Jubiläumsjahre sind eine feine Sache, so gibt es immer etwas zu zelebrieren. Und Feste muss man feiern, wie sie fallen, gegebenenfalls auch einige hundert Jahre später. 2017 erinnern wir uns beispielsweise an Martin Luther und seine Thesen, Erzherzog Ferdinand II. (450 Jahre als Tiroler Landesfürst in Innsbruck) und an Maria Theresia (300. Geburtstag). Der „Schwiegermutter Europas“ wird in ganz Österreich mit Sonderausstellungen und Veranstaltungen gedacht.
Maria Theresias Geburtstag war am 13. Mai. Normalerweise vergesse ich nie einen Geburtstag, meine Glückwunschspost ist (meistens) pünktlich. Gutes Timing für meine Blogartikel ist da schon schwieriger. Deshalb, Verzeihung, hier meine nachträglichen Geburtstagsgrüße …

Die Regentin

Maria Theresia wurde am 13. Mai 1717 als Tochter von Kaiser Karl VI. am Wiener Hof geboren. Der Kaiser hoffte bis zuletzt auf einen männlichen Thronfolger, ohne Erfolg. Deshalb setzte er noch zu Lebzeiten die Pragmatische Sanktion durch, in der die Unteilbarkeit des Habsburgerreiches festgelegt und eine weibliche Nachfolge ermöglicht wurde. Zunächst hatten alle Mächte Europas diese Regelung akzeptiert, doch nach dem Tod des Kaisers musste Maria Theresia hart um ihr Erbe kämpfen. Von da an war und blieb der Preußenkönig Friedrich II. der Große ihr Erzfeind.
Als Maria Theresia 1740 die Regierungsgeschäfte übernahm, war sie 23 Jahre alt, verheiratet und dreifache Mutter. An ihrer Seite stand ihr Mann, der spätere Kaiser, Franz I. Stephan von Lothringen. Er war ein Finanzgenie und naturwissenschaftlich interessiert, doch in politischen Dingen hielt er sich im Hintergrund. Er legte in Wien den Grundstock für das Naturhistorische Museum und für den (ältesten erhaltenen) Tierpark Schönbrunn. Auch wenn ER der gekrönte Kaiser war, Regentin war SIE.

Altstadt, Innsbruck

Der Innenhof mit Brunnen (Hl. Florian, links) der Theresianischen Normalschule in der Kiebachgasse der Innsbrucker Altstadt. (Fotos: E. Strohmar-Mauler)

Die Reformerin

Heute verbindet jedes Kind in Österreich Maria Theresia mit der allgemeinen Schulpflicht (an dieser Stelle: Danke!). In Innsbruck erinnert die Maria-Theresianische Normalschule in der Kiebachgasse daran. Diese Einrichtung war die zweite städtische Schule und diente zur Lehrerausbildung. Der Innenhof mit hölzernen Galerien und Renaissancebrunnen ist bis heute besonders reizvoll (nicht öffentlich zugänglich – außer mit dem täglich geführten Stadtspaziergang; kostenlos mit der Innsbruck Card). Tatsächlich war diese Bildungsreform nur eine von vielen: Auch die Abschaffung der Folter oder die Modernisierung von Verwaltung und Militär setzte Maria Theresia durch. Nur in religiösen Belangen war die streng katholische Monarchin wenig tolerant, sie ließ Juden verfolgen und Protestanten ausweisen.

Hofburg Innsbruck

Der Riesensaal der Hofburg Innsbruck: ein Denkmal für Maria Theresias Großfamilie. (Foto: Innsbruck Tourismus)

Die Mutter

Maria Theresia war nicht nur die Frau an der Spitze eines riesigen Reiches, sondern auch Mutter von elf Töchtern und fünf Söhnen (!!). Sie galt als streng und hatte oft ein schwieriges Verhältnis zu den Kindern. Alle genossen eine ausgezeichnete Bildung, viele wurden früh auf Regierungsaufgaben vorbereitet. Soweit möglich wurden sie strategisch verheiratet. Maria Theresia trieb die habsburgische Heiratspolitik zur Perfektion. Bekanntestes Beispiel ist die Hochzeit der jüngsten Tochter Maria Antonia, die als Frau des französischen Königs als Marie Antoinette tragische Berühmtheit erlangte. Von ihren zahlreichen Enkeln lernte Maria Theresia nur eine einzige kennen. (Das lag wohl nur bedingt daran, dass sie selbst nicht gern reiste und die Kinder mit ihren Familien über ganz Europa verstreut lebten.)

Hofburg Innsbruck, Rennweg

Das „Schönbrunn der Alpen“: die Rokokopracht der Kaiserlichen Hofburg in Innsbruck. (Foto: Innsbruck Tourismus)

Heiratssachen und Todesfall in Innsbruck

Das Kaiserdenkmal an der Abzweigung nach Natters. (Foto: A. Bader)

Der zweite Sohn Erzherzog Leopold (der spätere Kaiser Leopold II.) sollte die spanische Infantin Maria Ludovica heiraten. Als Ort dafür wurde Innsbruck gewählt, der Wiener Hof kam der weitgereisten Braut quasi entgegen. Maria Theresia verband nicht viel mit Innsbruck, sie selbst kam nur zweimal in die „Hauptstadt der Alpen“. Briefe belegen, dass sie eine intensive Freundschaft mit der Gräfin von Enzenberg auf Schloss Tratzberg verband. Die Großeltern ihres Gatten waren außerdem Statthalter von Innsbruck gewesen.

Für die Hochzeit wurde die Stadt auf Vordermann gebracht. Die mittelalterlichen Stadttore und -gräben (heute Burg- und Marktgraben) wurden entfernt, um ordentlich Platz zu schaffen. Aus den Steinen des Vorstadttors (Richtung Maria-Theresien-Straße) wurde später die Triumphpforte gebaut. Vor allem aber wurde die Kaiserliche Hofburg aufwendig renoviert.

Im August 1765 begrüßte Maria Theresia ihre Schwiegertochter etwas südlich von Innsbruck. Das  Kaiserdenkmal am Weg nach Natters erinnert daran. Die Hochzeit wurde groß gefeiert und die folgenden Festlichkeiten sollten mehrere Wochen dauern. Doch der Vater des Bräutigams, Kaiser Franz I. Stephan, starb überraschend nach einer Theatervorführung. Dieser Schicksalsschlag traf Maria Theresia hart, fortan trug sie nur noch Schwarz. Das Sterbezimmer in der Hofburg ließ sie zu einer Kapelle umbauen. Aus dem Riesensaal der Hofburg machte sie einen prachtvollen barocken Familiensaal mit Porträts aller Familienmitglieder. Sie gründete ein Adeliges Damenstift zum Gedenken an den Kaiser, das bis heute oberhalb des Stiftkellers besteht.

Innsbruck

Die Triumphpforte. Rechts: Blick auf die fröhliche Südseite gegen Norden. (Fotos: Innsbruck Tourismus)

Die Triumphpforte, ein klassizistisches Kunstwerk von Balthasar Moll, spiegelt schließlich die Ereignisse von 1765 wider: Die Südseite, daher kommend zog das Brautpaar in die Stadt ein (Leopoldstraße!), steht für die fröhliche Hochzeit, die Nordseite für den tragischen Todesfall.
Maria Theresia regierte übrigens weiter bis zu ihrem Tod 1780 – zusammen mit ihrem Sohn Kaiser Joseph II.

Eine eigene Straße

Maria-Theresien-Straße, Innsbruck

Ein Portrait der jungen Maria Theresia in der gleichnamigen Straße.

„Warum hat Maria Theresia nun also eine eigene Straße?“ – Ich denke, im Text wurden zahlreiche Gründe genannt. Ein besonders wichtiger ist wohl, dass sie eine Frau war. Die einzige Frau wohlgemerkt, die das Habsburgerreich in seiner jahrhundertelangen Geschichte regierte. Und das als Mutter von 16 Kindern. Die Maria-Theresien-Straße ist heute eine bunte Prachtstraße in Innsbruck, mit barocken Palais, Einkaufsmöglichkeiten und Cafés. Sie verbindet die Triumphpforte mit der Altstadt. Die Namensgeberin selbst ist übrigens auf einem Haus als junge Frau zu sehen: Maria-Theresien-Straße 22, Blick nach oben, Augen auf!

Wer Maria Theresias Spuren in Innsbruck verfolgen möchte, dem sei ein Besuch in der Kaiserlichen Hofburg wärmstens empfohlen. Mit einem Austria Guide deines Vertrauens kannst du auch den erwähnten Innenhof der Theresianischen Normalschule entdecken oder Details zur Triumphpforte erfahren. Per Pedes bietet mit der Imperial Tour (Altstadt inkl. Hofburg) und mit dem Stadtspaziergang (Altstadt inkl. Innenhof Kiebachgasse) interessante Führungen an (mit Innsbruck Card beide kostenlos).

 

Links

Artikel zum Jubiläum in der Tiroler Tageszeitung: hier.
Kaiserliche Hofburg Innsbruck: Ausstellung „Würdige Regentin, Rennweg 1, Tel. +43 (0) 512 587 186 – 19, hofburg-innsbruck.at
Innsbruck Card: www.innsbruck.info
Austria Guides Tirol: www.itf-tirol-guides.at
PER PEDES Stadtführungen – Kulturvermittlung Dr. Monika Frenzel: Löfflerweg 36, Tel. +43 (0) 664 433 94 19, www.perpedes-tirol.at

Herzlichen Dank an die Austria Guides Alexander Bader und Ewald Strohmar-Mauler für die Bereitstellung von Bildern für diesen Artikel.