Eine Kletterroute ist so viel mehr als nur eine Folge von Griffen und Bewegungen. Vielmehr ist jede einzelne ein Kunstwerk, in der Kreativität, Herzblut und ganz viel Persönlichkeit stecken. Wie genau eine Kletterroute entsteht und woher ein guter Routenbauer seine Inspiration bezieht, erzählt Reini Scherer im Gespräch, und zeigt uns dabei auch gleich sein (unser!) neuestes Schmuckstück: Die WUB Kletterhalle in Innsbruck. 

Jeder Zentimeter in den nagelneuen Kletterhalle am WUB Gelände ist bereits mit einer Route besetzt – auch wenn manche vorerst noch fiktiv existieren, allesamt genau geplant im Kopf von Reini Scherer. Planung sei wichtig, um den wertvollen Platz in den Hallen perfekt zu nützen und das Verhältnis von schweren und leichteren Routen zu koordinieren. Aber wie plant man eine Kletterroute, die genau in einem bestimmten Schwierigkeitsgrad fallen soll? Wenn das jemand beantworten kann, dann Reini Scherer: Langjähriger Trainer Österreichischer Kletterprofis, Berg- und Skiführer, Erstbegeher zahlreicher Klettertouren bis zum 11. Schwierigkeitsgrad und Ausbildner von Routenbauern.

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Kein Platz für Höhenangst. Ein Routenbauer beim Außenbereich der neuen Kletterhalle Innsbruck

Wie wird man Routenbauer?

Reini Scherer: Um eine Routenbauer-Ausbildung machen zu können, muss man sich kletter- und seiltechnisch schon mal grundsätzlich auf einem guten Niveau befinden, dann braucht man den Übungsleiter im Klettern und viele Praxiseinheiten. Bei den Kursen wird zwischen Boulderbau und Seilroutenbau, sowie zwischen Hallenroutenbau und Wettkampfbau differenziert.

Wie entsteht eine Kletterroute, was macht eine gute Tour aus und was eine schlechte? 

Reini Scherer: Einen Routenbauer mit viel Erfahrung erkennt man daran, dass bei der Tour die künstliche Hallenwand und die Griffauswahl harmoniert. Je nach Schwierigkeitsgrad verändern sich die Züge natürlich, man muss für einen bestimmten Schwierigkeitsgrad auf das ungefähre Technik- und Konditionslevel des potenziellen Kletterers eingehen, da spielen viele Faktoren zusammen.
Wenn Routenbauer krampfhaft eine Felstour in der Halle nachbauen wollen, geht das meistens nach hinten los. Vielmehr sollte man sich die Inspiration von den vorhandenen Griffen und Wand-Elementen holen, und wenn dann beim setzen ein Flow entsteht, wird das auch der zukünftige Kletterer merken und mehr Freude an der Tour haben. Allgemein gilt die Regel: Kunstwand – Kunstrouten.
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Nicht weniger als 35.000 Griffe sind in der neuen Kletterhalle im Einsatz

Wie würdest du die Arbeit eines Routenbauers beschreiben, worauf kommt es dabei an? 

Reini Scherer: Das Lässige am Routenbauen ist die Kreativität die man an die Wand bringen kann, man darf sich dabei auch ruhig als eine Art Künstler sehen. Kreativ bist du dann, wenn du dich leiten lässt von dem was du gerade in der Hand hältst, von dem wie die Wand aussieht und von deiner Erfahrung als Routenbauer. Einen genauen Plan verfolgen zu wollen ist fast unmöglich und wird dich in deiner Arbeit eher blockieren.

Wie viele Routenbauer sind in der neuen Kletterhalle derzeit im Einsatz? 

Reini Scherer: Momentan arbeitet ein Team von 11 Routensetzer in der neuen Anlage, das ich mir teils von externen Bekannten, teils intern zusammengestellt habe. Das Interessante ist, dass jeder seinen eigenen Stil hat und man oft die Herkunft des Routenbauers auf Grund seiner Setzungsweise erkennen kann.
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Dieser Griff könnte ebenso gut eine dünne Leiste sein, dennoch geht der Trend hin zu großen, formschönen Elementen.

Was hat sich im Laufe deiner Karriere verändert, an der Wand, beim Routenbau, usw.? 

Die Kosten einer Route haben sich definitiv erhöht, heute kostet eine Route ungefähr das 10-Fache wie vor einigen Jahren. Das liegt daran, dass die Griff-Elemente immer größer und aufwendiger werden. Wie beim Essen muss alles immer besser ausschauen, das Auge isst ja bekanntlich mit.
Außerdem haben wir in der neuen Halle einen speziellen Sicherheitsboden gelegt, dieser kann Stürze von bis zu 10m absorbieren. Auch die Lüftungsanlage ist hochmodern und sorgt für einen guten Luftaustausch in der mit Magnesium-Staub belasteten Halle.

FYI

  • 600 Seilrouten, 200 Boulder
  • 5700 Quadratmeter Kletterfläche
  • 80% der Routen unter dem 8. Schwierigkeitsgrad UIAA
  • eigene Eintrittskarte zum Boulderbereich erhältlich
Bis zur Eröffnung am 15. Mai müssen sich die Kletterverrückten unter euch noch etwas gedulden, die Vorfreude in der Community ist jedenfalls riesig.
Inzwischen könnt ihr euch noch in den bestehenden Boulder– und Kletterhallen in Innsbruck austoben! 🙂