und es schneit. Aber ein “Ultratrailer” bleibt seiner Linie treu. Schließlich steht man zeitig auf, um dann, nach über acht, über neun, über zehn Stunden, in das Finisher-Shirt zu schlüpfen.

Der schnellste Mann, der Österreicher Philipp Brugger, erklimmt den Gipfel in sagenhaften 8:28.07,9 Stunden. Bei den Frauen trägt sich die Polin Natalia Tomasiak nach 9:27.33,2 Stunden in das Gipfelbuch ein.

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