13! – Er zählt noch einmal nach: 13. „Hoffentlich bleibt es nicht dabei“, sagt Ewald Strohmar-Mauler und blickt in die Runde. Eine verhexte Zahl, kein gutes Zeichen, er sei da vom Mittelalter geprägt, sagt er – und hat Glück: Es kommen noch einige mehr, die an seiner Krimiführung Innsbruck teilnehmen. Alles gut also!

Krimiführung, Innsbruck Altstadt

Ewald Strohmar-Mauler holt Kriminalistisches aus der Geschichte Innsbrucks.

Im Frühjahr hat Ewald Strohmar-Mauler die Prüfung zum staatlich geprüften „Austria Guide“ abgeschlossen und sich sofort darangemacht, spezielle Führungen für Innsbruck und die Umgebung zusammenzustellen. Seit Kurzem bietet er Krimiführungen durch die Altstadt von Innsbruck an – jeden ersten Donnerstag im Monat und gekleidet im Stile eines Erzählers aus dem 19. Jahrhundert: Knicker und Strümpfe, Wams und Zylinder. Und das bei mehr als schweißtreibenden Temperaturen. Er lässt sich nichts anmerken und begibt sich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf die Spuren von Mördern und Räubern, von Gesetzeshütern und Henkern.

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Der Fremdenführer holt so manches kriminelle Schmankerl aus seiner Tasche.

Krimiführung

Wir starten bei der Annasäule, in deren Nähe im Mittelalter der Pranger stand. In der so genannten Neustadt also, außerhalb der Stadtmauern, die sich wenige Schritte entfernt am Burggraben entlang zogen. Am Pranger litten und starben die Menschen für ihre Übeltaten. Je schlimmer das Verbrechen, desto schlimmer die Bestrafung: Strecken, Hängen, Köpfen, Vierteilen – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Das Mittelalter ist bekannt für seine Foltermethoden und peinvollen Bestrafungen.
Strohmar-Mauler, Kulturhistoriker mit Leidenschaft für Geschichte, hat für seine Führung im Innsbrucker Stadtarchiv recherchiert, alte Zeitungen und Bücher durchforstet – und Regionalkrimis gelesen, deren Schauplatz Innsbruck mit seiner Altstadt ist, so zum Beispiel die Veilchen-Krimis von Joe Fischler oder die Heisenberg-Krimis von Lena Avanzini.

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Eine der Stationen bei der Krimiführung: das Stadtrichter-Zeller-Haus in der Herzog-Friedrich-Straße.

Dabei schöpft er historisch aus dem Vollen: Denn der spätere Kaiser Maximilian I. wusste die neuen Medien zu nutzen, setzte auf den Buchdruck und packte die Rechtsprechung seiner Zeit erstmals zwischen zwei Buchdeckel: die Maximilianische Halsgerichtsordnung, auch Tiroler Malefizordnung genannt, erschien 1499 und galt bis ins 18. Jahrhundert.

Auf dem Scheiterhaufen

Beim Spaziergang, der unter anderem zur Innbrücke, in die Herzog-Friedrich-Straße und natürlich unters Goldene Dachl führt, erfahren wir, welche Rolle die Innbrücke bei der Übergabe von Verbrechern spielte, wieso sich niemand mit dem Henker an einen Tisch setzen wollte und warum Jakob Huter, Gründer der Wiedertäuferbewegung der Hutterer, unter dem Goldenen Dachl sein Leben lassen musste.

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Jakob Huter wurde unterm Goldenen Dachl verbrannt: In Tirol sind Wiedertäufer des Todes!

„Jedes Haus erzählt eine Geschichte“, sagt Ewald Strohmar-Mauler, und verweist auf „Im Alphabet der Häuser. Roman einer Stadt“ des Schriftstellers Christoph W. Bauer, in dem dieser auf lockere Weise die Stadtgeschichte Innsbrucks erzählt. Und während der kriminalistischen Erkundungstour streut der Mann mit Zylinder immer wieder Bonmots ein, verweist auf die Historie dieses Hauses oder auf jenes Fassadendetail.

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Die Geschichten um Mord und Totschlag in der Innsbrucker Altstadt wecken reges Interesse.

Eineinhalb – kurzweilige – Stunden später stehen wir auf dem Domplatz, Ewald Strohmar-Mauler schaut auf seine Taschenuhr, dann lüpft er den Zylinder: Die Zeitreise ist vorbei, eine mörderische Tour durch die Jahrhunderte zu Ende. Die Sonne verschwindet hinter dem Berg. Es wird kühler.

Weitere Spezialführungen finden Sie hier. Sehr zu empfehlen auch die thematischen Stadterkundungen der StadtführerInnen; regelmäßige Führungen sind zudem unter www.innsbruck.info aufgeführt.

Kontaktdaten
Ewald Strohmar-Mauler
Obergasse 19
6092 Birgitz
Tel. +43 720 514471
E-Mail: info@yourguide.at
www.yourguide.at

Alle Fotos: © Susanne Gurschler