“Und wann fahren wir jetzt das “Talele”?”
“Was meinst du?”
“Ja, von Innsbruck mit dem Mountainbike auf die Seegrube und dann auf den Patscherkofel!”
“Des is aber scho eher heftig! Okay i bin dabei!”

So verlief eine Unterhaltung zwischen Rico, meinem Mountainbike-Gefährten, und mir vor circa zwei Jahren. Damals fiel unser Unterfangen dem Wetter zum Opfer. Dieses Jahr haben wir uns den Anfang des Sommers ausgesucht und bei herrlichen Verhältnissen legten wir an an einem Morgen im Juni los.

Aller Anfang des Talele ist die Seegrube

Nach Studium der Route ist für uns klar. Zuerst radeln wir auf die Seegrube. Bereits um 7:45 schwingen wir uns in die Sättel. Wir wählen den Weg über Mühlau und den Schießstand, wo es das erste Mal an diesem Tag zackig nach oben geht. Für uns als erprobte  Nordketten-Radler ein vertrauer Zustand. Noch immer radeln wir relativ gemächlich, wissend, dass wir unsere Kraft einteilen sollten. Über den Rastlboden gelangen wir zur Weggabelung: Höttinger Alm und Bodensteinalm. Gerne würden wir jetzt bei Bernhard  auf der Höttinger zukehren, doch ein weiterer Weg ist unser heutiges Ziel. Wir sammeln unsere Gedanken und fahren wieder: ich auf der mittleren und Rico natürlich auf der großen Scheibe.

Talele: Foto von Biker

Wir haben noch viel vor. Wir peilen das erste Etappenziel, die Seegrube, an. Foto: Rico

Überraschend schnell sind wir schon auf Höhe der Dreier-Stütze des Seegruben-Sessellifts. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen.

Talele: Foto von Biker

Alles super: Wetter, Weg, Panorama, Stimmung, Energiehaushalt. Foto: Rico

Die Neigung des Gefälles ist ein ums andere Mal erheblich. Da der Weg in einem sensationell guten Zustand ist, können wir bis auf einmal Absteigen durchfahren. Das Absteigen ist dem Puls geschuldet, der weit ins anaerobe klettert. Nach zwei Stunden grüßen wir via Luftlinie den Innsbrucker Hausberg. Als Belohnung trinken wir zwei Apfelsaft gespritzt, bevor wir abfahren.

Talele: Foto von Biker

Erstes Etappenziel Seegrube erreicht: dort hinüber, auf den Patscherkofel, wollen wir. Foto: Rico

Der Patscherkofel: so nah und doch so fern

Top motiviert und extrem gut drauf, stellen wir unsere Sättel weiter nach unten und fahren von der Seegrube ab. Ohne Probleme rollen wir über Stock und Stein. Beim Wasserschlössl fassen wir natürlich Wasser und freuen uns schon auf die Weiterfahrt, die uns über den Rastlboden und Mühlau nach Innsbruck führt. Mittlerweile ist es so gegen 10:30 und der strahlend blaue Himmel lässt eine kräftige Mittagssonne vermuten. Wir genießen das Durchqueren der Bike City bis nach Amras, wo die Radtour in der Radtour beginnt. Der erste Stich Richtung Schloss Ambras holt uns aus der leichten Lethargie und aktiviert gleich wieder Muskeln und Puls. Wir fahren über den Tummelplatz bis zur Vogelhütte mit einer kleinen Schiebestrecke inklusive. In Lans rasten wir auf einer Bank mit Blick zum mächtigen Berg, der greifbar scheint und uns träumen lässt: “Ach wären wir schon dort.”

Talele: Foto von Biker

Hinter Rico prangert er: ein Monument von Berg und unser Ziel. Foto: Hartmut Müller

Es ist einfach “zach” weiter hinauf nach Lans: vorbei am Lanser Hof biegen wir beim KFZ Mayr auf der Römerstraße links in einen Forstweg ein, der uns zur Lanser Alm führt.

Talele: Foto von Biker

Treten, treten und was? Genau, treten. Es ist heiß und es ist zach… Foto: Rico

Die guten 860 Höhenmeter von Lans Richtung Lanser Alm sind brutal. Ich gehe an meine Grenzen. Die sengende Hitze und die lange, kontinuierliche Steigung fordern mich. Auch deshalb ist der Patscherkofel mit all seinen schönen Almen und vielen Wegen so besonders: Ein monumentaler Berg. Rico, der Athlet, wartet immer wieder auf mich und gibt meiner Motivation Sporen. Einmal rast ein E-Bike an mir vorbei. Mit den Worten des Fahrzeughalters: “Achtung, ich fahre links! ” Kondensstreifen sehe ich keinen, dafür Sneakers am Ende einer langen Jeans. Als Oberbekleidung trägt man beim Sport jetzt Hemd; zum Glück kurzärmelig: Sonst wäre ich jetzt abgestiegen. Auf der Lanser Alm angekommen lassen wir uns von der Gastfreundschaft und kulinarisch verwöhnen.

Erstes kulinarisches Highlight “BERGSPINATKASKNÖDL” und sensationelle Gastfreundschaft: bei Gabi und Martin auf der Lanser Alm: Foto: Rico

Der Traum des Talele wird Realität

Ja, soviel Pathos darf sein. Nach der Stärkung schieben wir unsere Räder circa 250 Meter über einen Waldsteig bis zum Schutzhaus. Von dort warten noch einmal 250 Höhenmeter und 2,5 Kilometer auf den Gipfelsieg. Der Weg ist nicht sehr steil, aber so steil, dass er uns den konditionellen Rest gibt. Mental arbeite ich mich mit einigen, gezählt habe ich nicht, “Komm jetzt!” durch. Auf dem Gipfel, kann es nur einen geben, der dort schon auf mich wartet. Ricardo, wie sie ihn ab dem Brenner nennen. Der Blick hinüber zur Seegrube wirkt surreal. Es ist kaum zu glauben, aber diese Tour haben wir tatsächlich gerade eben gemacht.

Darüber geredet und durchgezogen und geschafft! Schon eine Wahnsinns-Tour. Danke dem Schrittmacher: Ricardo. Foto: Hartmut Müller

Wir schieben die Räder Richtung Boscheben und bis zum Issboden.

In Kufstein macht der Inn ein Knie. Mit freiem Auge fast erkennbar. Foto: Hartmut Müller

 

Talele: Foto von Biker

Wer sein Rad liebt, der schiebt. Nach vollbrachter Tat und vor dieser Kulisse kann ich mir gerade nichts Schöneres vorstellen: Foto: Rico

Auf der Aldranser Alm werden wir mit zwei grandiosen Schnitzeln verwöhnt. Und auf die Frage ob wir Nachschlag wollen, weil noch etwas Übrig ist, sagen wir unisono “Ja, gerne!” Schließlich müssen wir unsere Kalorienspeicher wieder auffüllen. Übrigens geht von der Aldranser Alm niemand hungrig hinunter, das steht sogar in der Karte: genial! Die Abfahrt auf der MTB-Strecke und über Aldrans ist der krönende Abschluss!

Talele: Foto von Alm

Pemba aus Nepal neben Alice. Dahinter Chefin Irmgard und ein zufriedener und satter Talele-Finisher. Nicht im Bild aber allgegenwärtig: il grande Ricardo: Foto ebendieser

Tourdaten:

  • Innsbruck – Seegrube (1905): 1330 Höhenmeter
  • Innsbruck – Lanser Alm (1735): 1160 Höhenmeter
  • Lanser Alm – Schutzhaus (1970): 235 Höhenmeter
  • Schutzhaus- Patscherkofel (2246): 276 Höhenmeter

 

  • Gesamt: 3001 Höhenmeter
  • Distanz: 66 Kilometer
  • Dauer: 8:46 Stunden, inklusive Pausen
  • Kalorien: zwischen 5.400 und 6115 je nach persönlichem Stoffwechsel 🙂

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