Die Exl-Bühne ist eine Legende. Von Innsbruck aus eroberte das Laien-Theater ganz Europa. Es spielte in Wien und Berlin, in Mailand und Brüssel. Die Ausstellung „Eine Vorstellung der Exl-Bühne“ im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck widmet sich der Geschichte dieser außergewöhnlichen Theatergruppe, ihren großartigen Darstellern, ihren Erfolgen – und ihren dunklen Seiten.

Gegründet wurde die Exl-Bühne 1902 vom Innsbrucker Laienschauspieler Ferdinand Exl. Foto: © benedikt-haid.eu

Von 1902 bis 1956, also mehr als 50 Jahre, prägte die „Exl-Bühne“ das Theatergeschehen in ihrer Heimat, begeisterte auf ihren Tourneen, die das Ensemble unter anderem nach Italien, Belgien und Russland führten. Wie keine andere Laienbühne repräsentierte sie die „Goldene Zeit des Tiroler Volkstheaters“. Die Kuratoren lotsen den Besucher durch ein Theater, vorbei an zentralen Stationen, die wie Elemente einer Theateraufführung zusammengestellt sind.

Treten Sie ein!

Schon am Eingang sieht man sie, die Säulen der Exl-Bühne: Die Hauptdarsteller sind im Foyer versammelt. Allen voran Ferdinand Exl, der die Bühne 1902 als Laienspieler-Bauerntheater gegründet hat, seine Frau Anna, Ilse Exl, die Tochter, Mimi Gsöttner-Auer, Ernst Auer und der furiose Eduard Köck. Markante Gesichter, die sich heute noch genauso einprägen, wie sie es damals taten.
Dann die Stücke, die die Exl-Leute auf der Bühne lebendig werden ließen. An der Wand sind Originalaufnahmen von Produktionen der Exl-Bühne zu sehen.

Alles Theater!

Die bekannten Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter und Karl Schönherr finden sich darunter. Sie schufen Dramen in Bühnen-Mundart mit sozial- und gesellschaftskritischem Anspruch – genau richtig für eine Bühne, die nicht nur Bauernschwänke und -possen spielen wollte. Die Exl-Leute feierten großartige Erfolge mit Werken wie „Frau Suitner“ oder „Erde“. Rund 60 Stücke, so erzählte Ernst Auer in den 1930er Jahren, könnte die Exl-Bühne jederzeit aufführen, 300 habe sie im Programm.

Eine Wand voller Aufführungfotos, Stückbeschreibungen und Autoreninformationen; Foto: © benedikt-haid.eu

Natürlich spielte sie auch Schwänke und Possen. Gerade in den Kriegs- und Krisenzeiten wollten die Besucher den Alltag vergessen, sich vergnügen. Und so standen währende des 1. Weltkriegs, in der Nachkriegszeit viele Komödien auf dem Programm – zudem bestand natürlich immer die Gefahr, dass kritische Stücke zensuriert wurden.

Auf den Brettern!

Schon geht es weiter auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Mit einem Schritt steht der Besucher auf der Bühne: zwei Stühle, ein Tisch, man könnte loslegen. Die Kuratoren vergessen nicht, darauf hinzuweisen, wer alles hinter der Bühne werkt, damit vor dem Vorhang alles läuft: Kostümbildner, Tontechniker und Bühnenbildner, um nur einige der guten Geister zu nennen.

Das Modell der „Würfelbühne“ von Hans Fritz hat es mir besonders angetan. Foto: © benedikt-haid.eu

Ein sehr spezielles Objekt ist das Modell der „Würfelbühne“, die der Innsbrucker Architekt Hans Fritz entworfen hat. Mit Quadern, Dreiecken und Zylindern sollte jeder Raum auf der Bühne konstruiert werden. Die Exl-Bühne war von Fritz‘ Idee angetan und verwendete die Elemente eine Zeit lang für ihre Bühnendekoration, erstmals 1919 auf der „Kleinen Bühne“ im Grauen Bären in der Universitätsstraße. Die Würfelbühne setzte sich letztlich zwar nicht durch, der Besucher aber ist animiert, in die Kiste neben dem Modell zu greifen und sich aus Holzklötzen seinen eigenen kleinen Bühnenraum zu konstruieren.

Applaus! Applaus!

Stehende Ovationen bekam die Exl-Bühne nicht nur in Innsbruck, wo sie unter anderem im „Österreichischen Hof“ spielte, im Laurin-Kino und am Stadttheater (heute: Tiroler Landestheater). Ab 1924 trat die Theatergruppe regelmäßig auch in Wien auf (später im eigenen Theater) – und sie ging auf Tournee quer durch Europa: Mailand und Berlin, Triest und Brüssel, Hamburg und Breslau sind nur einige der Stationen.

Tourneen führten die äußerst erfolgreiche Laien-Bühne quer durch Europa. Foto: © benedikt-haid.eu

Thematisiert wird auch das Verhältnis der Exl-Bühne zur Politik, insbesondere die Nähe der Künstler zum Nationalsozialismus. Bereits 1933 traten Ferdinand Exl und weitere Bühnenmitglieder der damals in Österreich noch illegalen NSDAP bei. Der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland bescherte der Bühne Erfolge unter anderem als „Wehrmachtsbühne“. Trauriger Höhepunkt: 1944 spielte das Ensemble für die SS-Wachmannschaft im Konzentrationslager Auschwitz und damit in unmittelbarer Nähe zu den Häftlingen, die hier systematisch ermordet wurden. Zudem spielten die kernigen Darsteller der Exl-Bühne in Blut-und-Boden-Filmen mit.

Ein dunkles Kapitel sind die Aktivitäten der Exl-Bühne in der NS-Zeit. Foto: © benedikt-haid.eu

Der Vorhang fällt!

1947 wurden die ehemaligen Partei-Mitglieder der Exl-Bühne als „minderbelastet eingestuft” und konnte ihre Theatertätigkeit wieder aufnehmen. An die großen Erfolge der Zwischenkriegszeit konnte das berühmte Theater – dessen Leitung zunächst Ilse (Ferdinand Exl war 1942 gestorben) übernommen hatte und nach deren Tod Anna Exl – nicht anschließen.
Die fehlende Unterstützung von Stadt Innsbruck und Land Tirol führten schließlich dazu, dass das Ensemble im Oktober 1956 seine letzte Vorstellung gab: Gespielt wurde „Erde“ von Karl Schönherr, ein Stück, das die Exl-Bühne fast 50 Jahre lang jede Saison aufgeführt hatte. Bevor der Vorhang endgültig fällt, zeigt die Ausstellung aber noch Ausschnitte aus bekannten und weniger bekannten Kinofilmen, in denen Mitglieder dieser berühmten Volksbühne mitgewirkt haben.

Die Mitglieder der Exl-Bühne waren auch als Filmschauspieler sehr erfolgreich. Foto: © benedikt-haid.eu

„Eine Vorstellung der Exl-Bühne“  ist eine ansprechende Schau, die ich jedem, der sich für Theatergeschichte und (Tiroler) Volkstheater interessiert, nur empfehlen kann. Und wer sich noch stärker in die Thematik vertiefen möchte, dem lege ich das Buch „Der Traum vom Volkstheater. Die Geschichte der Exl-Bühne (1902-1956)“ von Eckehart Schmidl ans Herz, erschienen 2013 im Innsbrucker Haymonverlag.

Ausstellungskuratoren: Renate Ursprunger und Niko Hofinger
Grafik und Ausstellungsgestaltung: Benedikt Haid

Eine Vorstellung der Exl-Bühne
Bis 31. März 2017
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Badgasse 2
6020 Innsbruck
Telefon +43 512 / 5360 – 1413
[email protected]
www.innsbruck.gv.at
Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo bis Fr, 10.00 bis 17.00 Uhr; So 5.2. und 12.3., 10.00 bis 12.00 Uhr

Weitere Infos zum Stadtarchiv/Stadtmuseum gibt es hier.