Das Faszinierende am Handwerk sind natürlich die Produkte. Fast noch mehr liebe ich es aber, die Werkstätten zu besuchen, den Handwerkerinnen und Handwerkern über die Schulter zu schauen und ihre Leidenschaft unmittelbar zu spüren. Drei noch ganz junge Werkstätten haben es mir besonders angetan: Regina Textiles, die Gürtelwerkstatt Sanders und Strofeld Manufaktur.

Regina Textiles ist in einer ehemaligen Handweberei untergebracht.

Regina Textiles ist in einer ehemaligen Handweberei untergebracht.

Regina Knoflachs Werkstatt in Igls ist ein Schmuckstück mit Tradition. Bis vor einigen Jahren war hier eine Handweberei untergebracht. Die Aufschrift „Original Tiroler Handweberei“ erinnert nicht nur daran, seit Mai letzten Jahres ist sie auch wieder topaktuell: Denn da zog Regina mit ihrem Webstuhl ein (mittlerweile sind es drei) und eröffnete das Geschäft neu. Seither ist die liebevoll gestaltete Auslage ein Blickfang für Passanten, der ansprechend dekorierte Verkaufsraum gern besucht.

Mit drei Webstühlen arbeitet die Handweberin derzeit.

Mit drei Webstühlen arbeitet die Handweberin derzeit.

Die alten Einbauregale harmonieren wunderbar mit Reginas handgewebten Feinheiten: Tischwaren und Badetücher sind auf Tischen und Ablagen drapiert, auf dem alten Ofen im Eck liegen kuschelige Schals. Wer so liebevoll gestaltet, muss seinen Beruf lieben. Das Tolle hier: Gleich hinter dem Verkaufsraum findet sich die Werkstatt von Regina. Hier können die Besucher der Weberin zuschauen, erfahren, was es auf sich hat mit dem alten Handwerk, das Regina für sich neu entdeckt hat.

Regina Knoflach webt wunderschöne Tischware in kleinen Chargen.

Regina Knoflach webt wunderschöne Tischware in kleinen Chargen.

Kleine Chargen, tolle Wirkung

Regina Knoflach mochte immer schon alles, was mit Stofflichem zu tun hat: Filzen, Spinnen, Färben. 2012 machte sie schließlich eine Ausbildung zur Handweberin – in der Schweiz, denn hierzulande wird der Beruf nur noch von wenigen ausgeübt und sie wollte ihn „von der Pike auf“ lernen. Beim Weben braucht es vor allem eines: Geduld und Genauigkeit.
Bis die Fäden aufgezogen sind, vergehen Stunden und erst dann erklingt das bekannte rhythmische Klackern, wenn das Schiffchen durch die Bindung schießt und der Querfaden angezogen wird. Regina arbeitet manuell; jedes Stück, das sie produziert, ist ein Unikat. Ob Servietten, Tischläufer, Beutelchen, Taschen oder Schals – ihre Kreationen sind wunderbar gearbeitet und herrlich anzufassen. Schlicht, edel und beständig – ein Augenschmaus.

So schmuck sind Küchentücher aus Reginas Werkstatt.

So schmuck sind Küchentücher aus Reginas Werkstatt.

Lederstücke, Gürtelschnallen

Ins Näschen geht’s in der Gürtelwerkstatt Sanders. Es riecht intensiv nach Leder, das aufgerollt in den Regalen lagert und in unterschiedlich breiten Streifen auf dem großen Werktisch zur Bearbeitung bereitliegt. Vom Boden bis zur Decke darüber hinaus Boxen mit Gürtelschnallen in allen erdenklichen Formen, Farben und Größen. Bernhard Sanders ist Buchbinder aus Leidenschaft. Seit vielen Jahren führt er die Buchbinderei, „eine Spezialwerkstatt für Sonderarbeiten“, wie er sagt, die er von seinem Vater übernommen hat.

Letzten Oktober hat Bernhard Sanders seine Gürtelwerkstatt eröffnet.

Letzten Oktober hat Bernhard Sanders seine Gürtelwerkstatt eröffnet.

Buchbindearbeiten mit Leder gehören seit jeher zum Portfolio des Betriebes. Vor Kurzem kam das Taschnerhandwerk dazu. „Schon mein Vater verstand sich auf Leder-Galanterie, Material und Verarbeitungsmöglichkeiten haben mich immer schon gereizt“, sagt Bernhard. Als sich die Gelegenheit bot, die Bestände einer Gürtelmanufaktur zur Gänze zu übernehmen, schlug er zu und richtete eine eigene Gürtlerei ein. Letzten Herbst hat er sie eröffnet. Hier finden sich alle Gerätschaften, um Gürtel in den unterschiedlichsten Variationen herzustellen – von Cowboy– bis Trachtengürtel sozusagen.

Unendliche Variationsmöglichkeiten

Wer sich bei Sanders einen Gürtel selbst zusammenstellt, hat entweder ganz klare Vorstellungen, wie dieser ausschauen soll, oder genügend Zeit für die Auswahl, denn die ist riesig – wobei man natürlich auf die Beratung von Bernhard und seinem Team zählen kann. Dafür hat man am Ende einen maßgeschneiderten, individuellen Gürtel, der – in Bernhards eleganter „Books & Belts“-Verpackung – auch ein ganz besonders schönes, wertvolles und langlebiges Geschenk ist. Gürtel könne man ja nie genug haben, der Trend gehe eindeutig zum Zweitgürtel, schmunzelt Sanders. Einmal die Woche hält er seine Werkstatt für Interessierte offen.

Schnallen in allen Variationen und Formen stehen zur Auswahl.

Schnallen in allen Variationen und Formen stehen zur Auswahl.

Eine prima Gelegenheit, nicht nur die unglaubliche Auswahl zu bestaunen, sondern dem Fachmann beim Herstellen eines Gürtels über die Schulter zu schauen – demnächst gibt es Workshops, in den die Teilnehmer ihren eigenen Gürtel designen und produzieren können. Handgefertigte Gürtel aus der Gürtlerei Sanders sind zudem in ausgewählten Geschäften in Innsbruck erhältlich, so etwa im Schuhhaus Stiefelkater am Marktgraben oder im X-Double am Wiltener Platzl.

In der Gürtelwerkstatt Sanders kann man die Arbeitsprozesse mitverfolgen.

In der Gürtelwerkstatt Sanders kann man die Arbeitsprozesse mitverfolgen.

Omas Koffer in der Hand

Den Geruch von Leder noch in der Nase und das Klackern des Webstuhls im Ohr geht es weiter in die Dreiheiligenstraße. In der Kulturbackstube Bäckerei findet sich seit letztem Jahr die Werkstatt der „Strofeld Manufaktur“. Eine kleine Werkstatt im hinteren Bereich des Kulturzentrums, rechts eine Werkbank, allerlei Werkzeug im Kasten darüber, Lötkolben, Bohrer, Kabel, Kleber. Links ein paar Regale, auf denen Koffer unterschiedlicher Größe und Ausführung stehen – allen gemeinsam: Sie sind Vintage.

Zwei Strofeld-Koffer bereit zum Einsatz: daheim und unterwegs.

Zwei Strofeld-Koffer bereit zum Einsatz: daheim und unterwegs.

Strofeld Manufaktur, das sind Dominik Strobl und Jonathan Dornfeld. Ersterer hat kürzlich das „Management, Communikation & IT“-Studium am MCI Innsbruck abgeschlossen, Dornfeld ist gerade in der Endphase seines Wirtschaftsstudiums an der SOWI Innsbruck. Die beiden stellen transportable und akkubetriebene Audioanlagen in Koffern her. Diese lassen sich über das Smartphone kabellos steuern oder mit einem CD-Player verbinden.

Vintage-Koffer in unterschiedlichen Größen und Formen warten auf Bearbeitung.

Vintage-Koffer in unterschiedlichen Größen und Formen warten auf Bearbeitung.

Die Koffer sind dadurch für drinnen und draußen bestens geeignet. Und das Herrliche – abgesehen von der wirklich pfiffigen Idee natürlich – jeder Koffer ist ein Einzelstück. Ob man Omas alten Koffer wiederverwenden möchte oder einen stylishen auf dem Flohmarkt entdeckt hat – die beiden Tüftler machen eine tragbare Soundanlage daraus, die sich im Wohnzimmer ebenso schmuck macht wie bei der spontanen Grillparty im Garten oder beim Fläzen am Inn.

Gute Idee, eigene Firma

Die Idee für den Strofeld-Koffer hatte Jonathan Dornfeld, der beim Slacklinen nicht auf eine motivierende Klangkulisse verzichten wollte und diese kurzerhand in einen Koffer bastelte. Die innovative Idee fand großen Anklang beim Creativity Award von CAST – Center of Academic Spin-offs Tyrol. Nach dem 4. Preis und 300 Euro Preisgeld, erstellten die zwei einen Businessplan, präsentierten das Gesamtpaket und erhielten vom CAST-Gründungsbeirat 10.000 Euro Startkapital sowie einen Beratungsgutschein über 10.500 Euro.

Dominik Strobl ist einer der Köpfe der Strofeld Manufaktur.

Dominik Strobl ist einer der Köpfe der Strofeld Manufaktur.

Für Dominik Strobl hieß – das Studium kaum beendet und ein Praktikum absolviert – Firmengründung statt Weltreise, für Dominik, das Wirtschaftsstudium so rasch als möglich abschließen, um mit Strofeld durchzustarten. Dabei achten die beiden sehr darauf, das Unternehmen kontinuierlich weiterzuentwickeln und bei der Qualität keine Kompromisse zu machen: Die Innenverschalung jedes Koffers ist genau auf diesen abgestimmt, das Soundsystem wird der Koffergröße angepasst, die Batterien sind aufladbar und laufen auf Zimmerlautstärke bis zu 40 Stunden.

Der Künstler Matias Cabrera gab diesem Strofeld-Koffer eine besondere Note.

Der Künstler Matias Cabrera gab diesem Strofeld-Koffer eine besondere Note.

Derzeit ist die Homepage in Arbeit: Künftig sollen sich hier Interessierte bereits fertiggestellte Koffer bestellen oder einen Koffer nach eigenen Vorstellungen in Auftrag geben. Selbst ein schnöder Mickey-Mouse-Koffer kann dann zu einem echten Kultobjekt, einem Hingucker in der Wohnung werden.

Regina Textiles – Alte Handweberei
Regina Knoflach
Bilgeristraße 10
6080 Innsbruck/Igls
Mail: [email protected]
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9 bis 13 Uhr oder nach tel. Vereinbarung (Tel.: +43 676 6113770)
www.regina-textiles.at

Gürtelwerkstatt Sanders
Bernhard Sanders
Feldstraße 5
6020 Innsbruck
Mail: [email protected]
Öffnungszeiten: Fr 13.00 bis 17.00 Uhr oder nach tel. Vereinbarung (Tel. +43 512 392091)
www.booksandbelts.at

Strofeld Manufaktur
Dominik Strobl & Jonathan Dornfeld
Dreiheiligenstraße 21 a
6020 Innsbruck
Mail: [email protected]
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung (Tel. +43 676 62149469)
www.strofeld-koffer.at

Alle Fotos: © Susanne Gurschler

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und noch weitere Manufakturen in Innsbruck und seinen Feriendörfern kennenlernen möchte, der wird auf dem Innsbruck-Blog fündig – zum Beispiel hier, hier oder hier.