Wer in den Bergen unterwegs ist, hat sie häufig zum Ziel: eine der zahlreichen Alpenvereins-Schutzhütten. Hier kehrt der müde Wanderer ein und der hungrige, und viele übernachten auf einer Schutzhütte, um tags darauf ihre Bergtour fortzusetzen. Ziemlich sicher ist der Berggeher dabei auch auf Wegen unterwegs, die von Alpenvereinsmitgliedern instand gehalten werden.
Die Ausstellung „Hoch hinaus! Wege und Hütten in den Alpen“ geht dieser facettenreichen Geschichte nach. Konzipiert wurde sie vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV), dem Deutschen Alpenverein (DAV) und dem Alpenverein Südtirol (AVS) und zu sehen ist sie bis 3. Februar 2017 im Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck im Adambräu.

Die Alpenvereine haben fast 600 Schutzhütten. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Die Alpenvereine haben fast 600 Schutzhütten. Foto: Raich/ÖAV-Museum

569 Hütten

Gleich zu Beginn der Schau beeindruckt eine Landkarte, auf der alle derzeit im Besitz der Alpenvereine befindlichen Schutzhütten in den Ostalpen mit einem Fähnchen markiert sind. Wie eine Gliederkette reihen sie sich teilweise aneinander. 569 Schutzhütten besitzen DAV, ÖAV und AVS insgesamt. Im Laufe der Zeit waren es dreimal so viele.
Ihre Bedeutung für den Tourismus ist enorm: 1,12 Millionen Nächtigungen verzeichnen die Schutzhütten jährlich. Nicht zu reden von den 66.000 Kilometern Wege, die AV-Mitglieder instand halten und betreuen, wofür sie – ehrenamtlich – 125.000 Arbeitsstunden im Jahr aufwenden.
Im Vergleich zur Ausstattung heutiger Schutzhütten, waren die ersten Hütten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurden, winzig und schlicht. Sie bestanden meist aus einem, maximal zwei Räumen mit Kochstelle, Schlaf- und Sitzgelegenheit. Die Unterkünfte erwiesen sich rasch als zu klein.

Die ersten Alpenvereinshütten waren sehr schlicht. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Die ersten Alpenvereinshütten waren sehr schlicht. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Mit Dunkelkammer

In der Ausstellung werden die Zu- und Umbauten der folgenden Jahrzehnte exemplarisch an einem Modell gezeigt, das in seine „Einzelteile” zerlegt und wieder zusammengefügt werden kann – eine Art dreidimensionales Puzzle. Viele Schutzhütten wuchsen im Laufe der Zeit zu einem Spiegelbild bürgerlichen Lebens im hochalpinen Raum.

Hüttenmodell in seinen Einzelteilen. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Hüttenmodell in seinen Einzelteilen. Foto: Raich/ÖAV-Museum

So wurde etwa das Meißnerhaus im Viggartal, das von der Sektion Meißen errichtet wurde, mit herrlichen Meißneröfen ausgestattet, wertvolle Unikate, die heute unter Denkmalschutz stehen. In den zwei getäfelten Stuben finden sich darüber hinaus Bilder und Fotografien von Meißen und seiner Umgebung.
Einige Hütten waren richtig luxuriös. Als bekanntestes Beispiel gilt die Berliner Hütte im Zillertal, seit 1997 unter Denkmalschutz. Sie verfügte u. a. über eine Dunkelkammer, ein Postamt und eine Schuhmacherwerkstätte. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kam eine Telefonanlage dazu, ab 1912 gab es elektrisches Licht. Die mondäne Innenausstattung – darunter herrschaftliche Eingangshalle, großer und kleiner Speisesaal – lässt Besucher heute noch staunen.

Die AV-Sektionen erhalten ihre Hütten und Wege. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Die AV-Sektionen erhalten ihre Hütten und Wege. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Technisches Know-how

Im Zuge von Modernisierungen und Adaptierungen gewann das Thema ökologisches Bauen in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung. Die meisten Schutzhütten sind heute mit Solaranlagen und Klärwerken ausgestattet. Was mittlerweile an technischem Know-how in einer Hütte steckt, zeigt wiederum ein Hüttenmodell.
Per Knopfdruck kann man hier nachvollziehen, welche Abläufe mit der Toilettenspülung in Gang gesetzt werden – und was das im hochalpinen Raum kostet. Rechnet man nämlich die Investitions- und Betriebskosten auf die Zahl der Spülungen um, kostet eine Toilettenspülung im Hochgebirge fünf Euro. Und würden nicht Freiwillige der Alpenvereine die Wegeerhaltung übernehmen, fielen massive Kosten für die öffentliche Hand an.

Noch einmal macht die Ausstellung einen Schwenk in die Geschichte: In einem kleinen Zwischenstock werden die „Baudamen“ gewürdigt – die Sektionen, die ihre Hütten und Wege seit Anbeginn vorbildlich betreuen.

Im „Matratzenlager“ mit herrlichem Blick auf die Nordkette. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Im „Matratzenlager“ mit herrlichem Blick auf die Nordkette. Foto: Raich/ÖAV-Museum

Herrlicher Blick

Wie es sich gehört für eine Ausstellung zum Thema Schutzhütten landet der Besucher am Ende im Matratzenlager, im obersten Stock des Adambräus mit fantastischer Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge, allen voran natürlich die prägnante Nordkette und der Patscherkofel. Eine Aussicht, fast so schön wie von einer der prächtigen Schutzhütten rund um Innsbruck – aber nur fast.

Von wo aus genießt du am liebsten einen Blick auf Innsbruck und seine Berge?

Informationen

Hoch hinaus. Wege und Hütten in den Alpen.
Bis 3. Februar 2017
Archiv für Baukunst /Forschungsinstitut der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Im Adambräu
Lois-Welzenbacher-Platz 1
6020 Innsbruck
Tel. +43 (0)512 507 33101
Mail: [email protected]
www.archiv-baukunst.uibk.ac.at

Öffnungszeiten: Di – Fr 10.00 – 13.00 und 16.00 – 18.00 Uhr
Do 10.00 -13.00 Uhr mit Abendöffnung 16.00 -21.00 Uhr
Sa 11.00 – 17.00
Jeden Donnerstag um 18.00 Uhr Abendführung; Sonderöffnung für Gruppen und Schulklassen auf Anfrage: [email protected]

Weitere Infos unter www.alpenverein.at
Eine Liste der Schutzhütten und Almen rund um Innsbruck und seine Feriendörfer ist hier zu finden.