Im Höttinger Steinbruch trifft sich die Innsbrucker Kletterszene. Traumhafte, ausdauernde Routen ziehen speziell Einheimische in ihren Bann. Hier wird der Klettergarten ausführlich vorgestellt und die Abenteuer bekannter Tiroler Alpinisten reflektiert. Anspruchsvolles Klettern und atemberaubende Blicke auf Innsbruck – Kletterherz was willst du mehr…

Wo die wilden Hunde wohnen

Jetzt wollten wir auch einmal im Klettergarten kraxeln, so richtig trainieren und zeigen, wie wir beinand waren. Ich wusste ja nicht, wie so ein Klettergarten aussieht, deshalb packten wir Seil, Karabiner und Haken in die Rucksäcke und fuhren mit dem Moped Richtung Hungerburg. Ehrlich gesagt, mir rutschte das Herz etwas tiefer, als ich diesen 40 Meter hohen Felsen sah, und meine bisherigen Klettertouren wie Brandjoch-Südgrat, Frau Hitt und Hohe-Warte-Südgrat schienen mir recht erbärmlich im Vergleich zu dieser überhängenden Mauer…“

So beginnt Reinhard Schiestls Erzählung über den Höttinger Steinbruch 1966-1973. Er ist einer von 11 Autoren die im Buch “Wo die wilden Hunde wohnen” ihre Kletterabenteuer festhalten. 3 Exemplare des Buches kannst du hier gewinnen!

Teils haarsträubende Aktionen lassen beim Lesen dieses Buches den Atem stocken bzw. regen zum Schmunzeln an. Kurzweilige, wahre Klettergeschichten Tiroler Alpinpioniere unterhalten auf unterschiedlichste Weise und sorgen für Nostalgie und Spannung.

Höttinger Steinbruch – Kletterszene-Treff, früher wie heute

Dabei wird immer wieder der Höttinger Steinbruch erwähnt. Ist man hier einst mit selbst geschlagenen Haken ausschließlich zum Trainieren für alpine Touren geklettert, kommt man heute zur Ausübung des Hobbys, dem Sportklettern, herauf. Lange abwechslungsreiche Touren ziehen speziell die Innsbrucker Kletterszene in ihren Bann. Der nur ein paar Minuten vom Innsbrucker Stadtzentrum entfernte Höttinger Steinbruch ist längst Kult und spiegelt den Lifestyle der Innsbrucker Kletterinnen und Kletterer wider – früher wie heute!

Klettern im Höttinger Steinbruch: Innsbrucker Szene-Treff, früher wie heute.

Klettern im Höttinger Steinbruch: Innsbrucker Szene-Treff, früher wie heute.

Das “6-er Dachl”

Die bekannteste Route im Höttinger Steinbruch ist wohl das „6-er Dachl“. Ein spektakulärer Überhang zieht sofort die Blicke auf sich und erfordert eine große Portion Mut, um die Schlüsselstelle dieses Klassikers zu überwinden. Nach ausdauernden 30 Metern kommt man zur Feststellung, dass eine 6a definitiv KEIN Kindergeburtstag ist und Ernüchterung macht sich vielleicht, auch wie einst bei Reinhard Schiestl, breit.

Wo die wilden Hunde wohnen: Reini Schiestls Story zum 6er Dachl im 6er Dachl

Wo die wilden Hunde wohnen: Reini Schiestls Story zum 6er Dachl im 6er Dachl

Der “Geiersturzflug” 7a+ und Heinz Zak

Bei dieser, speziell im oberen Teil sehr harten Tour war auch Heinz Zak beteiligt. Heinz Zak, eine Kletterikone Tirols und auch Autor im Buch “Wo die wilden Hunde wohnen” hat hier seine Handschrift hinterlassen. Im Buch begibt sich Heinz auf einer Zeitreise in den Hallanger und berichtet über das nervenaufreibende Einbohren von “Himmel und Hölle”. Da möchte man am liebsten schon beim Lesen in den Magnesiumbeutel greifen, so beginnen die Finger zu schwitzen. Aber nein, das Magnesium brauchen wir noch für…

Der “Bierbauch” 6c+ und Darshano

Auch Darshano, ein weiterer Autor aus dem Buch “Wo die wilden Hunde wohnen” hat sich im Steinbruch verewigt. Mit Frack und Zylinder war Darshano in den Felswänden unterwegs und berichtet dabei über das Jahr 1981: Klettern ohne Handschuhe bei minus 21 Grad, ungesicherte Sprünge auf tellergroße Plateaus bei denen Eisschollen unter den Fersen zerbersten und Voo Doo. Das gesicherte Abenteuer “Bierbauch” wirkt dagegen wie ein Spaziergang, oben geht’s allerdings ordentlich zur Sache .

Mehrere 5c’s und die “Schnapsnase”

Rechts vom “Bierbauch” folgen traumhafte 5c’s von beinahe 30 Metern Länge. Den “Fünf-plus-Riss“ und “Goldpartie” schüttelt man nicht locker aus dem Unterarm, im Gegenteil, Unterarm ausschütteln heißt es beim Klettern an den spärlichen Rastpositionen. Folgt man dem Fels weiter rechts kann man sich noch an weiteren 5c’s bzw. der “Schnapsnase” austoben. Der Blick auf Innsbruck ist bei diesen Touren sagenhaft und darf im Eifer des Gefechtes keines Falls vergessen werden!

5c Genusstouren mit atemberaubenden Blicken auf Innsbruck; Foto: TVB Innsbruck, C. Vorhofer

5c Genusstouren mit atemberaubenden Blicken auf Innsbruck; Foto: TVB Innsbruck, C. Vorhofer

Schiestl Dachl” 7a+, “Rollsplitt” 7a und “Sperrbezirk” 7b+

Links vom 6-er Dachl hat Reinhard Schiestl das „Schiestl Dachl“ eingebohrt. Eine schwierige Einzelstelle am Dach ist die Schlüsselstelle. Dann folgen steile Klettereien in der „Rollsplitt“ (7a) und im „Sperrbezirk“ (7b+). Hier wird es nach oben hin immer schwieriger.

Powerplay” 6b+

Weiter links gelangt man zur “Powerplay” (6b+). Der Einstieg an einem schönen Riss macht dem Höttinger Steinbruch all seine Ehre. Denn “speckig” geht’s los, die Höttinger Brekzie zeigt ihre stumpfen Krallen ehe man sich akrobatisch auf das erste Felsband drückt. Anschließend folgt schöne technische Kletterei mit einem Kreuzzug bis zur eigentlichen Schlüsselstelle. Links ein Knöpfl, rechts ein Zweifingerloch, sauber steigen, links ein rutschiger Aufleger, rechts ein großer Griff, links dann der noch bessere – GESCHAFFT! – einhängen und konzentriert die letzten Schwierigkeiten bis zum Umlenker meistern!

Kein leichtes Spiel: Die letzten Züge in der Powerplay kosten die letzte Power.

Kein leichtes Spiel: Die letzten Züge in der Powerplay kosten die letzte Power.

Bouldern im Steinbruch wie einst Hermann Buhl

Auch ein Hermann Buhl war einst für Trainingszwecke zum Klettern im Höttinger Steinbruch. Der gebürtige Innsbrucker Alpinist bestieg 1953 als erster Mensch überhaupt den Nanga Parbat. Herman Buhl hat im Höttinger Steinbruch zahlreiche Quergänge absolviert. Im Buch “Wo die wilden Hunde wohnen” wird darauf Bezug genommen, man war sichtlich beeindruckt. Auch heute werden diese Quergänge noch immer gern geklettert, mit wohl einem großen Unterschied zu damals: speckig – speckig – speckig. Dieser Ausdruck ist wohl das Innsbrucker Synonym für den Höttinger Steinbruch, aber das macht ihn auch so spannend, so speziell, so einzigartig. Die Tritte sind sehr sauber anzusteigen, ansonsten rutscht man leicht mit den Zehen ab. Trotzdem gibt es welche, die auf der rötlichen Höttinger Brekzie wie aus einem Guss stehen – die Schwarzen Mander in der Hofkirche – sind doch die Sockel auf dem sie stehen aus dem Steinbruch.

Hofkirche Innsbruck: Auch die schwarzen Mander stehen auf den Fels aus dem Höttinger Steinbruch

Hofkirche Innsbruck: Auch die schwarzen Mander stehen auf den Fels aus dem Höttinger Steinbruch

Quergänge wurden früher übrigens OHNE Sicherungen auch auf dem ersten und zweiten Felsband unternommen. Bitte NICHT nachmachen, die Wilden Hunde haben schon zu viele Kletterschutzengel aufgebraucht. Einen zu wenig hatte Hermann Buhl am 27.06.1957. Vor genau 60 Jahren ist er am Chogolisa (7.654 m) tödlich verunglückt. Nach ihm wurde der Hermann-Buhl-Platz gleich über dem Höttinger Steinbruch auf der Hungerburg, benannt.

Familientauglichkeit und Zufahrt

Von Innsbruck kommend mit dem PKW Richtung Hungerburg. Nach dem Gasthof Ölberg folgt eine markante Linkskehre mit einem Schranken rechts. Ein großflächiger Parkplatz direkt in der Kehre links und ein breiter ebener Zustieg von 2 Minuten locken auch Kletterfamilien an. Die Picknickdecke ist in der Wiese gleich aufgebreitet, Mama und Papa können mit dem Klettern sogleich loslegen. Für Kinder selbst ist das Klettern eher ungeeignet.

Es empfiehlt sich auch eine Fahrt mit der Hungerburgbahn bis zur Haltestelle Alpenzoo und einem schönen kurzweiliger Fußmarsch von 20 min Richtung Westen. Wer ohne Kinder unterwegs ist, kann der Hungerburgbahn auch zu Fuß bis zur Haltestelle Alpenzoo folgen.

Auch mit dem Fahrrad ist die Zufahrt möglich und wird gern genutzt. In 15 Minuten gelangt man vom Goldenen Dachl über die allerdings sehr steile Höttinger Gasse direkt in den Klettergarten. Man ist dann definitiv schon aufgewärmt!

Die Beste Anbindung bietet die Buslinie “J”, man fährt direkt vom Stadtzentrum zur Haltestelle Ölberg! Nach lediglich 5 Minuten Fußmarsch ist man beim Fels angekommen.

Einkehrmöglichkeit und Übernachtung

Der nur ein paar Gehminuten entfernte Gasthof Ölberg mit einem der herrlichsten Ausblicke auf Innsbruck bietet sich an. Auch der voll stylische Szenetreff auf der Hungerburg Hitt und Söhne muss nach dem Klettern unbedingt besucht werden!

FACTS – Klettern im Höttinger Steinbruch:

  • 48 Routen bis 7c+: Topo: climbers-paradise
  • Kletterführer: Sportklettern in Nordtirol von Michael Meisl
  • Kletterführer: Sportklettern in Innsbruck
  • Gesteinsart: Höttinger Brekzie / Konglomerat
  • 70 Meter Seil und 16 Expressen
  • Alle Routen sind vor wenigen Jahren saniert worden und inkl. Umlenkkarabiner perfekt abgesichert.
  • Ausrichtung Südwest: Im Hochsommer wird es ab 11:00 Uhr viel zu heiß zum Klettern, am Abend wieder perfekt.
  • Schlechtwettertauglichkeit: Klettern bei Regen nur bedingt im linken überhängenden Wandteil möglich.
  • Wo die wilden Hunde Wohnen von Walter Klier gibt es im ausgewählten Buchhandel.
  • Mehr Infos auch unter Klettern und Bouldern in Innsbruck

Besser geht’s nicht: Die Absicherungen sind auf neuestem Stand, genießen den Ausblick auf Innsbruck und freuen sich auf dich.

Gewinnspiel “Wo die wilden Hunde wohnen”

Drei dieser Bücher werden an die besten Schüttelreimerinnen und Schüttelreimer verlost. Einfach einen Zweizeiler mit dem Wort „Steinbruch“ unter Kommentare posten!
z.B.:

  • Sein im Steinbruch viele Buam – isch koa Powder auf der Gruam.
  • Isch der Bauer nit beim Schnagg’sln – isch er wohl im Steinbruch kraxeln.    😉
Walter Klier

Wo die wilden Hunde Wohnen: Kurze, spannende Klettergeschichten

 

 

Teilnahmebedingungen Gewinnspiel: Die Teilnehmer sind mit der Erfassung ihrer Daten einverstanden. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel stimmt der/die Einsender/in zu, dass seine/ihre Daten von Innsbruck Information und Reservierungs GmbH / Tourismusverband Innsbruck & seine Feriendörfer zum Marketingzweck verwendet werden dürfen. Dieser Zustimmung kann der/die Einsender/in jederzeit schriftlich mittels Abmeldung im Newsletter widerrufen. Jeder/jede Teilnehmer/in erklärt sich im Fall des Gewinns damit einverstanden, dass der vollständige Name, Wohnort und ein Gewinner/in-Foto auf den Websites blog.innsbruck.info, www.innsbruck.info und der offiziellen Facebook-Fansite von Innsbruck Tourismus  veröffentlicht werden können. Der Gewinn wird bis inkl. 12.07.2017, 13:oo Uhr, verlost. Die Gewinner werden am 13.07.2017 per Kommentar verständigt. Die Teilnahme ist kostenlos. Das Gewinnspiel wir in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert und steht in keiner Verbindung zu Facebook. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinne können nicht in bar abgelöst werden.