Das Mittelgebirge: Weiche Luft, ohrenbetäubendes Gezwitscher, ein innerliches Kribbeln wie Aufgeregtsein, ein tiefer Luftzug Zuversicht und Jogger im Wald und auf den Wiesen, die einen beim Vorbeilaufen sogar anlächeln. Der Frühling ist nur am Rande ein Datum, bloß im Vorbeigehen eine Jahreszeit. Er ist mehr eine Einstellung, die uns die Natur eintrichtert. Morgens hell, nachmittags auch noch – und aus dem braunen traurigen Wiesen-Nichts sprießen unsagbar bunte Blumendecken, die sich über den Lanser Kopf entlang dem Viller Moor breiten. Verglichen mit den einsamen Spazierwegen des Winters droht nun die Gefahr, rund um den Lanser Kopf über den Haufen geschlendert zu werden. Die ersten Hunde stürzen sich in den Seerosenweiher, aber nur, um sich anschließend schütteln zu können. Das Herrchen mit Frühjahrs-Seegruben-Bräune macht ein hämisch fragendes „Nass geworden?“-Gesicht. Nein, es ist nichts, es ist Frühling. Soviel dazu. Nun die drei unumstößlichen Zeichen, wie du den Frühling erkennst.

  1. Lovebirds sind everywhere.

Frühlingserwachen im Mittelgebirge, Innsbruck, Frühling

Singen, tanzen, füttern, Nester bauen – Bei den Vögeln steppt zur Balz der Bär. Fotomontage: Kristina Erhard

Nicht weit hergeholt. Entscheidend bei der Partnerwahl ist auch der Nistplatz – wer das schönste Haus besitzt, hat auch die größten Chancen. Da verwundert es nicht, dass Vogelmännchen im Frühjahr die wahren Meister des Hausbaus sind.  Vor allem rund um den Seerosenweiher in Lans wird gezirpt, was das Zeug hält. Jetzt, wenn die Sonnenstrahlen stärker werden, bilden sich diese (elendigen) Hormone, die gefiederten Schreihälse fangen an zu balzen – und zwitschern und basteln drauflos. Das „Zizizirrr”, das „Djüp-Rüp-Rüp” oder das fast heisere und (ja wirklich!) nervige „Ärr-Ärr“ wird in Dolby-Surround-Qualität in den Wald geschmettert. Aber das Haus und die Musik allein reichen manchmal nicht aus: Männliche Rotkehlchen schieben dem Weibchen während der Balz Futterhäppchen in den Rachen. Hach, wie romantisch. Aber mehr noch: Die Männchen verfallen in ein typisches Poser-Verhalten. Will heißen: Herr Spatz wirbt mit eintönigem Tschiepen und dem sogenannten Spatzen-Tanz um das Weibchen. Meisen zeigen den Weibchen ihre stolz gereckte Brust und schaukeln angeberisch mit dem Körper hin und her. Der Höhepunkt kommt aber noch: Dann stellt der Meisen-Mann die Schwanzfedern auf und trippelt laut singend zur Seite, bis das Weibchen um Futter bettelt und damit signalisiert: „Mach mir ein Ei.“ Et voila.

  1. Geophyten sind keine Krankheit.

Sie sind Zwerge, treiben ihre Knospen pfeilspitz wenige Zentimeter über die Erdoberfläche, um ihre blauen, gelben und weißen Wunderblüten zu öffnen. Leuchtende, sich vom Waldboden abhebende Blüten – Lady Gaga in den noch winterkalten Wäldern. Es ist die Eigenart der sogenannten Geophyten (von Geo gleich Erde und Phyto gleich Pflanze), in den Zwiebeln alle Energie zu speichern, die sie zum Austreiben in ungünstigen Lebensbedingungen brauchen. Deswegen blühen sie von allen als erstes im Frühling. Geophyten haben also nichts mit Polyphen oder ähnlichem zu tun. Zu entdecken sind zurzeit weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa), schwefelgelbe Waldschlüsselblumen (Primula elatior), dottergelbes Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), blaue Leberblümchen (Hepatica nobilis), violette Veilchen (Violaceae) oder der vielfarbige Lerchensporn (Corydalis cava). Aber nur gucken, nicht anfassen. Würdet ihr ja auch nicht wollen.

  1. Kröten- und Frösche sind auf Safari.

Erdkröten und Frösche erwachen aus ihrer Winterstarre und verlassen ihre Schlummerhöhlen. Wenn die Temperatur mehrere Tage über fünf Grad liegt, wandern die kleineren und größeren Amphibien in ihre Laichgewässer – dem Seerosenweiher und den Wasserläufen im Viller Moor. Unterwegs treffen die Kröten- und Frosch-Damen dann ihre Prinzen. Der Rana arvalis, auch Moorfrosch genannt, färbt sich zudem zur Paarungszeit blau. So will er die Weibchen beeindrucken und seine männlichen Konkurrenten ausstechen. Wissenschaftler vermuten, dass der Frosch zu der Zeit mehr Flüssigkeit als sonst unter seiner Haut speichert. Das Licht, das auf den Frosch fällt, wird anders gebrochen und er erscheint blau. Auch das liegt vermutlich an diesen garstigen Hormonen. Wenn er nicht auf Partnersuche ist, ist der kleine Frosch braun mit schwarzen Flecken und so im Wald und Moor rund um den Seerosenweiher gut getarnt. Die Auserwählten zögerten nicht lange: Ruckzuck klettern sie auf den Rücken der Weibchen und lassen sich von diesen zum nächsten Gewässer tragen. Dort beginnt die Fortpflanzung. Nach dem Laichvorgang gehen Herr und Frau Frosch und Kröte wieder getrennte Wege. Dann bis zum nächsten Mal eben!

Hinkommen: Der Bus der Linie J fährt tagsüber alle 10 Minuten nach Igls und alle 20 Minuten weiter nach Lans. Alternativ kann man natürlich auch zu Fuß gehen. Hier gilt die Devise: Alle Wege führen in den Frühling. Den Spazierweg rund um den Lanser See findest du hier.