Der Bock ist los! Auch andere Figuren treiben bei der Fasnacht ihr Unwesen

04. Februar 2016: Das Axamer Wampelerreiten ist ein traditioneller Fasnachtsbrauch in Axams bei Innsbruck mit einem bedeutsamen Rollenspiel: Ein „Reiter“ muss dabei den „Wampeler“ auf den Rücken werfen, was den Kampf zwischen Frühling und Winter symbolisiert. Auch andere Figuren sind anwesend, alle haben eine andere Bedeutung.


Jedes Jahr findet das Spektakel am Unsinnigen Donnerstag statt. „Für die Einheimischen ist dieser Tag einer der wichtigsten des ganzen Jahres“, erklärt Patrick Auer, Wampelervater und einer der Organisatoren der Axamer Fasnacht. Aber nun zu den Figuren:

Wampeler, Wampe (=dicker Bauch)

Die Figur verkörpert den Winter, wirkt mächtig und respekteinflößend. Der Wampeler trägt eine grobleinerne weiße Pfoad (=Hemd), die mit Grummet (=Heu der zweiten Mahd) ausgeschoppt (=ausgestopft) wird. „Durch das viele Heu kann er sich schwerer bewegen, wird jedoch vor Verletzungen geschützt, wenn er zu Boden fällt“, erklärt Patrick. Ausgestopft werden die praktizierenden Wampeler von ehemaligen Wampelern. „Die Alten helfen somit den Jungen.“ Außerdem trägt er einen breiten Ledergurt, einen roten Rock über einer Hose, feste Schuhe und einen Stock in der Hand. Seine traditionell geschnitzte Larve (=Holzmaske) wirkt ernst, seinen Kopf bedeckt er mit einer Fuzzelhaube (=Fellhaube). „Geschnitzt werden die Masken von mehreren einheimischen Bildhauern und Schnitzern.“

Wamppeler. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Wampeler. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Tuxer

Die schönste Figur der Axamer Fasnacht ist maskiert mit der Holzmaske eines jungen, kraftvollen und schönen Mannes. Der Tuxer trägt wertvolle Seidentücher, Maschen und Schleifen. Die Figur symbolisiert den Frühling sowie die Jugend; sein Fügner (=Frauenhut) geschmückt mit Blumen, Glasfedern und Spielhahnfedern deutet darauf hin. Außerdem trägt er zwei Trachtenschürzen, eine Geißel, mit der er schnalzt (=laut knallt) und hübsche Mädchen zum Tanz einfängt.

Tuxer. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Tuxer. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Flitscheler

Er gilt als Symbol für Fruchtbarkeit und trägt seinen Anzug verkehrt – die Nähte und das Futter zeigen somit nach außen. Auf seiner Jacke aufgenäht sind getrocknete Blätter der Flitschen (=Maiskolben). Pro Kostüm braucht es ca. 120 Maiskolben, die mit einem Knoten zur Flitsche zusammengebunden werden, für die es je 4 Maiskolben braucht. Insgesamt zieren ihn 30 Flitschen und eine Holzmaske, Fäustlinge sowie ein Fichtenast. Erstmals verkörpert wurde die Figur 1957 von Peter Flitscheler, der bei einem Unfall verstorben ist.

Flitscheler. Hexen. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Flitscheler. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Axamer Hexen – Nadeln

Hexen gibt es in fast allen Tiroler Fasnachten. Eine Variation sind die sogenannten Nadeln, oder Omas der Fasnacht. Anstelle des Hexenbesens führen sie einen Hoagliger (=Krückstock) mit sich. Sie wirken lustig, ihre Maske hat weichere Gesichtszüge als die der Hexen, sie treten aber grantig (=mürrisch) auf. Außerdem tragen sie ein Schultertuch und eine Seidenschürze anstatt wie die Hexen eine Decke.

Hexen. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Hexen. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Nadel. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Nadel. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Buijazzl

Sein Name leitet sich vom Italienischen „Bajazzo“ (=Spaßmacher, Possenreiter) ab; der flinke Komödiant sorgt für Schwung und Stimmung: Seine Kleidung ist bunt, mit seinen Glöckchen am Rollkranz und dem spitz auslaufenden Hut macht er auf sich und die anderen Fasnachtsfiguren aufmerksam, in dem er Räder schlägt und übermütig auf und ab springt. Seine Maske ähnelt jener des Tuxers, jedoch mit variierenden Augen und geschnitzten Haaren – manchmal auch mit Zähnen und Schnurrbart.

Buijazzl. Hexen. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Buijazzl. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Altbayrisches Paar

Es symbolisiert die Harmonie zwischen Mann und Frau. Ihre Tracht besteht aus einem feinen, schwarzen Tuch und einer wertvollen Fürschtiger (=Seidenschürze) sowie einem besonderen Stotzn (=Trachtenhut). Der Mann trägt einen Anzug mit Trachtengilet, Hemd, Krawatte und Hut. Das Liebespaar folgt dem Fasnachtszug bedächtig und bringt Walzer und Polka tanzend ein wenig Taktgefühl.

Altoarisches Paarl. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Altboarisches Paarl. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Bär und Bärentreiber

Die Figuren stehen für den Kampf zwischen Sommer und Winter: Laut brummend kündigt der Bär das herannahende Frühjahr an. Der Treiber, als Symbol für den Winter, versucht ihn, an einem Seil angebunden zu bändigen.

Bären. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Bären. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Axamer Bock

Wer bis hierher gelesen hat, wird nun belohnt mit dem Axamer Bock – Wahrzeichen der Axamer Fasnacht und Namensgeber der Fasnachtszeitung. Im Gedicht von Franz Jordan geht es um einen Geißbock, der von einem gewissen Franz Melcher für den Leibhaftigen gehalten wurde, also den Teufel – heißt es zumindest in der Sage. Zugegeben, ein wenig diabolisch wirkt das Tier schon, gut riechen tut es auch nicht. Der Autor hat in den Jahren 1774 bis 1828 im Ort gelebt und war stets Zeuge des damaligen Fasnachtsgeschehens. Beim großen Fasnachtsumzug alle vier Jahre wird das Gedicht vorgetragen. Heute erinnert ein Bock aus Stein am Dorfplatz gegenüber der Kirche an die bekannte Sage.

Axamer Bock. Foto: Fasnachtsverein Axams.

Axamer Bock. Foto: Fasnachtsverein Axams.

 

Hier das Gedicht in Tiroler Mundart:

Jetzt paßt fein auf, ihr lieben Leit.
I will enk iatz glei sog‘n
Wos sich vor gor nit langer Zeit
iIn Axams zuegetrog‘n.
Es ist dort zu derselben Zeit
Gar Schreckliches passiert.
Sie hob‘n dort, so geht die Mär
An Goasbock arretiert.

Es ist sonst ganz a netter Kerl
Er gfallt allen Leuten wohl
Aber von dem, wos kürzl er derstöllt
Is gonze Landl voll.
Den Melcher Franz khert der Bock
Der gor nia bleibt zu Haus
Den hellichten Werktog in aller Fruah
Geaht er in Hongart aus.

Heut ist er ihm schon wieder durch
In seinen schiansten Rock
Jetzt muass er ihn wieder such‘n giehn
Den tausensaggra Bock.
Schnell geht der Marsch heut Grinzens zua
Der Franzl dös nit woaß
Und krot beim Miterbichlwög
begegnet ihn die Goas.

Ho,Ho, mei liaber Alter
Wohin geaht ehit die Roaß?
I moan, du kunnst mi kenner
I bin die Grinziger Goaß.
Der Bock, der stellt sich tearisch
Und krazt sein dunklen Rock
Die Goas, die wird recht grantig
Und sagt zu ihrem Bock:

O du verflixter Kerl
Koa Antwort gibst du mir
Jetzt hun i giehn 15 Kitzlein ghabt
Und alle sein sie vo dir.
Drauf geahter zruck zum Widum hin
Gleich hat mans hearn tuschn
Jetzt hat dös verdammte Luaderviech
Drei tragige Loab derwuschen.

Dort hagn sie ihn glei verjagn
Und als an Dieb verschriern
Drum lafft er hin in Bierwirtshaus
Und ist dort hockn blieben.
Jetzt fangt der Bock zu saufen an
Er sauft, es ist a Graus
Und weil ers Bier glei fertig hot
Sauft er nou den Hansl aus.

Die Gäst, die sogn: mei lieber Wirt
Wir mögen heut nix mehr trinken
Der zottlte Herr, da hinterm Tisch
Der tuet ins viel zfest stinkn.
Und weil der Kerl nit zahlen will
Do kriagt der Wort an Zoarn
Er tappet auf dös Luaderviech
und ziacht ihn außi bei die Hoarn.

Jetzt geahts der Silbergassn zu
Er woaß, wos er verbrochn,
Und wia er zu der Kirchn kimmt
Da hot er öppis grochn.
Er besinnt sie nit long hin und her
Laft durch die Kirchentür
Der Meßmer, der das alls nit woaß
Schiebt glei den Riegl für.

Am anderen Tag in aller Früah
Ists Unglück nachher gschöchn
Dös war a Schröckn und a Graus
Wie mans noch nie hot gsöchn.
Der Meßmer kimmt im wackeren Schritt
Sperrt auf die Kirchentür
Da kimmt der leibhafte Luzifer
In Bockgestalt herfür.

Vom Lärm do kemmen Leut daher
Der Bock wird arretiert
Und weil der Kerl nix sogn will
Werd er in die Keuchn gführt.
Dort kriagt der Bock schnell Nudl
Und noch dazu a Heu
Denn die Leit wölln endlich wissen
Obs a Bock oder der Teifl sei.

Der Bock frißt schnell die Nudl
Und gleich darauf das Heu
Drum wissn die Leit heit no nit
Obs a Bock oder der Teifl sei.
Jetzt ratet alles hin und her
Was nun zu machen sei
Der Richter, der kimmt a daher
Und spricht den Goasbock frei

Drauf geht er er übers Halsl hin
In seinem schönsten Rock
Die Fulpmer habn ihn gleich erkennt:
Dös ist der Axamer Bock!

 

Lust auf original Innsbrucker/Tiroler Brauchtum? Dann traut euch doch zur Axamer Fasnacht. Die Hexen tun euch nichts, der Bock auch nicht. Wirklich!

Koordinaten:
Fasnachtsumzug mit Wampelerreiten
Donnerstag, 04.02.2016 am Axamer Dorfplatz, ab 13.00 Uhr bei jeder Witterung.