Ob Wallfahrt oder kurze Pilgerreise ist einerlei: der Spaziergang auf dem Tiroler Jakobsweg von Ellbögen zum Dom zu St. Jakob in Innsbruck wird von einer monumentalen Szenerie beherrscht und hat ein Meisterwerk der Malerei zum Ziel. Gerade im Frühling sollte man sich diesen Genuss für alle Sinne nicht entgehen lassen. 

Ich darf von mir behaupten, sehr viele verschiedene Routen von Jakobswegen in Europa zu kennen. Aber keine Etappe, die ich je in Angriff genommen habe, ist mit der Strecke im unteren Wipptal zu vergleichen. Da beschreitet man teilweise uralte Trassen und Verkehrsverbindungen wie die alte Römerstraße oder ihre Nachfolgerin, die Salzstraße

Außergewöhnliche Perspektiven der Nordkette tun sich hinter jedem Hügel auf. Der Blick auf Berge und Gletscher des Stubais und die hoch aufragende Serles geben dieser Kurz-Etappe einen Schuss Dramatik. Und machen die Endetappe des sogenannten “Brennerweges” des Tiroler Jakobsweges zu einem einzigartigen Erlebnis. Vollends dramatisch wird die Szenerie am Ende, wenn die Pilger erstmals Innsbruck unter sich sehen. Die Stadt ist ein riesiges Amphitheater mit dem Bühnenbild namens Nordkette.

Innsbruck liegt am Ende der Etappe vor den Pilgern wie ein Amphitheater samt monumentalem Bühnenhintergrund

Innsbruck liegt am Ende der Etappe vor den Pilgern wie ein Amphitheater mit einem monumentalen Bühnenhintergrund

Die Pilgerfahrt am Jakobsweg zum Gnadenbild

Was heute kaum mehr bekannt ist: Innsbruck war im späten Mittelalter quasi eine Pilgerhochburg. Die Menschen strebten zur Stadtpfarrkirche, wie der Dom offiziell hieß, um das Bild der Gnadenmutter zu sehen: die einzigartige Darstellung Mariens mit dem Kind des großen Deutschen Meisters Lucas Cranach d.Ä. Auch Südtiroler Santiagopilger des Mittelalters suchten zuerst Innsbruck mit dem Gnadenbild auf, um dann weiter via Einsiedeln und seiner “Schwarzen Madonna” nach Galizien an das angebliche Grab des Apostels Jakob zu pilgern. Innsbruck war sogar ein Knotenpunkt mittelalterlicher Pilgerströme: hier trafen die Wege aus Ostösterreich und Süddeutschland mit dem Weg aus dem Süden, dem Brennerweg zusammen.

Das Mariahilf-Bild von Lucas Cranach d.Ä. ist in Tirol allethalben sichtbar: es wurde tausendemale kopiert, ist als Fresko an Hausfassaden und über Türen angebracht um das Haus zu schützen. Allein in der Innsbrucker Altstadt sind 19 Mariahilf-Bilder heute noch an Hausfassaden zu sehen.

Das Mariahilf-Bild von Lucas Cranach d.Ä. ist in Tirol allenthalben sichtbar. Es wurde tausende Male kopiert und ist als Fresko an Hausfassaden und über Türen angebracht, um das Haus zu schützen. Allein in der Innsbrucker Altstadt sind 19 Mariahilf-Bilder heute noch an Hausfassaden zu sehen.

Mit Öffis nach Mühlbach

Am besten ist es, mit dem öffentlichen Bus nach Ellbögen in den Ortsteil Mühlbach zu fahren. Für mich ist das immer verbunden mit dem Besuch des „Larvenschnitzers meiner Wahl“, Norbert Danler. Sein Atelier liegt just am Ausgangspunkt dieser Etappe am Jakobsweg und lohnt den Besuch auf alle Fälle. Er schnitzt traditionelle Tiroler Larven, die selbst einem abgebrühten Christenmenschen noch Schrecken einjagen können. Ich meine jene Teufelslarve, deren blaue Augen aus gebrauchten Glasaugen bestehen. Schaurig schön.

Zum Fürchten: die Teufelsmaske mit den echten Glasaugen.

Zum Fürchten: die Teufelsmaske mit den echten Glasaugen.

Norbert Danler, der Larvenschnitzer aus Ellbögen vor seinem Atelier

Norbert Danler, der Larvenschnitzer aus Ellbögen, vor seinem Atelier

Jetzt geht’s erst einmal bergab

Dann aber der Abstieg entlang des Mühlbaches zu den Rinnerhöfen. Der Weg führt sanft bergab und eröffnet die ersten Panoramablicke dieser Strecke: die Nordkette in ihrer vollen Breite.  Der Jakobsweg führt in weiterer Folge hinauf zum ‚Kehr‘ in Patsch, von wo aus die Nordkette in ihrer vollen Schönheit erstrahlt. Um Patsch zu erreichen, nutzt man die uralte Einkehrstation am Brennerweg. Ich stelle den Weg nun in Bildern vor, denn die sagen ja bekanntlich mehr als 1.000 Worte.

Bei den Rinnerhöfen unterhalb des Ortszentrums von Ellbögen erscheint erstmals die Nordkette in ihrer vollen Pracht.

Bei den Rinnerhöfen unterhalb des Ortszentrums von Ellbögen erscheint erstmals die Nordkette in ihrer vollen Pracht.

Ein uralter Heustadl am Weg. Das alte Tirol begegnet uns auf dieser Etappe immer wieder. Leider teils in desolatem Zustand, wie dieser uralte Holzstadel, dessen Dach bereits löchrig ist.

Ein uralter Heustadl am Weg. Das alte Tirol begegnet uns auf dieser Etappe immer wieder. Leider teils in desolatem Zustand, wie dieser uralte Holzstadel, dessen Dach bereits löchrig ist.

Patsch, das uralte "Eingangstor" ins Wipptal. Der Blick von der Terrasse des legendären Gasthauses Bären ins Stubai ist absolut einzigartig.

Patsch, das uralte “Eingangstor” ins Wipptal. Der Blick von der Terrasse des legendären Gasthauses Bären ins Stubai ist absolut einzigartig. Links der ‘Hochaltar’ Tirols, die mystische Serlesspitze. In der Mitte die gleißenden Ferner des Stubaitales, überragt vom legendären Zuckerhütl.

Teile der alten Römerstraße in Patsch wurden bei der Volksschule wieder zusammen gestellt. Sehr gut sichtbar sind noch die Wagenspuren, die sich tief in die Steine eingegraben hatten.

Teile der alten Römerstraße, wie sie in Patsch gefunden wurde. Die Steine wurden bei der Volksschule wieder zusammen gestellt. Sehr gut sichtbar sind noch die Wagenspuren, die sich tief in die Steine eingegraben hatten.

Detail an einem Bauernhaus in Patsch mit dem berühmten 'Häuschen, in das auch der Kaiser zu Fuß zu gehen hat'.

Detail an einem Bauernhaus in Patsch mit dem berühmten ‘Häuschen, in das auch der Kaiser zu Fuß zu gehen hat’.

Fresken am Bauernhaus Trolf in Patsch mit einem gotischen Erker. Wahrhaft verborgene Perlen.

Fresken am Bauernhaus Trolf in Patsch mit einem gotischen Erker. Wahrhaft verborgene Perlen.

Von Patsch aus beschreiten die Pilgersleute eine Landschaft, wie sie schöner nicht sein könnte: sanfte Hügel, kurze Waldabschnitte, Blumenwiesen. Rechts der Patscherkofel, links die Serles. Und in Augenhöhe: die Nordkette.

Von Patsch aus beschreiten die Pilgersleute eine Landschaft, wie sie schöner nicht sein könnte: sanfte Hügel, kurze Waldabschnitte, Blumenwiesen. Rechts der Patscherkofel, links die Serles. Und in Augenhöhe: die Nordkette.

Großes Freiluft-Kino: Der Tiroler Jakobsweg vor der majestätischen Nordkette.

Großes Freiluft-Kino: Der Tiroler Jakobsweg vor der majestätischen Nordkette. Dass die Bauern eben Mist ausgebracht hatten störte mich keineswegs, er würzt quasi die Luft und ermöglicht ein tiefes Durchatmen…

Der Kurpark Igls liegt quasi am Tiroler Jakobsweg. Ein Spaziergang durch diese wunderschöne Anlage ist mehr als nur empfehlenswert. Hier sollten Pilgersleute rasten.

Der Kurpark Igls liegt direkt am Tiroler Jakobsweg. Ein Spaziergang durch diese wunderschöne Anlage ist mehr als nur empfehlenswert. Hier sollten Pilgersleute rasten.

Das Dorfzentrum von Igls: von hier aus führt der Tiroler Jakobsweg via Schlosshotel nach Vill.

Das Dorfzentrum von Igls: von hier aus führt der Tiroler Jakobsweg via Schlosshotel nach Vill.

Die Inszenierung des Dörfchens Vill übernimmt die Nordkette.

In Vill übernimmt die Nordkette die komplette Inszenierung. Auch wenn man schon hunderte Male hier entlang spaziert ist: Solche Bilder sind Balsam für Seele und Geist.

In Vill beginnt der Abstieg in die Hauptstadt der Alpen

Der Tiroler Jakobsweg führt nun vorbei an der schönen Pfarrkirche von Vill in Richtung Grillhof. Um sich dann zuerst entlang des Höhenzuges des Lanser Köpfls der tief unten gelegenen Tiroler Landeshauptstadt anzunähern. Eine Annäherung, die ich durchaus als spektakulär bezeichnen möchte.

Die Belohnung für die Pilgersleute erfolgt nach Vill: ein nahezu unbekannter Aussichtspunkt fernab der Touristenströme lädt zum Verweilen. Der Blick über Innsbruck von hier aus ist - gelinde gesagt - genial.

Die Belohnung für die Pilgersleute erfolgt nach Vill: ein nahezu unbekannter Aussichtspunkt fernab der Touristenströme lädt zum Verweilen. Der Blick über Innsbruck von hier aus ist – gelinde gesagt – genial.

Von Stift Wilten aus geht es dann quasi direttissimo in Richtung Dom...

Von Stift Wilten aus geht es dann quasi direttissimo in Richtung Dom…

...zuerst via Wiltener Platzl...

…zuerst via Wiltener Platzl…

...durch die Triumpfpforte...

…durch die Triumpfpforte…

...zum Goldenen Dachl, das also direkt am Tiroler Jakobsweg liegt.

…zum Goldenen Dachl, das also direkt am Tiroler Jakobsweg liegt.

Das eigentliche Ziel ist erreicht: der Dom zu St. Jakob mit dem Gnadenbild von Lucas Cranach d.Ä. und ...

Das eigentliche Ziel ist erreicht: der Dom zu St. Jakob mit dem Gnadenbild von Lucas Cranach d.Ä. und …

...zahlreiche Fresken, die den Namensgeber des Jakobsweges im Dom zeigen.

…zahlreiche Fresken, die den Namensgeber des Jakobsweges im Dom zeigen.

Tipps und Daten zur Etappe des Tiroler Jakobsweges von Ellbögen nach Innsbruck

Diese Karte enthält von Ellbögen ab den genauen Verlauf des Jakobsweges. Einfach anklicken.

Diese Karte enthält von Ellbögen ab den genauen Verlauf des Jakobsweges. Einfach anklicken.

  1. Es ist absolut ratsam, den Bus von Innsbruck/Hauptbahnhof nach Ellbögen/Mühlbach zu nehmen.
  2. Der Jakobsweg beginnt unmittelbar nach dem Spargeschäft in Mühlbach (gegenüber der Larvenschnitzerei von Norbert Danler).
  3. Nehmen Sie nach den Rinnerhöfen den unteren Weg. Das Schild des Jakobsweges zeigt in die falsche Richtung! Ansonsten ist der Jakobsweg auf dieser Etappe gut ausgeschildert.
  4. Empfehlenswert in Patsch ist ein Besuch im historischen Gasthof Bären sowie die Besichtigung der rekonstruierten kleinen Teilstrecke der Römerstraße bei der Volksschule.
  5. Nach Patsch teilt sich der Weg in Richtung Igls. Nehmen sie jenen, der als “Winterweg” gekennzeichnet ist. Denn er führt direkt zum Kurpark, den ich nur sehr empfehlen kann.
  6. In Igls können Sie mehr oder minder planlos herumirren, sofern sie in Richtung Schlosshotel Igls gehen ist alles in Butter. Denn dort findet der Jakobsweg seine Fortsetzung in Richtung Vill.
  7. Nach einem kurzen Intermezzo auf dem Gehsteig der Bundesstraße sollten Sie die  Abzweigung des Jakobsweges in Richtung Grillhöfe nicht versäumen. Und nun geht’s eigentlich nur der Nase und dem Weg nach.
  8. Ich würde allen Pilgersleuten empfehlen, den Dom zu St. Jakob zu Fuß zu erreichen. Weshalb? Weil der Weg nicht quasi die Direttissima zwischen Wilten und dem Dom ist. Die Strecke ist auch äußerst liebreizend und schön.
  9. In Innsbruck hat die Jakobsgemeinschaft eine neue Möglichkeit geschaffen, günstig zu übernachten. Sie finden alle Herbergen in diesem Herbergsverzeichnis  des Tiroler Jakobsweges.